Mein Garten EDEN : Mehr Stein als Garten

Wie es sich anfühlt, ein Stück Garten zu besitzen und es in Schuss zu halten.

Ursula Friedrich

Unser erster Garten war eine Steinwüste, als wir einzogen. Mein erster Garten: Mein Mann war zwar Mitbesitzer, aber kein Mitarbeiter. Absolut uninteressiert an einem Planquadrat Trockengrund. Später hat er wenigstens gemäht. Ein paar Tage arbeitete ich wie eine Trümmerfrau nach dem Krieg, lud große und kleine Brocken auf den Schubkarren und fuhr sie weg. Der Einfachheit halber auf ein nahes Grundstück, das noch nicht bebaut war.

Dann besorgte ich mir drei starke Männer mit einem Lastwagen. Schwarz natürlich (die Angelegenheit ist verjährt). Sie schaufelten mit Gabeln die oberen Steine weg. Wenn die oberen Steine auf dem Lastwagen waren, wuchs die untere Steinschicht bereits nach. Wir wohnten in der Nähe des Kies-Flussbetts der Isar. Das Kiesbett war unerschöpflich. Als nächstes bestellte ich mehrere teure Fuhren mit Muttererde, tatsächlich erschien der wunderbare Schimmer des ersten Rasens.

Auf einmal hatte ich die Idee, einen Steingarten anzulegen. Ich holte mit dem Schubkarren von dem gottlob noch nicht bebauten Grundstück die schönsten Exemplare wieder zurück. Unter den kritischen Blicken von Nachbarn, denen ich erklären musste, dass es meine persönlichen Steine sind. Mein Mann sagte, dass ich spinne. Aber für Steine hatte er offenbar was übrig, denn er ging mit mir zum Steinesammeln an die Isar.

Wir entdeckten eine neue, stille, geheimnisvolle Welt. Die Welt der ur-ur-uralten Kiesel, die der Fluss von irgendwo hergetragen hatte, in Jahrmillionen, aus dem Inneren der Erde, als Strandgut von Gletschern, die einmal unseren Garten bedeckten. Da lagen sie, durch das Wasser in ewiger Bewegung. Oval, rund, glatt poliert, graublau mit weißen Streifen, rosarote, schneeweiße, wie ein Herz geformt, ein hellgrauer sah aus wie eine Silhouette eines Elefanten mit Rüssel. Das sind Gefühle, wenn man die in der Hand hält: So alt ist der, was ist dagegen dein kleines Leben?

Es wurde zur Manie. Von Spaziergängen nahmen wir Steine mit nach Hause, auch wenn sie so schwer im Rucksack lagen, dass wir beim Gehen nach hinten kippten. Von allen Reisen brachten wir Steine mit oder ließen sie uns von Freunden mitbringen, einen eckigen Stein aus dem jüdischen Friedhof von Prag, der, rußig schwarz, bei uns an der Sonne bleichte. Einen rosafarbenen aus Jerusalem, einen spitzen aus dem Allgäu mit Blutspuren dran, weil ich beim Wandern mit dem Knie draufgefallen war. In meinem jetzigen Garten liegen viele Steine. Nicht künstlich angeordnet, nicht Feng shui. Sie liegen nur so herum, dass man sie anschauen kann. Am Hauseck, am Zaunrand, unter Rosen. Manche Pflanzen mögen es gern, wenn die Erde zu ihren Füßen von Steinen bedeckt ist. Sie halten feucht und warm. 

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