• MH370-Mysterium quält Angehörige in Malaysia: Australiens Regierungschef Tony Abbott: Suche kann nicht ewig so weitergehen

MH370-Mysterium quält Angehörige in Malaysia : Australiens Regierungschef Tony Abbott: Suche kann nicht ewig so weitergehen

Flug MH370 mit 239 Menschen an Bord verschwindet spurlos. Ein Jahr voll Leid und Wut liegt hinter den Angehörigen. Trotzdem sind sich viele sicher, dass ihre Lieben noch leben.

Kinder in Kuala Lumpur, Malaysia, vor einer Wand mit aufgemalten Bekundungen der Hoffnung für die Insassen des verschollenen Flugs MH370.
Kinder in Kuala Lumpur, Malaysia, vor einer Wand mit aufgemalten Bekundungen der Hoffnung für die Insassen des verschollenen Flugs...Foto: dpa

Die Suche nach dem vor einem Jahr verschwundenen Flug MH370 kann nach dem Worten von Australiens Regierungschef Tony Abbott nicht ewig auf dem derzeitigen Niveau fortgesetzt werden. „Wir hoffen weiter, dass wir dieses Rätsel lösen werden“, sagte er am Donnerstag im Parlament, wo einige Angehörige der sechs Australier an Bord anwesend waren.

Einer dieser Angehörigen ist Zhang Yongli. Jeden Tag trägt der 64-Jährige seine Nachforschungen akribisch in seinen Notizbüchern ein. Das macht den Schmerz für ihn leichter erträglich. „Sonst würde ich verrückt werden“, sagt der Rentner. Ein Jahr hat er in den Büchern festgehalten. Ein Jahr, in dem er vergeblich auf die Rückkehr seines Sohnes wartet. Denn der 32-Jährige saß in Flug MH370 aus Kuala Lumpur, der am 8. März 2014 spurlos auf dem Weg nach Peking verschwand. Zhang hat sich ein Tablett in der Betriebskantine auf dem Flughafengelände genommen. Er nickt der Bedienung zu und sie lächelt.

Man kennt sich. Jeden Werktag ist Zhang hier, geht Mittagessen und anschließend in die Beschwerdestelle der chinesischen Luftfahrtbehörden. „Wir müssen den Druck aufrechterhalten“, sagt Zhang. Niemals dürfe die Suche nach den 239 Menschen, davon 154 aus China und Taiwan, aufgegeben werden, die mitsamt der Boeing 777-200 verschwunden sind. „Ich weiß, dass sie noch leben.“ In der Beschwerdestelle haben sie einen eigenen Raum für die Angehörigen der MH370 eingerichtet. Kaltes Neonlicht erhellt das schmucklose Zimmer.

Vor den Fenstern sind Tische aufgebaut, an denen die Beamten Platz nehmen. Im Rest des Zimmers stehen etwa 30 Holzstühle. Oft ist das Büro mittags voll, wenn wieder eine Gruppe von Angehörigen da ist. Geduldig hören sich die Mitarbeiter die Fragen an. Ihre Antworten sind immer gleich: Malaysia koordiniert die Ermittlungen. China kann nur helfen. Noch geht die Suche weiter.

„Mir geht es nicht um Geld. Ich will meine Tochter zurück.“

Für die 57-jährige Li Shuping ist die Suche nach ihrer Tochter zum Lebensinhalt geworden. Ihr einziges Kind war verlobt, als sie vergangenes Jahr für eine Dienstreise nach Malaysia flog. Das Hochzeitsdatum stand schon fest. Aber die 29-Jährige kehrte nie mehr nach Peking zurück. „Mir will es einfach nicht in den Kopf, dass sich heute jedes Handy orten lässt. Aber eine riesige Boeing soll einfach verschwinden können? Da stimmt doch etwas nicht“, sagt Li. Die Fluggesellschaft Malaysia Airlines bot ihr eine Entschädigung an. Li lehnte ab. „Mir geht es nicht um Geld. Ich will meine Tochter zurück.“ Das Unternehmen habe den Angehörigen Geld in Aussicht gestellt, erzählt Zhang. „Aber niemand hat unterschrieben“, sagt er.

Die Juristen der Fluggesellschaft hätten sie im Gegenzug für das Geld dazu gedrängt, einen Vertrag zu unterschreiben, in dem sie auf jegliche Ansprüche gegen das Unternehmen verzichten. „Das war absolut inakzeptabel.“ Malaysia Airlines hatte hingegen stets betont, eine gute Regelung und ausreichende Zahlung für alle Angehörigen finden zu wollen.

Ein Bodengraffiti in Malaysia zeigt die Hoffnungen der Menschen, die verschollene Maschine MH 370 doch noch zu finden.
Ein Bodengraffiti in Malaysia zeigt die Hoffnungen der Menschen, die verschollene Maschine MH 370 doch noch zu finden.Foto: dpa

Im Januar wollte Malaysia einen Schlussstrich unter das MH370-Desaster ziehen. Das Unglück wurde als Unfall eingestuft und alle Menschen an Bord für tot erklärt. Für viele Angehörige war das ein Affront. „Wie konnten sie das machen? Bis heute fehlen stichhaltige Beweise“, klagt Gan Mingsong. „Hier geht es um Menschenleben. Die kann man nicht einfach auf dem Papier auslöschen“, sagt der 75-Jährige. Sein 47 Jahre alter Sohn war an Bord der MH370. Er hat eine Frau und ein kleines Kind hinterlassen.

Li Shuping und viele andere Angehörige haben Angst, dass die Suche bald eingestellt werden könnte. Lange herrschte Chaos nach dem Verschwinden der Maschine vor einem Jahr. Jetzt vermuten die Suchmannschaften das Flugzeug im südlichen Indischen Ozean, Tausende Kilometer von der ursprünglichen Flugroute entfernt. Das Meer ist dort bis zu 6000 Meter tief.

Er werde die Hoffnung niemals aufgeben, sagt Zhang. „Ich komme immer und immer wieder zur Beschwerdestelle“, kündigt er an. Fast vier Notizbücher hat er schon vollgeschrieben. Alles will er festhalten: Welche Angehörigen zu der Beschwerdestelle kamen, welche Behördenvertreter sich den Fragen stellten und jede noch so kleine Information über das Fortkommen der Suchmannschaften. Er schreibe weiter, bis er Gewissheit über das Schicksal seines Sohnes habe, sagt Zhang. „Er muss noch leben. Ich weiß, dass er noch irgendwo da draußen ist.“ (dpa)

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