• Menschenkette um das Haus der Verwandten in Miami - Der Vater besteht auf Visa für 28 Personen

Welt : Menschenkette um das Haus der Verwandten in Miami - Der Vater besteht auf Visa für 28 Personen

Dutzende Exil-Kubaner haben am Dienstag (Ortszeit) eine Polizeisperre um das Haus durchbrochen, in dem der Flüchtlingsjunge Elian derzeit wohnt. Sie bildeten eine Kette um das Haus und kündigten an, sie würden es nicht zulassen, dass der Junge nach Kuba zurückkehrt. Die Demonstranten vor dem Haus in Miami skandierten "Libertad" (Freiheit) und forderten andere Umstehende auf, sich ihnen anzuschließen. Die Polizei ließ die Demonstranten zunächst gewähren. Für Aufregung hatte in Miami die Nachricht gesorgt, dass das US-Außenministerium dem Vater des Jungen und fünf weiteren Personen Visa gewährt habe. Ein Repräsentant der kubanischen Interessenvertretung in Washington sagte unterdessen, Gonzalez stehe zur Abreise bereit.

Elians Großonkel Delfin Gonzlez erklärte, die Familie fühle sich von den Demonstranten beschützt. Die Kundgebung stelle sicher, dass ihnen das Kind nicht weggenommen werde. Es war bereits das zweite Mal innerhalb von 24 Stunden, dass die Absperrungen rund um das Haus durchbrochen wurden. Das erste Mal hatten sich die Demonstranten auf Aufforderung der Familie nach kurzer Zeit wieder zurückgezogen.

Die mögliche Reise von Juan Miguel Gonzalez in die USA zu seinem Sohn verzögert sich offenbar aber weiter. Gonzalez ließ in Havanna erklären, er sei bereit, sofort in die USA zu reisen, wenn er seinen Sohn auch mit nach Hause nehmen könne. Wenn dies nicht der Fall sei, wolle er nur mit allen Personen, die notwendig seien, um das Kind in Empfang zunehmen, in die USA reisen. Die Kubaner hatten insgesamt 28 Visa beantragt, für Klassenkameraden Elians, Ärzte und auch Parlamentspräsident Ricardo Alarcon. Als unwahrscheinlich galt, dass auch einem Vertreter der Regierung Kubas in Zusammenhang mit dem Fall die Einreise in die USA gestattet würde, wie von Gonzalez verlangt.

Im Streit um die Übergabe-Modalitäten zwischen den Angehörigen Elians in Miami, bei denen der Flüchtlingsjunge derzeit lebt, und der amerikanischen Einwanderungsbehörde gab es nach Angaben eines Sprechers der Behörde keine Fortschritte. Die Gespräche sollen am morgigen Donnerstag fortgesetzt werden. Die Angehörigen fordern nach Medienberichten, dass Psychologen prüfen, ob eine Rückkehr nach Kuba schädliche Folgen für das Kind haben könnte. Die US-Behörden haben nach Medienberichten zwar Gesprächen zwischen Psychologen und Elian zugestimmt, wollen aber davon die Rückkehr des Jungen nicht abhängig machen. Die Experten sollten vielmehr helfen, den Übergang zum Leben in Kuba für Elian "sanft" und reibungslos zu gestalten.

Das Drama um das Schicksal des Flüchtlingsjungen Elian, das inzwischen im laufenden US-Wahlkampf auch politische Konturen angenommen hat, dauert seit Monaten an. Die Regierung von Präsident Bill Clinton hat sich im Prinzip für die Rückkehr des Jungen nach Kuba ausgesprochen. Die starke exil-kubanische Gruppe der Bevölkerung in Florida hingegen macht sich für den Verbleib des Jungen in den USA stark. Elian hatte die Flucht mit der Mutter in die USA im November als Schiffbrüchiger überlebt, seine Mutter war vor der Küste ertrunken. Auch im kommunistischen Kuba wird schon seit Wochen mit dem Schicksal des kleinen Jungen Politik gemacht.

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