Meteorologie : Wettervorhersage für ein halbes Jahr

"Kann ich am 19. August abends grillen?" Kein seriöser Meteorologe wird diese Frage heute ernsthaft beantworten wollen. Die Wissenschaftler wagen dennoch einen Blick in die "ferne" Zukunft.

Grillen
Ob das Wetter mitspielt? Die langfristige Planung bleibt Glückssache. -Foto: ddp

EssenDie Sommermonate Juni und Juli werden dieses Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit zu warm werden. Das ist eines der Ergebnisse eines neuen Verfahrens für langfristige Klimaprognosen, das der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Dienstag in Essen vorgestellt hat. Die so genannte Jahreszeitenvorhersage erlaubt es, Monatsprognosen für Lufttemperatur und Niederschlag ein halbes Jahr im Voraus anzustellen, erläutert Projektleiterin Christina Koppe. Die komplizierten Berechnungen stützen sich auf Beobachtungen der Atmosphäre und des Ozeans. Interessant sind die Prognosen zum Beispiel für Energieversorger, die Landwirtschaft oder die Textilindustrie.

Für die private Urlaubsplanung eignen sich die neuen DWD-Prognosen dagegen nicht. "Die Güte der Jahreszeitenvorhersagen ist viel, viel schlechter als im kurz- und mittelfristigen Bereich", sagt Paul Becker vom DWD. Nach jetzigem Stand liefert das Verfahren monatliche Mittelwerte für die Regionen Süd-, West-, Ost- und Norddeutschland. Eine beispielhafte Klimaprognose kann besagen, dass der Juni 2008 im Westen mit rund 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit wärmer wird als im langjährigen Mittel. Das Verfahren, das diese Aussage ermöglicht, ist hochkomplex: An einer einzigen Jahreszeitenvorhersage arbeitet ein Computer 15 Tage lang.

Die Berechnungen werden am Europäischen Zentrum für Mittelfristige Vorhersagen (EZMW) im englischen Reading angestellt. Der DWD bereitet die Daten dann für die deutschen Kunden auf. Bereits heute nutzen bundesweit rund 70 Bezieher den monatlichen Bericht gegen eine Schutzgebühr von 150 Euro, und das Interesse der Unternehmen ist groß. "Bisher waren langfristige Prognosen reine Kaffeesatzleserei ohne wissenschaftliche Grundlage - das ist jetzt anders geworden", sagt DWD-Sprecher Gerhard Lux. Als nächstes will der DWD Windprognosen in Angriff nehmen, wie sie für den Bereich der regenerativen Energien wichtig sind. (smz/dpa)

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