Missbrauch : Küng fordert Schuldeingeständnis des Papstes

Der Theologe Hans Küng fordert von Papst Benedikt XVI. ein persönliches Schuldeingeständnis für den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche. Als Präfekt der Glaubenskongregation habe Joseph Ratzinger 2001 dafür gesorgt, dass alle Missbrauchsfälle unter päpstliche Geheimhaltung gestellt wurden.

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Hans Küng -Foto: ddp

Tübingen"Die Wahrhaftigkeit würde es verlangen, dass der Mann, der seit Jahrzehnten die Hauptverantwortung für die weltweite Vertuschung hatte, eben Joseph Ratzinger, sein eigenes "mea culpa" (meine Schuld) spricht", schrieb der katholische Tübinger Theologe in einem Gastbeitrag für die "Süddeutsche Zeitung". "Bei keinem Menschen in der Kirche gingen so viele Missbrauchsfälle über den Schreibtisch wie gerade bei ihm."

Von den Missbrauchsfällen bei den Regensburger Domspatzen habe Ratzinger ohne Zweifel gewusst, heißt es in dem Beitrag. Schließlich sei er acht Jahre lang Professor in Regensburg gewesen und habe eine sehr enge Verbindung zu seinem Bruder Georg gehabt, der damals Domkapellmeister war. Als Erzbischof von München und Freising habe er die Verantwortung dafür getragen, dass ein wegen sexuellen Missbrauchs versetzter Priester in der Gemeindearbeit in Oberbayern eingesetzt wurde, wo er sich erneut an Jugendlichen verging. Als Präfekt der Glaubenskongregation habe Ratzinger 2001 dafür gesorgt, dass alle Missbrauchsfälle unter päpstliche Geheimhaltung gestellt wurden - zum Schutz ihrer Priester und zum Leidwesen der betroffenen Kinder.

Küng rief die Bischöfe auf, stärker nach den Ursachen des Missbrauchsskandals in der katholische Kirche zu fragen: "Es besteht ein Unterschied zwischen den individuellen Missbrauchsfällen in Schulen außerhalb der katholischen Kirche und den systematischen und deshalb oft gehäuften Fällen in einer Institution, in der noch immer eine rigoristisch-verklemmte Sexualmoral herrscht, die im Zölibatsgesetz gipfelt."

Der gebürtige Schweizer Küng (81) fordert seit längerem, das Gebot der Ehelosigkeit für katholische Priester aufzuheben. Weil er das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubens- und Sittenfragen bezweifelte, wurde ihm 1979 die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen. (dpa)

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