Michael Bloomberg : Mit unbekannter Mission

Michael Bloomberg, New Yorks Ex-Bürgermeister, flog demonstrativ nach Tel Aviv – welche Pläne hat er? Bringt er sich frühzeitig als Präsidentschaftskandidat in Stellung?

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Nächster Präsident der USA? Michael Bloomberg mit seiner Partnerin Diane Taylor.
Nächster Präsident der USA? Michael Bloomberg mit seiner Partnerin Diane Taylor.Foto: picture alliance / dpa

Kaum hatte die Maschine der israelischen El-Al auf dem Rollfeld aufgesetzt, twitterte der Mann: „Safely landed.“ Michael Bloomberg, ehemaliger Bürgermeister von New York, Multimilliardär und passionierter Weltverbesserer, war eigens nach Israel geflogen, um Solidarität zu zeigen mit einem Land, das unter Beschuss steht. Wenig später saß er bei Benjamin Netanjahu, dankte dem Premierminister für den freundlichen Empfang und twitterte erneut: „Ben-Gurion ist der bestgesicherte Flughafen der Welt.“

Natürlich garantiert ein gut gesicherter Flughafen nicht, dass einfliegende Maschinen auch ankommen. Eine Rakete der Hamas verfehlte den Flughafen zuletzt um anderthalb Kilometer, weshalb zahlreiche internationale Fluggesellschaften ihre Flüge nach Tel Aviv vorübergehend einstellten. Die US-Flugaufsicht FAA untersagte amerikanischen Airlines sogar, die Stadt im Krisengebiet anzusteuern. Das erzürnte Bloomberg, der ein großer Freund Israels ist und dort zwei Krankenhäuser unterstützt und nach seinen Eltern benannt hat: die William H. Bloomberg MDA Station und das Charlotte-R.- Bloomberg-Geburtszentrum, beide in Jerusalem.

Bloomberg hatte die FAA umgehend für ihre Entscheidung kritisiert. Als leidenschaftlicher Pilot habe er großen Respekt vor der Behörde, „doch dieser Schritt ist nicht gut durchdacht worden“. Den Flughafen in Tel Aviv zu blockieren, schneide Israel von der Welt ab und richte großen wirtschaftlichen Schaden an. Das spiele der Hamas in die Hände, die sich gar zu weiteren Angriffen angespornt fühlen könne.

Kritiker warfen Bloomberg umgehend einen „politischen Stunt“ vor. Doch der trotzige Flug nach Israel passt zu seinem Charakter. Schon als Bürgermeister setzte Bloomberg immer wieder demonstrativ Zeichen: Wenn es Terrordrohungen gegen die New Yorker U-Bahn gab, drängte er sich unter die Pendler in den unterirdischen Schnellzügen. Und nach einem Bombenanschlag am Times Square ging er ausgerechnet dort zum Abendessen. Die Botschaft: Wir lassen uns nicht von Terroristen vorschreiben, wie wir zu leben haben. Im Angesicht ernsthafter Bedrohungen sagt Bloomberg stets: „Wir machen weiter.“

Nach New York gilt sein Augenmerk nun Israel. „In Israel werde ich immer daran erinnert, wo meine Familie herkommt“, sagt Bloomberg – meint das aber im übertragenen Sinne. Seine Großeltern waren jüdische Emigranten aus Russland, doch das mindert nicht seine Loyalität zum Heiligen Land.

Loyalität ist wichtig im Geschäft

Michael Bloomberg hat Loyalität immer großgeschrieben. Der 72-Jährige, der 1973 beim Wall-Street-Riesen Salomon Smith Barney einstieg und später seinen Finanzinformationsdienst zu einem milliardenschweren Medienimperium ausbaute, hält bis heute an einer eisernen Regel fest. Mitarbeiter die sein Unternehmen einmal verlassen, dürfen nicht mehr zurückkommen.

Loyalität ist wichtig im Business – und in der Politik. Auch hier wusste Bloomberg stets, auf wen er bauen konnte. Zahlreiche Mitarbeiter seines ersten Wahlkampfs blieben während seiner gesamten Amtszeit im New Yorker Rathaus an seiner Seite. Sein Chef-Stratege Kevin Sheekey wechselte 2010 zu Bloombergs Nachrichtendienst – Gerüchten zufolge, um eine künftige Präsidentschaftskandidatur vorzubereiten.

In diesem politischen Zusammenhang könnte man wohl auch den Israel-Flug einordnen. Seit Bloomberg nach drei erfolgreichen Amtszeiten die New Yorker City Hall verlassen hat, bemüht er sich zunehmend um ein nationales, wenn nicht internationales Profil und arbeitet an Strategien für Amerika. Das Problem: Bloomberg ist überzeugter Unabhängiger, und damit im Zweiparteiensystem der USA eigentlich chancenlos.

Dass er wiederum einer der beiden etablierten Parteien beitritt, ist auszuschließen. Die Demokraten werden sich hüten, einen der reichsten Männer des Landes für den Job im Weißen Haus zu nominieren und damit die Basis zu verprellen. Und die Republikaner würden Bloomberg nicht mit der Feuerzange anfassen, denn der Mann von der Ostküste vertritt ausgesprochen liberale Werte: Bloomberg ist für die Schwulenehe und ein Recht auf Abtreibung, er unterstützt Stammzellenforschung, fordert verstärkten Einsatz gegen den Klimawandel und hat mit „Mayors Against Illegal Guns“ die größte Anti-Waffen-Lobby des Landes gegründet, mit dem Ziel die Waffennarren der NRA politisch zu neutralisieren. Für die rechte Basis ist Bloomberg der Teufel in Menschengestalt.

Außerdem ist Bloomberg am rechten Rand ein Musterbeispiel für eine Regierung, die sich zu sehr ins Leben ihrer Bürger einmischt. Sein Versuch, den Ausschank zuckerhaltiger Getränke in eimergroßen Pappbechern zu unterbinden, machte den Bürgermeister zum Symbol eines „Nanny State“ – Bloomberg sehe sich wohl als Kindermädchen der Amerikaner, so lautet die Kritik.

Was also will Bloomberg? Eine Kandidatur als Vizepräsident hat er mehrfach ausgeschlossen, und auch am Posten des Gouverneurs ist er augenscheinlich nicht interessiert. Bleibt zu mutmaßen, dass er einfach tut, was er für richtig hält. Politisch und finanziell unabhängig, pflegt der Mann seine Steckenpferde. Bloomberg unterstützt – persönlich und finanziell – die Weltgesundheitsorganisation im Kampf gegen Krankheiten in der Dritten Welt, er fördert die Forschung an alternativen Energien, er ist Klimabotschafter der Vereinten Nationen und fördert kulturelle Projekte. Und auch Israel liegt ihm eben am Herzen.

Einen besonderen Platz in Bloombergs Herzen hat übrigens auch Deutschland. Da war er früher nicht nur wegen seiner Verbindungen in der Finanzwelt. Seine liebste Anekdote ist eher privater Natur: In jungen Jahren habe er beim Skifahren eine deutsche Krankenschwester kennengelernt, die er wenige Tage später zurück nach Berlin begleitete. „Mein Deutsch war eher schlecht“, erzählte Bloomberg, „aber die Sprache der Liebe ist universal.“

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