Welt : Millionen geben Diana letztes Geleit

HOLGER WUCHOLD

Trauerfeier mit Showelementen: Elton John schrieb einen Klassiker umVON HOLGER WUCHOLD LONDON.Königin Elisabeth ist vor dem Volk in die Knie gegangen.Ihre Trauerrede in Funk und Fernsehen zum Tode ihrer ehemaligen Schwiegertochter hat die mürrichen Massen vor dem Buckingham Palast erst einmal ruhig gestellt.Doch die Gefahr ist nicht gebannt.Sechs Millionen Anhänger der verunglückten "Volksprinzessin" werden heute anläßlich der Beerdigung in der britischen Hauptstadt erwartet.Die Vorbereitungen liefen Freitag auf Hochtouren.Im Hyde Park wurden zwei gigantische Bildschirme aufgestellt, über die auch die Trauernden auf den hinteren Plätzen die Beerdigung verfolgen können.An allen zentralen Punkten standen frühzeitig Toilettenwaggons bereit.Sonderbusse, -züge, -U-Bahnen werden heute Millionen in die britische Metropole bringen.Die in der ersten Reihe sitzen wollen, hatten schon vorsorglich im Schlafsack vor Westminister Abbey campiert.Die britischen Zeitungen spekulierten unterdessen, wie die Kehrtwende der Königsfamilie zustande gekommen war.Die gemeinsame Lesart: Premierminister Tony Blair hatte in einem Telefonat Prinz Charles davon überzeugt, daß die Royals in London gebraucht würden.Der Thronfolger bewegte wiederum seine Mutter, nach London aufzubrechen, um dem Vorwurf der Gefühllosigkeit aus der Welt zu schaffen. Die Königin ließ sich persönlich am St.-James-Palast blicken, wo die Treuesten mehr als zwölf Stunden warteten, um sich in eins von 43 Kondolenzbüchern einzutragen.Elisabeth II.hatte nach den Vorwürfen von Boulevardblättern ihr schottisches Refugium vorzeitig verlassen hatte.In der Menge fühlte man sich mächtig stolz, daß der unwirsch vorgetragene Groll so große Wirkung gezeigt hatte.So gab es auch zaghaften Applaus. Fast zur gleichen Zeit war auch Charles mit seinen Söhnen William und Harry herbeigeeilt, um vor dem Kensington-Palast ihren Schmerz über den Verlust vor den mißtrauischen Untertanen zu bezeugen.Der Gang durch die Gaffer wurde ihnen nicht erspart, den William und Harry in bewundernswürdiger Haltung ertrugen.Der Auftritt der Jungen - perfekte Haltung, nettes Lächeln, freundliches Händedrücken - war rundum gelungen.Der Widerstand der Untertanen endgültig gebrochen. Ein fröhliches Gesicht machten insbesondere die fliegenden Blumenhändler, die der ständigen Nachfrage nach Blumenbouquets vor den Palasttoren kaum nachkommen konnten.Die Geschäfte im Westend kündigten dagegen an, daß sie am Samstag geschlossen bleiben.Darüber zeigten sich nicht alle Geschäftsleute glücklich.Doch keiner wagte auszuscheren. In der Nacht wurde der Sarg mit Dianas Leichnam von St.James zum Kensington Palast gebracht, dem letzten Wohnsitz der Prinzessin.Hier wird der mehrstündige Trauerzug beginnen, an dem Schätzungen zufolge mehrere Millionen Menschen teilnehmen werden, bis er irgendwann am Nachmittag den Sitz der Familie Spencer in Althorp erreicht, einem Dorf südwestlich von London.Der Earl of Spencer gab bekannt, daß Diana ihre letzte Ruhestätte doch nicht in der kleinen Dorfkirche finden wird, sondern auf einer nur wenige Quadratmeter großen Insel in einem See des weitläufigen Familienbesitzes.Offenbar hatte man befürchtet, aus dem Dorf könne ein zweites Graceland werden, der vom Massentourimus belagerten Ruhestätte von Elvis Presley.Dianas Familie will aber die Grabstätte jedes Jahr der öffentlichkeit für einige Wochen zugänglich machen. Das Drehbuch der Mammut-Beerdigung, die in der westlichen Hemisphäre alles bisher Vergleichbare in den Schatten stellt, wurde von den Zeitungen miniziös wiedergegeben.Jedes Lied, jedes Gebet, jede Bewegung ist dort festgehalten.Zu den Rekorden dieser Tage gehört auch, daß der Klassiker "Candle in the Wind", den Elton John für die Trauerfeier mit einem neuen Text versehen hat, zur meistverkauften Single der Musikgschichte werden wird, wie die Plattenfirma schon jetzt zuversichtlich prophezeite.

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