Missbrauch im Westerwald : Acht Kinder mit der Stieftochter?

Jahrelang soll ein Familienvater im Westerwald seine Tochter und zwei Stiefkinder sexuell missbraucht haben. Mit seiner Stieftochter zeugte der 48-Jährige angeblich acht Kinder. Die Familie schwieg.

Im beschaulichen Fluterschen in Rheinland-Pfalz soll der 48-Jährige seine Familie terrorisiert und seine Töchter missbraucht haben.
Im beschaulichen Fluterschen in Rheinland-Pfalz soll der 48-Jährige seine Familie terrorisiert und seine Töchter missbraucht...Foto: dapd

Nach den Horrorberichten über sexuellen Missbrauch in einer Familie im Westerwald hat sich die Stieftochter des angeklagten Familienvaters erstmals geäußert. Sie hoffe auf ein Geständnis ihres Peinigers, sagte die 28-Jährige am Freitag in einem Interview mit dem Nachrichtensender N24. Der Mann soll mit ihr acht Kinder gezeugt haben. Sie betonte in dem Interview: „Ich hoffe, dass er die richtige Strafe bekommt und nie wieder einen Menschen verletzen kann.“ Die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage fordern Sicherungsverwahrung für den Mann. Der 48-Jährige aus dem Dorf Fluterschen, der bisher nach Angaben seines Verteidigers die Vorwürfe bestreitet, steht von Dienstag an vor dem Koblenzer Landgericht. Er soll die Stieftochter und eine leibliche Tochter, die er ebenso wie einen Stiefsohn missbrauchte, auch zur Prostitution gezwungen haben.

Medien nennen den Tatverdächtigen den „deutschen Fritzl“. Das ist insofern irreführend, als die Kinder in diesem Fall nicht eingesperrt waren. Josef Fritzl hatte seine Tochter 24 Jahre lang im Keller seines Hauses im österreichischen Amstetten eingesperrt, sie vergewaltigt und dabei sieben Kinder gezeugt.

Im jetzigen Westerwald-Fall sagte die 28-jährige Stieftochter zu der Frage, wie der Missbrauch über nahezu 23 Jahre lang möglich war: „Das ist für Außenstehende schwer zu verstehen. Das hat mit der Psyche und den Zwanghaftigkeiten zu tun gehabt.“

Die vielköpfige Familie des Angeklagten und seiner 52 Jahre alten Ehefrau lebte in einem Haus mitten im Dorf. Das Jugendamt vermutete schon früher, dass er der Vater der sieben Kinder der 28-Jährigen sei – eines starb wenige Wochen nach der Geburt. Das habe die junge Frau jedoch stets abgestritten. Die Polizei nahm den Mann fest, nachdem die Stieftochter einen Abschiedsbrief seiner leiblichen Tochter an das Jugendamt weitergeleitet hatte. Die heute 18-Jährige wollte ausziehen. Der Mann sitzt seit August 2010 in U-Haft. Gutachten hätten inzwischen die Vaterschaft des Angeklagten bei den sieben Kindern erwiesen, sagte ein Gerichtssprecher. Nach Angaben Opferhilfe-Vereins „Weißer Ring“ ist es bei sexuellem Missbrauch in der Familie nicht ungewöhnlich, dass sich die Opfer auch über Jahre hinweg nicht gegen den Täter verbünden. Der psychische Druck, den der Täter bei sexuellem Missbrauch in der eigenen Familie ausübe, sei enorm, sagte ein Sprecher. (dpa)

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