Melamin-Skandal : China will Milchmarkt auf den Kopf stellen

Nach dem Skandal um verseuchte Milchprodukte will die chinesische Regierung die gesamte Molkerei-Industrie des Landes überprüfen. Für deutsche Verbraucher besteht nach Aussage des Verbraucherschutzministeriums keine Gefahr.

Peking/BerlinLokale Behörden sind aufgefordert, grundlegende Änderungen im Milchmarkt und bei Molkereiprodukten herbeizuführen, hieß es in einem Papier, das der Staatsrat nach einer Krisensitzung am Freitag veröffentlichte. Zugleich soll sichergestellt werden, dass die Bevölkerung mit ausreichend heimischen Milchprodukten versorgt wird, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag.

In China waren 6200 Kinder an Nierensteinen erkrankt, nachdem sie mit kontaminierter Babynahrung gefüttert worden waren. Vier Säuglinge starben. Der Hersteller Sanlu hatte Trockenpulver mit Melamin vermischt, um einen höheren Eiweißgehalt der minderwertigen Milch vorzutäuschen.

Hersteller sollen bestraft werden

Die giftige Chemikalie wird in der Industrie als Bindemittel verwendet. Auch in Frischmilch der großen Milcherzeuger Yili, Mengiu und Bright Dairy ist bereits Melamin gefunden worden. Die Regierung entzog den drei Unternehmen daraufhin das Qualitätssiegel "erstklassige Marke". Der Staatsrat versprach, die für den Lebensmittel-Skandal verantwortlichen Hersteller, Kontrollbehörden und Funktionäre zu bestrafen. Das größte Augenmerk sei jedoch auf die Rettung erkrankter Kinder gerichtet. Die Kontrolluntersuchungen in ländlichen Gegenden sollen ausgeweitet werden. Krankenhäuser seien angewiesen, kostenlose Checks und Behandlungen anzubieten.

Für deutsche Verbraucher besteht nach Ansicht des Verbraucherschutzministeriums und des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure keine Gefahr. China hat keine von der EU anerkannten Prüfverfahren für Rückstände und exportiert deshalb keine Milchprodukte in die EU. Nach dem Willen von Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) sollen die Bundesländer ihre Kontrollen nun aber verstärken, um möglichen illegalen Importen auf die Spur zu kommen. (mfa/dpa)

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