Michelle Obama wird 50 : Tanz um die Etikette bei ihrem Geburtstag

Michelle Obama ist beliebter als ihr Mann – nur mit der Einladung zu ihrem 50. Geburtstag eckt sie an. Ihr Aufforderung, die Gäste sollen etwas essen, bevor sie zu ihr kommen, wird als rüde empfunden.

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Zwei Drittel der Amerikaner beurteilen sie positiv. Michelle Obama. Foto: dpa
Zwei Drittel der Amerikaner beurteilen sie positiv. Michelle Obama. Foto: dpaFoto: dpa

Der 50. Geburtstag ist ein Einschnitt. „Halbzeit“, sagen manche Gratulanten, so als läge das Beste noch vor der Jubilarin. Im Fall Michelle Obamas, die an diesem Freitag 50 wird, heben viele hervor, wie jung sie aussehe. Und wie beliebt die erste dunkelhäutige First Lady der USA auch im sechsten Amtsjahr ihres Mannes ist. Zwei Drittel der Amerikaner bewerten sie positiv, der Präsident erreicht 42 Prozent Zustimmung. Sie hält sich aus den strittigen politischen Fragen heraus und wirbt für Anliegen, die breiten Konsens finden: Unterstützung für Soldatenfamilien, Bildung für alle, gesunde Ernährung, sportliche Betätigung. Barack Obama hat seiner Frau Erholung geschenkt – von sich und den beiden Töchtern. Michelle durfte den traditionellen Weihnachtsurlaub im sonnigen Hawaii um eine Woche verlängern, ohne Familie, dafür mit Freundinnen, darunter Fernsehstar Oprah Winfrey.

Was würden die Leute sagen, wenn sie ein üppiges Essen auffahren würde?

Wie so oft bei Super-Prominenten wird jedes Detail, auch wenn es auf den ersten Blick noch so freundlich wirkt, hin und her gewendet. Das Boulevardblatt „National Inquirer“ interpretiert die Urlaubsverlängerung als Indiz für eine Ehekrise. Angeblich schlafen die Eheleute inzwischen getrennt; Michelle wolle sich 2016, nach Ende der Präsidentschaft, von Barack scheiden lassen. Glaubwürdige Belege für die steile These fehlen.

„Damned if you do, damned if you don’t“ – Ärger gibt es in jedem Fall, ganz egal, wie man es macht –, das gilt auch für die Geburtstagsparty an diesem Samstagabend im Weißen Haus. Zu „Snacks, Drinks, Tanz und Dessert“ hat Michelle eingeladen und hinzufügen lassen: „Eat before you come“. Es gibt also kein üppiges Dinner, nur Häppchen. Ein Luxus- Event, das weiß man aus früheren Jahren, kann Fragen provozieren, wie das in eine Zeit passe, in der manche Familien immer noch unter der Wirtschaftskrise leiden – und wer das eigentlich bezahle?

Nun zitiert die „Washington Post“ Berater für gesellschaftliche Etikette, dass die Bitte, mit satten Mägen zu erscheinen, „unüblich“ oder gar „rüde“ wirken könne. Dabei passt sie zu den Zielen, die sich diese First Lady zu eigen macht, voran den Kampf gegen Übergewicht.

Ein schwarzer Journalist stellte die Frage, ob schwarze Frauen äußerlich langsamer altern als weiße

Jonathan Capehart, ein semiprominenter schwarzer Journalist, nutzt Michelles Geburtstag für eine Kolumne zu zwei Fragen, mit denen sich andere Ärger einhandeln könnten: Altern Afroamerikanerinnen äußerlich langsamer als weiße Frauen? Und mit welchen Mitteln darf man den Prozess aufhalten: Haut straffen, Botox spritzen, plastische Operationen? Seine Mutter, schreibt er in einer offenkundigen Laudatio auf Michelle, sei eine „dem Altern trotzende Schönheit“, die stets zehn bis 15 Jahre jünger aussehe, als sie sei. „Blacks don’t crack“, will eine unter Schwarzen populäre Redewendung wissen. Seine Mutter habe mit 72 Jahren dennoch zu Hilfsmitteln gegriffen, aber betont, das sei „kein Grund, sich zu entschuldigen!“ Michelle Obama sagt, aus heutiger Sicht habe sie nicht vor, auf diesem Weg nachzuhelfen. Das Leben habe sie aber gelehrt, „niemals nie zu sagen“.

Sie erfüllt ihre Aufgabe als First Lady, ohne aus der Tradition zu fallen

50 ist sie nun. Ihr Mann hat ständig Termine. Die beiden Töchter verbringen immer mehr Zeit außerhalb der Familie, mit ihren Freundinnen. Malia wird in diesem Jahr 16, Sasha 13. Drei Jahre hat sie noch im Weißen Haus – und dann? Eine eigene politische Karriere, wie Hillary Clinton, strebt sie nicht an. Zu schmutzig sei dieses Geschäft, hat sie früher gesagt. Zurück in den alten Beruf, als sie im Management der Uniklinik Chicago für die Beziehungen zu den umliegenden Stadtvierteln zuständig war und mehr verdiente als ihr Mann als Anwalt und Senator, führt wohl auch kein Weg, nachdem sie acht Jahre First Lady war – eine Aufgabe, die nirgendwo klar festgelegt ist und die sie als erste afroamerikanische Inhaberin mit neuer Symbolik füllen wollte, ohne aus der Tradition zu fallen oder anzuecken. Das ist ihr gelungen. Sie wird wohl auch nach 2016 beste Öffentlichkeitsarbeit leisten für gemeinnützige Anliegen.

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