Welt : Militärpolizei will in Zukunft auf Verhaftungen am Strand von Rio verzichten

Beatriz Lecumberri

Nirgendwo auf der Welt werden knappere Bikinis getragen als an den Stränden von Rio de Janeiro. Doch wer auf das Bikini-Oberteil gleich ganz verzichtet, für den endet das Strandvergnügen am Fuße des Zuckerhutes oftmals mit einer bösen Überraschung.

Für einen Eklat sorgte am vergangenen Wochenende der Fall von Rosimeri Moura da Costa: Als die Militärpolizei Rosimeris nackter Brust gewahr wurde, machte sie kurzen Prozess. Die Beamten nahmen die 34-Jährige fest, und schleiften sie durch den Sand aufs Revier. Als ihr 62-jähriger Mann einschreiten wollte, wurde er ebenfalls festgenommen. In den Augen der Polizei verstieß die Sonnenanbeterin mit ihrer "obszönen Handlung" eindeutig gegen brasilianisches Recht. Am Mittwoch nun lenkte die Militärpolizei in dem daraufhin entbrannten Streit ein: Im Kampf für Zucht und Ordnung am Strand wollen die Beamten in Zukunft zumindest auf Festnahmen verzichten.

Der Gouverneur der Stadt, Anthony Garotinho, war über das harte Vorgehen der Polizei verärgert: "Ich kann es nicht glauben. Wer es nicht sehen will, der soll einfach nicht hinsehen." Das für seine Freizügigkeit bekannte brasilianische Fernsehen sei wesentlich schlimmer, sagte der Bürgermeister Luiz Paulo Conde.

Auch viele Anwälte kritisierten die Polizei. Der Artikel 233 des Strafgesetzes - Vergehen gegen das "öffentliche Schamgefühl" - wird ihrer Meinung nach falsch interpretiert. Nur sexuelle Handlungen verstoßen demnach gegen diesen Artikel. "Und seine Brüste zu zeigen ist nun wirklich kein obszöner Akt", meinte Vigilio Donnici.

Der Fall kam vor die höchsten Gremien der Stadt, und schließlich machte der Sicherheitschef von Rio einen Vorschlag zur Güte: An den Stränden sollen bestimmte Bereiche zum Oben-Ohne-Sonnen freigegeben werden. Die Militärpolizei selbst stellte sich jedoch zunächst weiter stur. Oberst Mauro Texeira drohte, weiterhin gegen "jeden Angriff auf das öffentliche Schamgefühl" vorzugehen. Vor allem europäische Touristinnen sind der Meinung, in Rio gebe es vordringlichere Aufgaben für die Polizei als die Jagd nach nackten Busen. Wer beim Oben-Ohne-Baden auf Nummer sicher gehen will, dem bleiben die einsamen Strände an der Tausende Kilometer langen Küste Brasiliens.

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