Milchpulver-Skandal : Schärfere Kontrollen für China-Importe

Der Milchpulver-Skandal in China sorgt weltweit für Aufsehen. Die EU-Kommission fordert schärfere Importkontrollen für Milchprodukte. Das Saarland und Rheinland-Pfalz haben bereits entsprechende Maßnahmen getroffen.

Milchpulver-Skandal
Mit Melamin verseuchtes Babymilchpulver führte in China bereits zum Tod von vier Säuglingen. -Foto: dpa

Peking/BrüsselWegen des Milchpulver-Skandals in China hat die Europäische Kommission die Mitgliedsstaaten der EU zur Verschärfung ihrer Einfuhrkontrollen aufgerufen. Die 27 Länder müssten verstärkt darauf achten, dass keine Milchprodukte aus der Volksrepublik in die Europäische Union gelangten, sagte die Sprecherin von Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou am Freitag in Brüssel. Das Saarland und Rheinland-Pfalz kündigten vorsorgliche Kontrollen von Milch und Babymilchpulver an. Die giftige Chemikalie Melamin wurde außer in Flüssigmilch jetzt auch in Fischfutter gefunden. Läden in China und Hongkong räumten in großem Umfang Milchprodukte aus den Regalen.

Obwohl China keine Milchprodukte in die EU ausführe, sei nicht auszuschließen, dass diese über Drittstaaten dort ankämen, sagte die Kommissionssprecherin auf einer Pressekonferenz. Der saarländische Verbraucherschutzminister Gerhard Vigener (CDU) erklärte, auch wenn in Europa und Deutschland bislang keine Fälle von Milchverseuchungen bekannt geworden seien, würden in den kommenden Tagen schwerpunktmäßig im Handel erhältliche Milch- und Babymilchpulver auf die verbotene Chemikalie Melamin untersucht. Seitens des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums hieß es, die Lebensmittelüberwachung solle eine besondere Aufmerksamkeit auf Milch und Milchprodukte richten, die möglicherweise aus China kommen könnten.

Melamin auch in Fischfutter entdeckt

In Südkorea entdeckten Ermittler die Chemikalie Melamin in Fischfutter aus China. Spuren von Melamin seien in Fischfutter aus chinesischem und südkoreanischem Tintenfisch entdeckt worden, teilte das Ministerium für Ernährung, Land- und Forstwirtschaft und Fischerei in Seoul mit. Dem Ministerium zufolge stellte eine einheimische Firma von April bis Juli 612 Tonnen Fischfutter aus chinesischem und südkoreanischem Tintenfisch her und verkaufte davon 586 Tonnen an Fischfarmen. Der Rest sei zurückgerufen oder entsorgt worden. 16 Fischfarmen, die dieses Futter verwendeten, verkauften demnach 400 Tonnen Wels an Händler und Restaurants.

Für zahlreiche Supermärkte in China galt als Reaktion auf die Wut der Verbraucher ein Verbot für Milch, Milchpulver und Joghurt der drei größten Milchproduzenten. In den Milchprodukten der Firmen Yili, Mengniu und Guangming war Melamin entdeckt worden, durch das die Hersteller einen hohen Eiweißgehalt vortäuschen wollten. Nach Angaben eines Managers der Kette Wu-Mart erzielen die Händler derzeit nur noch ein Fünftel der normalen Umsätze. In Hongkong nahmen die beiden größten Supermärkte Wellcome und Park'n'Shop alle Produkte der Firma Mengniu aus den Regalen. Die chinesische Sonderverwaltungszone kündigte ein Gesetz an, dass das Beimischen von Melamin in Lebensmitteln verbieten soll.

Starbucks schenkt nur noch schwarzen Kaffe aus

Das US-Unternehmen Starbucks zog nach eigenen Angaben in zwei Dritteln seiner chinesischen Filialen als Vorsichtsmaßnahme seine Milch zurück. Kaffee wurde in den betroffenen Filialen nur noch schwarz ausgeschenkt. Einer der Hauptlieferanten von Starbucks in China ist der Hersteller Mengniu. Am Unternehmenssitz in Seattle hieß es, die an Starbucks in China gelieferten Chargen seien zwar von dem Skandal nicht betroffen. Dennoch werde vorsichtshalber die Milch von Mengniu zurückgezogen.

Mit Melamin verseuchtes Babymilchpulver führte in China bereits zum Tod von vier Säuglingen, mehr als 6200 Babys erkrankten durch die vergiftete Milch. Das Kinderhilfswerk Unicef verlangte am Freitag von den chinesischen Behörden eine "umfassende Untersuchung" der Todes- und Krankheitsfälle. (kk/AFP)

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