Michael Jackson : Ein Fall von Tötung

Michael Jackson starb an einer Überdosis Propofol – seinem Arzt droht eine Anklage wegen Totschlags.

Rita Neubauer
Michael Jackson
Michael Jacksons Alben finden nach seinem Tod reißenden Absatz. -

Zwei Monate nach dem überraschenden Tod von Michael Jackson scheint das Rätsel gelöst: der „King of Pop“ starb an einer Überdosis des starken Narkosemittels Propofol. Dies geht aus am Montag veröffentlichten Gerichtsdokumenten über die Autopsie des US-Sängers hervor, die die Verantwortung von Leibarzt Conrad Murray verstärkt in den Blickpunkt rücken. Ihm droht nun eine Anklage wegen Totschlags. Aber auch das Ausmaß des Medikamentenkonsums des Popstars wird immer deutlicher.

Am Tag des Todes von Michael Jackson soll ihm sein Leibarzt eine „tödliche Dosis“ Propofol als Schlafmittel injiziert haben. Dies geht aus dem 32-seitigen Dokument der Gerichtsmedizin hervor, das der Nachrichtensender CNN in Auszügen veröffentlichte. Danach hatte der Kardiologe sechs Wochen lang den unter starker Schlaflosigkeit leidenden Jackson mit Propofol behandelt und ihm angeblich jeden Abend 50 Milligramm gespritzt. Er habe jedoch eine wachsende Abhängigkeit befürchtet, sagt Murray, und versucht, die Dosis zu reduzieren. Starke Schlafmittel sollten Propofol ersetzen.

In der Nacht zum 25.Juni, so heißt es in dem Report, klagte Jackson erneut über Schlaflosigkeit. Er hatte eine anstrengende Probe im Kodak Theatre in Los Angeles hinter sich – in wenigen Wochen sollte seine Comeback-Tour mit 50 Konzerten in London beginnen – und Jackson suchte Ruhe. Murray verabreichte in den nächsten sechs Stunden zuerst Valium, dann ein Mittel gegen Angstzustände und schließlich ein weiteres verschreibungspflichtiges Schlafmittel. Doch selbst dieser Medikamentencocktail sorgte nicht für den ersehnten Schlaf. Um elf Uhr morgens verlangte Jackson schließlich seine „Milch“, wie er das starke Narkosemittel nannte, das normalerweise bei Operationen und nur unter medizinischer Überwachung des Patienten verabreicht wird. Murray spritzte 25 Milligramm Propofol und ließ den Entertainer „nur kurz“ allein, um zu telefonieren. Aus Telefonprotokollen geht jedoch angeblich hervor, das er drei Telefonate führte – über 47 Minuten. Als der Arzt wieder nach Jackson schaute, soll dieser bereits bewusstlos gewesen sein. Herzstillstand. Murray wollte ihn noch wiederbeleben, doch es war schon zu spät. Jackson starb im Alter von 50 Jahren. Murrays Anwalt Ed Chernoff widersprach am Montag dem Bericht der Gerichtsmedizin. „Vieles darin ist faktisch richtig, aber vieles ist auch Polizeitheorie“, sagte er gegenüber der Klatschgazette „TMZ“. So habe sein Mandant nie erklärt, dass er Jackson bewusstlos vorfand oder dass er nur zehn Minuten wartete, bevor er mehrere Telefonate führte. Oder dass er Jacksons Zimmer überhaupt verließ, um zu telefonieren. „Michael Jackson war kein normaler Patient mit normalen Problemen in normalen Umständen“, so Chernoff.

Ein Sprecher von Jacksons Familie teilte laut „USmagazine.com“ mit, sie hätten „volles Vertrauen“ in den Rechtsweg und freuten sich auf den Tag, „wenn der Gerechtigkeit genüge getan wird“. Uri Geller erklärte am Dienstag in einem BBC-Interview, sein Freund Jackson habe sich „langsam selbst umgebracht“. Doch „Jacko“ habe seine Mahnungen missachtet und die Medikamente als Privatsache bezeichnet, sagte Geller.

Murray stand von Beginn an unter Verdacht. Seine Praxisräume in Houston und Las Vegas sind ebenso durchsucht worden wie ein von ihm angemietetes Lager. Anklage gegen Murray, der 150 000 Dollar im Monat bekam und Jackson nach London begleiten sollte, wurde bislang nicht erhoben. Wenn dies nun auch wahrscheinlicher wird, bedeutet „Totschlag“ nicht automatisch, dass der Sänger einem Verbrechen zum Opfer fiel. Zuvor muss geklärt werden, woher das Narkosemittel stammte, das in Jacksons Haus in Los Angeles gefunden wurde, und wann exakt sein Tod eintrat.

Zwei weitere bislang nicht identifizierte Ärzte sollen Jackson laut amerikanischen Zeitungsberichten mit Propofol in Deutschland versorgt haben. Murray berichtete von Einstichstellen an Jacksons Händen und Füßen. Der Sänger sprach daraufhin von seinem „Cocktail“. Zudem wurden auch sein Dermatologe Arnold Klein und der Lupus-Spezialist Allan Metzger vorgeladen. Jackson benutzte Pseudonyme, um an Rezepte heranzukommen. Zuletzt soll er auch online bestellt haben. Meinungsseite

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