Merckle-Beisetzung : Abschied von einem Patriarchen

Fast 2000 Menschen begleiteten in Blaubeuren den Unternehmer Adolf Merckle auf seinem letzten Weg.

Frank König,Joachim Striebel[Blaubeuren]
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Hunderte Trauergäste kamen nicht mehr in die überfüllte Kirche hinein. Foto: ddp

Fast der ganze Ort kam zusammen, seine Familie, Verwandte, Bekannte und Mitarbeiter seines Firmenimperiums. Sie alle nahmen Abschied von Adolf Merckle, dem großen Unternehmer, der im wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben der Stadt präsent war. Vor der evangelischen Stadtkirche in Blaubeuren bildeten sich schon früh lange Schlangen. Gemeinsam mit Merckles Frau Ruth sowie seinen Kindern Ludwig, Philipp Daniel, Tobias und Jutta trauerten die Menschen um den 74-Jährigen, der sich vor einer Woche vor einen Zug geworfen hatte.

Er hatte es wohl nicht verkraftet, die Kontrolle über sein Firmenimperium zu verlieren. Er hatte sich übernommen, seine Firmen waren hoch verschuldet, er konnte die Kredite nicht mehr bedienen, und am Ende ließ er sich auf eine hochriskante Spekulation auf fallende VW-Kur se ein. Als Folge seines Tuns hatten am Ende die Banken das Sagen.

Fast 2000 Menschen waren gekommen, um Abschied zu nehmen. Wegen des Andrangs wurde die Trauerfeier in die Stadthalle übertragen. Ein schlichter Holzsarg stand im Mittelschiff der Stadtkirche. Ein Porträtfoto erinnerte an den jahrzehntelang erfolgreichen Unternehmer. Die Familie hatte einen Blumenkranz niedergelegt und damit Eintracht demonstriert. Auch die baden-württembergische Landesregierung gedachte mit einem Kranz des Mäzens. Am Eingang der Kirche und der Stadthalle trugen sich die Trauernden in Kondolenzbücher ein.

Auch eine Woche nach dem Selbstmord des Selfmade-Milliardärs bestimm te die Fassungslosigkeit das Bild in Blau beuren. „Was einen solchen willensstarken und Gott sich verantwortlich fühlenden Mann dazu gebracht hat, sich selbst das Leben zu nehmen, werden wir Menschen niemals bis ins Tiefste erkennen“, sagte der ehemalige Landesbischof Gerhard Maier in seiner Predigt. Die Entwicklung der vergangenen Monate, die internationale und nationale Finanzkrise, die Notlage der Firmen waren bedrückende Faktoren, sagte Maier. „Dass er, der sonst half und so hoch geachtet wurde, jetzt keine solche Hilfe entdeckte, dass er auf das Ausbleiben von Solidarität und verletzende Kommentare stieß, muss ihn im Innersten verwundet haben.“ „Ich habe ihn ganz anders erlebt, als er in den Medien dar gestellt worden ist“, sagte die Zahnärztin Christiane Reulen vor Beginn des Gottesdienstes. Das Wort Abzocker, mit dem Merckle in den vergangenen Wochen häufig betitelt worden sei, gehe ihr unter die Haut. „Er ist meilenweit davon entfernt. Er ist ein bescheidener, normaler, bodenständiger Mensch“, sagte sie.

Für die baden-württembergische Landesregierung nahm Sozialministerin Monika Stolz an dem Trauergottesdienst teil. Ministerpräsident Oettinger konnte aus terminlichen Gründen nicht kommen. Auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan war beim Gottesdienst. Der ehemalige Landesbischof sprach in seiner Predigt auch die Probleme der Kirche im Umgang mit dem Selbstmord an. „Die biblische Offenbarung verwehrt es uns ein deutig, dass wir uns selbst das Leben nehmen.“ Sie zeige den Weg zur Gnade und Barmherzigkeit Gottes, dem allein das Richten zustehe, sagte Maier. mit dpa

Die Autoren sind Reporter der „Südwest- Presse“.

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