Milliardenumsätze : Boom bei illegalem Glücksspiel

Zocken lohnt sich - zumindest für die Anbieter illegaler Wettspiele. Mindestens acht Milliarden Euro wird der Umsatz durch illegale Geldspielautomaten geschätzt, weitere 1,5 bis drei Millarden Euro dürften bei illegalen Sportwetten umgesetzt werden.

Spielautomaten
Bei der neuen Generation von Automaten lässt sich die Einhaltung der gesetzlichen Auflagen kaum noch nachvollziehen. -Foto: dpa

HohenheimMit illegalen Spielautomaten und Sportwetten werden in Deutschland Milliardenumsätze gemacht. Die illegale Zockerei erreiche geschätzt das bis zu zehnfache Volumen des legalen Glücksspiels, wie die Forschungsstelle Glücksspiel an der Universität Hohenheim mitteilte. Die Wissenschaftler legten erstmals Zahlen zum Grau- und Schwarzmarkt der Zocker vor. Sie stützten sich dabei nach eigenen Angaben auf Informationen "hochrangiger Insider" der Kriminalitätsbekämpfung.

Illegale Spielautomaten erwirtschaften demnach schätzungsweise einen Umsatz, der zumindest der Hälfte des Umsatzes mit legalen
Geräte entspricht. Legal haben Geldspielautomaten in Spielhallen, Gaststätten oder Kasinos im Jahr 2006 rund 15 Milliarden Euro
umgesetzt. Noch drastischer ist die Situation bei Sportwetten. Bei  illegalen Sportwetten liegt der Schattenumsatz vermutlich fünf- bis zehnmal so hoch wie beim legalen Geschäft: Während der staatliche Anbieter im Jahr 2006 einen Umsatz von ungefähr 300 Millionen Euro erreichte, dürfte der Umsatz der privaten Anbieter in Wettbüros und im Internet laut Expertenschätzung zwischen 1,5 und drei Milliarden Euro liegen. Die Fachleute sprechen allerdings von "groben Schätzungen".

Sportwetten werden meist im Internet abgewickelt

Für das blühende Geschäft der Illegalen machen die Experten die rechtliche Grauzone vor allem bei Sportwetten und das technische Niveau der Spielautomaten verantwortlich, mit dem die Überwachungsbehörden kaum Schritt halten könnten. "Bei der heutigen Generation von Geldspielautomaten ist es den Überwachungs- und Kontrollbehörden vor Ort in der Regel nicht mehr möglich, die  technischen Feinheiten gesetzlicher Vorgaben zu überprüfen", erklärt Tilman Becker, Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel. Sportwetten wiederum werden meist im Internet abgewickelt, was nach geltendem Recht in Deutschland verboten ist. Sie dürfen hierzulande nur durch einen staatlichen Anbieter angeboten werden. In rechtlichen Auseinandersetzungen beriefen sich die Besitzer von Wettbüros und Internetanbieter allerdings auf Europarecht, das innerhalb der EU die Dienstleistungs- und Berufsfreiheit zusichere.

Neben Personalverstärkung fordern die Fachleute "mehr Kreativität und neue Wege" bei der Bekämpfung des illegalen Glücksspiels. Nach Ansicht von Becker sollte unter anderem diskutiert werden, Spielautomaten in Zukunft nur noch in staatlichen Kasinos aufzustellen. Er verwies auf Italien, wo derzeit diskutiert werde, ob nicht alle Sportwetten nur über einen zentralen staatlichen Server angeboten werden dürfen. (ah/AFP)

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