Welt : Menschen müssen unten bleiben

In den kommenden Tagen brechen drei Roboter zum Mars auf – Astronauten wie Reinhold Ewald haben das Nachsehen

Thomas de Padova

Für Astronauten ist es bisher nur ein Gedankenspiel. „Als ich 1997 auf der russischen Raumstation Mir war, haben wir eine kleine Umfrage in der Crew gemacht“, erzählt Reinhold Ewald. „Wer würde zum Mars fliegen, wenn das möglich wäre? Drei der sechs Astronauten sagten: Sofort!“ Und er selbst? Würde er auch fliegen? 60 Millionen Kilometer weit in der Enge einer Raumkapsel, um frühestens nach zwei Jahren zurückzukommen?

Ewald zögert. In den nächsten Tagen brechen drei Roboter zum Mars auf, der erste bereits am Montag, zwei weitere am 8. und 25. Juni. Wenn alles gut geht, werden sie von Januar an Aufnahmen vom Roten Planeten zur Erde senden. Ihre Kameras werden über die Marslandschaft gleiten, ihre Greifarme den Staub von den Steinen wischen, ihre Sensoren das Funkeln der Minerale erblicken.

„Die Raumsonden haben uns in den vergangenen Jahrzehnten prägende Bilder beschert“, sagt Ewald. Vor einer Woche etwa hat eine amerikanische Sonde erstmals Fotos der Erde gemacht, wie sie vom Mars aus erscheint: als kleine Sichel, wie unser Mond.

Bar jeder Romantik

Ewalds Raumfahrtbegeisterung lebt von sinnlichen Eindrücken. Der Automat ist sein verlängertes Auge. „Ich träume nicht von einer Reise zum Mars“, sagt der 46-jährige deutsche Astronaut. Ein bemannter Flug dorthin sei nur ein fernes Ziel. Dem müssten aber viele Roboter-Missionen vorausgehen. „Die Technik steht absolut im Vordergrund. Jede Romantik wird da in die Ecke gedrückt.“

Schon ein unbemannter Flug zum Mars ist eine große technische Herausforderung. Amerikaner und Russen haben in den vergangenen Jahrzehnten Milliarden Euro ausgegeben, um ein rundes Dutzend Automaten auf dem Mars abzusetzen. Nur drei Roboter der US-Weltraumbehörde Nasa erreichten das Ziel: die beiden Viking-Sonden, die 1976 vergeblich nach Marslebewesen suchten, und ein sechsrädriger Geländewagen, der im Sommer 1997 über den Mars fuhr und das Gestein des Planeten erstmals unter die Lupe nahm. Dabei stellte sich heraus, dass der Mars eine abwechslungsreiche Geschichte hinter sich hat.

Bei ihrer jetzigen Mission wollen die Amerikaner herausfinden, ob es einmal Flüsse und Seen auf dem Planeten gab. Zwei kleine Roboter sollen dies untersuchen. Sie können ein paar 100 Meter weit fahren, um die Herkunft der Felsen zu entschlüsseln: ob das Marsgestein vulkanischen Ursprungs ist oder ob es sich im Wasser gebildet hat.

Die Europäer haben weniger bescheidene Ziele. Sie schicken am Montag ihr kompaktes Landegerät Beagle auf Reisen, um nach Lebensspuren auf dem Mars zu suchen. Dazu müssen sie mit einem Bohrer in den Marsboden eindringen. Nur tief im Boden könnten Marsbakterien oder Überreste von ihnen zu finden sein. Denn der Mars ist im Gegensatz zur Erde nicht durch eine dichte Atmosphäre geschützt. Aggressive UV-Strahlen der Sonne würden alle organischen Stoffe an der Oberfläche rasch zerstören.

Der Mars ist ähnlich unwirtlich wie der Mond. Und viel weiter weg. Trotzdem wollen auch die Astronauten auf Dauer dorthin.

Dem Roboter fehlt die Neugier

„Die Möglichkeiten der Automaten im Weltraum sind begrenzt“, sagt Ewald. „Der Mensch hingegen bringt schon von sich aus eine Neugier mit.“ Und daher sei ein bemannter Flug zum Mars weiterhin wünschenswert. „Ich sehe da keine Konkurrenz zwischen Mensch und Maschine. Ich denke nicht, dass das eine durch das andere ersetzbar wäre.“ Auch der Mensch wäre ja auf dem Mars vor allem auf Maschinen angewiesen, auf Sauerstoffgeräte und vieles mehr.

„Ich würde mich freuen, wenn meine Kinder einmal ein ähnliches Erlebnis hätten, wie ich es 1969 hatte, als ich die erste Mondlandung verfolgte“, sagt Ewald. Allerdings sieht er für die beiden kommenden Jahrzehnte kaum Aussichten, ein solches kostspieliges und technisch anspruchsvolles Projekt zu verwirklichen. Selbst in 20 Jahren wäre ein bemannter Flug zum Mars womöglich eine Reise ohne Wiederkehr.

Würde er zum Mars fliegen? „Ich würde erst einmal einige Vorbedingungen stellen“, sagt Ewald. „Und ich würde mit meiner Familie darüber sprechen, die möglicherweise große Sorgen und Ängste hätte.“

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