Milliardenprojekt : Die vier Türme zu Limburg

Kaum hat Bischof Tebartz-van Elst seine Sachen gepackt, da gibt es einen neuen Aufreger in Limburg. Ein Investor will über dem Lahntal eine „Brücke der Zukunft“ mit 40 Meter hohen Wohnhäusern bauen.

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Groß gedacht. 40 Meter hoch sollen die vier Wohntürme auf der alten Autobahnbrücke werden.
Groß gedacht. 40 Meter hoch sollen die vier Wohntürme auf der alten Autobahnbrücke werden, insgesamt plant der Investor mit 28 000...Foto: picture alliance / dpa

Klammheimlich hat Limburgs ehemaliger Bischof Tebartz-van Elst seine Sachen gepackt – ein Umzugsunternehmen räumte in der vergangenen Woche den umstrittenen Bischofpalast, versteckt hinter hohen Sichtschutzwänden. Da wird die Domstadt von einem neuen Aufreger erschüttert. Investor Albert Egenolf wirbt für ein „weltweit einzigartiges“ Projekt an der 300 Meter langen maroden Autobahnbrücke der A3 östlich von Limburg. Vier Türme sollen auf der Brücke über dem Lahntal entstehen, jeweils 40 Meter hoch, 28 000 Quadratmeter Nutzfläche für Wohnungen, Geschäfte und Hotels.

Das Milliardenprojekt „Brücke der Zukunft“ bewirbt Egenolf auf Messen und im Internet. Seine Kritiker sprechen dagegen von einem „Monster“ und fordern, dass die alte Brücke wie geplant abgerissen wird, wenn die achtspurige neue Autobahnbrücke fertig ist. Doch der Bund, dem das Gelände gehört, hat jetzt die Ausschreibung für deren bereits terminierten Abriss gestoppt.

Zu den Gegnern des Projekts gehört Pfarrer Hubertus Janssen, der auch den Ex-Bischof früh öffentlich kritisiert hatte. Wie beim Bischofspalast werde die Bevölkerung mit einer Wahnsinnsidee aufgeschreckt, „die allerdings noch dramatischere Auswirkungen auf Limburg, auf die Landschaft und auf den Frieden in der Stadt haben könnte“. Auch das Vorgehen der verantwortlichen Politiker sei skandalös. „Abgeschottet in kleinem Kreis“ würden offenbar die Weichen für das umstrittene Projekt gestellt, so der Ordensmann zum Tagesspiegel.

Limburgs Bürgermeister Martin Richard von der CDU verspricht zwar ein offenes und transparentes Verfahren. Doch seine Kritiker misstrauen ihm. Er war zusammen mit dem Investor bei Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Auch bei einem Behördengespräch in Wiesbaden im Mai dieses Jahres war er dabei. Damals sicherten Mitarbeiter des grünen Landesverkehrsministers Tarek Al-Wazir dem Investor laut Protokoll, das dem Tagesspiegel vorliegt, „Unterstützung bei der Begründung für das Bauen in der Bauverbotszone“ zu. „Wenn ich das lese, könnte ich ausflippen“, erregt sich der kritische Ordensmann. Al-Wazirs Sprecher sagt dagegen, das Ministerium berate und behandele diesen Investor „wie jeden anderen Bürger auch“. Die endgültige Entscheidung liege ohnehin bei der Stadt Limburg.

Die Grünen sind gespalten

Das Projekt ist auch in den Parteien umstritten. Die planungspolitische Sprecherin der Grünen im hessischen Landtag ist skeptisch. „Ich glaube nicht, dass das in die Landschaft passt“, sagt sie. Der grüne Stadtverordnete Cornelius Dehm schwärmt dagegen von einem „extrem spannenden, sehr ökologischen Bauwerk“. Der Eingriff in die Natur sei gering, die Fläche ja bereits versiegelt. Der Bürgermeister wehrt sich gegen „Denkverbote“ und wirbt für eine sachliche Prüfung des Projekts.

Die Anwohner dagegen laufen Sturm und sammeln Unterschriften gegen das Projekt. Die Ortsvorsteher von Dietkirchen und Eschhofen, Bernhard Eufinger, CDU und Daniel Stenger, SPD, deren Mitbürger im Schatten des Megaprojekts leben müssten, haben ein überparteiliches Bündnis geschlossen. Das geplante „Ungetüm“, neben der ICE-Brücke und der neuen Autobahnbrücke sei unannehmbar, stellt Stenger klar. Architekt Eberhard Schulz aus Limburg sagt, angesichts des Leerstands in der Region sei das Vorhaben „völlig daneben; so kann man in Schanghai bauen, aber nicht in Sichtweite zum Limburger Dom“.

Der renommierte Münchner Architekt Ludwig Karl, der den Wettbewerb für die Planung der neuen Autobahnbrücke gewonnen hat, meldet sich im Tagesspiegel erstmals öffentlich zu Wort. Zunächst habe er an einen Aprilscherz gedacht, sagt er. „Wir haben eine möglichst filigrane Brücke entworfen, mit durchsichtigen Schallschutzwänden ins Lahntal, wegen der einzigartigen Silhouette von Stadt und Domberg.“ Es sei ein „Schildbürgerstreich“, wenn jetzt mit vier Wohntürmen „eine Staumauer“ durchs Lahntal errichtet werde.

Der Investor gibt sich trotz des Gegenwinds zuversichtlich. Sein Sprecher sagte dem Tagesspiegel, der „Überlassungsvertrag“ für die Brücke werde mit dem Bundesverkehrsministerium in diesen Tagen unterschrieben.

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