Mexiko : Liebe in Zeiten der Grippe

Leere Schulen, leere Theater, leere Ränge – in Mexico City kommt das öffentliche Leben zum Erliegen.

Sandra Weiss[Mexico City]

Gespenstisch menschenleer waren die Straßen am Wochenende in der 20-Millionen-Metropole Mexico City. Wegen der Schweinegrippe, der bislang mehr als 80 Menschen zum Opfer fielen, wurden die Gottesdienste, Theater- und Sportveranstaltungen abgesagt, Museen geschlossen. Liebespaare küssten sich nur noch mit Mundschutz. Bis zum 6. Mai fällt der Unterricht aus, auch Kinderkrippen bleiben geschlossen. Die Sonntagsmesse von Kardinal Norberto Rivera wurde erstmals ohne Publikum zelebriert und im Fernsehen und Radio übertragen. Auch die Fußballspiele müssen vor leeren Rängen stattfinden. Die Hauptstädter, die sonst das Wochenende für Ausflüge und Restaurantbesuche nutzen, blieben größtenteils zu Hause. Wo sonst Verkehrschaos und Parkplatznot das Straßenbild dominieren, herrschte gähnende Leere. Firmen und Behörden sollten ab Montag hingegen normal arbeiten.

Seit Mitte der Woche hat die Epidemie die Hauptstadt und den umliegenden Bundesstaat im Griff. „Wer in der Öffentlichkeit niest, wird sofort zum Paria“, schrieb Fidel Samaniego in „El Universal“. Soldaten suchten am Wochenende auf Bahnhöfen und Bushaltestellen nach Personen mit Symptomen der Krankheit.

Soldaten und Polizisten verteilten außerdem Mundschutz an U-Bahn-Stationen und auf der Straße, in den Apotheken waren die blauen Atemschutzmasken hingegen sofort ausverkauft.

Die Gesundheitszentren, in denen gegen die Grippe geimpft wird, konnten sich vor Anfragen kaum retten. Mitarbeiter im Gesundheitswesen wurden inzwischen alle geimpft. Die Regierung rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Die Krankheit sei heilbar, und die Regierung habe genügend Impfstoff bereitgestellt, erklärte Präsident Felipe Calderon.

Betroffen sind bislang vor allem die Hauptstadt, der an sie angrenzende Bundesstaat Mexiko und der nördliche Bundesstaat San Luis Potosi.

Das Gesundheitsministerium publizierte eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen: Nur mit Mundschutz in die Öffentlichkeit gehen, große Menschenansammlungen so weit wie möglich meiden, regelmäßig die Hände mit Seife waschen, keine Begrüßungsküsschen verteilen, Büros lüften, sich von Grippekranken fernhalten, Spielsachen und Türklinken reinigen und bei den geringsten Anzeichen von Fieber und Husten sofort das nächste Hospital aufsuchen. Schweinefleisch ist nach Aussagen der mexikanischen Behörden kein Übertragungsherd.

Jeder mutmaßlich mit der Grippe infizierte werde, wenn es die Ärzte für nötig erachteten, sofort isoliert, erklärte Gesundheitsminister Cordoba. Die Regierung hat ein Dekret erlassen, das ihr erlaubt, Restaurants zu schließen, Reisende zu untersuchen und Hausbesuche abzustatten. Das Virus breitete sich unterdessen rasant aus: aus den USA, Neuseeland, Frankreich, Israel und Spanien wurden Fälle gemeldet, auch in Großbritannien und Kolumbien gab es Verdacht auf Schweinegrippe. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erließ eine internationale Warnung und rief alle Länder zu verschärfter Wachsamkeit auf, ohne jedoch den Seuchennotstand auszurufen. Medizinern zufolge wird in den kommenden drei Tagen besser abzusehen sein, welche Ausmaße die Epidemie annimmt. Zahlreiche Länder ergriffen besondere Vorsichtsmaßnahmen für Reisende aus Mexiko.

Viele Details sind noch unklar über das neuartige Virus, das Elemente von menschlichen und tierischen Grippeerregern enthält und von Mensch zu Mensch übertragen wird. Der erste Fall wurde dem Gesundheitsministerium zufolge am 13. April in der Hauptstadt gemeldet. Die Frau sei anschließend gestorben. 45 Personen, die in Kontakt mit ihr standen, infizierten sich ebenfalls, aber mit leichteren Symptomen. „Was uns überrascht, ist dass vor allem die Altersklasse zwischen 20 und 50 betroffen ist und nicht wie sonst bei Epidemien vor allem Kleinkinder und ältere Leute. Das ist gleichzeitig problematisch, denn diese Altersklasse nimmt Grippeerkrankungen normalerweise auf die leichte Schulter und geht nicht gleich zum Arzt“, sagte Cordoba.

Salma Hayek, Schauspielerin, heiratete maskiert in Venedig. Nachdem sie sich am Valentinstag am 14. Februar in Paris heimlich ihr Ja-Wort gegeben hatten, haben sie und François-Henri Pinault am Wochenende mit großem Pomp in Venedig gefeiert. Nach italienischen Medienberichten vom Sonntag erneuerte das Paar in Begleitung seiner zweijährigen Tochter Valentina Paloma im berühmten Theater „La Fenice“ sein Ehegelöbnis. Als Anspielung auf die venezianische Tradition der Kostümbälle kamen die Schauspielerin und ihr Mann mit Augenmasken. Zu den Gästen der mexikanischen Hollywood-Diva und des französischen Milliardärs gehörten zahlreiche Stars und Prominente – unter anderen Bono, Ashley Judd, Charlize Theron, Penelope Cruz und Jacques Chirac. dpa

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