Welt : Mein Garten Eden: Krieg im Garten

Ursula Friedrich

Während der letzten Hitzewelle wurde mein kleiner Garten von der roten Gartenameise überfallen. Zunächst hatte ich nur einige Einzelgänger zwischen Grashalmen und an den Rosenbüschen bemerkt. Aber dann, eines schönen Morgens, setzten sie plötzlich zum Großangriff auf das Haus an. Zu Tausenden marschierten sie bis zur Terrassentür und am Türrahmen hoch. Wahrscheinlich habe ich ihre Zahl sogar unterschätzt, ein einziges kleines Nest wird von bis zu 15000 Tieren bewohnt, schreibt der Gartenjournalist Peter Omm.

So. Und was mache ich jetzt? In einem Gartenbuch steht unter dem Stichwort Wurzelschädlinge schlicht: gegen Ameisen E 605. Aber ich habe einen Hund. Wie kann ich E 605 im Garten aussetzen? Ich goss zunächst kochendes Wasser auf die Sturmspitze. Es dauerte nicht lang, bis sich die Angreifer neu ordneten. Unermesslicher Nachschub aus den Graskasernen hinter der Terrasse. Kochender Aufguss von Wermutblättern soll helfen. Oder ein Schwamm, mit Zuckerlösung getränkt, in den sich die Ameisen hineindrängen und dann ausgespült werden können. Wohin lege ich den Schwamm? Ins Gras? Auf die Steine? Ins Wohnzimmer?

Im "Almanach des Guten Gärtners" aus dem Jahr 1799 steht geschrieben, dass man im Wald große starke Waldameisen fangen soll und im Garten aussetzen. Zwischen ihnen und den kleinen Roten herrsche Blutsfeindschaft. Die großen griffen die kleinen an und hörten erst mit dem Kämpfen auf, wenn alle vernichtet seien. Heißt es. Eine Art Nato-Eingreiftruppe, wenn der Vergleich erlaubt ist. Aber als ich im Wald nach ihnen suchte, fand ich keine einzige große schwarze Waldameise.

Es gibt wahnsinnig viele Ameisenarten, außer Haus-, Wald- und Gartenameisen auch noch Raub-, Jagd-, Ernte-, Honig- und Blattschneiderameisen. Sie leben in Staaten und ernähren sich von Wurzeln, Blattteilchen, weichen Früchten und von den Ausscheidungen anderer Insekten, zum Beispiel der Blattläuse, die sie regelmäßig melken wie wir unsere Kühe. Für den Gärtner ist ihr Nutzen gering, die Schäden, die sie anrichten, sind hingegen bedeutend. Und sie brennen. Jedenfalls meine Ameisen brennen teuflisch. Aus dieser scharfen Säure macht man zusammen mit Weingeist einen so genannten Ameisengeist, der gut gegen Rheuma sein soll.

Krieg also. Bei uns zu Hause hat mein Vater einmal Benzin zwischen die Terrassenplatten gegossen und angezündet. Das erwies sich als radikal, aber nicht besonders klug. Mit gewaltigem Krach sprangen die Steinplatten in die Höhe, türmten sich übereinander und zerbrachen.

Liebe Leserinnen und Leser, ich kann diesen Bericht mit einer friedlichen Erfolgsmeldung beschließen. Ich habe vor die Terrassentür ein viertelvolles Glas Honig ohne Deckel gestellt. Am nächsten Tag war das Glas bis zum Rand voll mit total verpappten Ameisen. Nach zweimaliger Wiederholung zogen sich die feindlichen Truppen zurück. Bis jetzt hat es keinen neuen Aufmarsch gegeben.

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