Missbrauchsskandal : Justizministerin lässt sich nicht beirren

Mit ihren Äußerungen zum Missbrauchsskandal hat Ministerin Leutheuser-Schnarrenberger die katholische Kirche sehr verärgert. Klein beigeben will sie nicht.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) ist im Streit um die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen an katholischen Schulen auf die Kirche zugegangen. Die Ministerin sei zu einem Gespräch bereit, sagte ihr Sprecher in Berlin. Auch der Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, sagte, er sei zu einem Treffen bereit.

Leutheusser-Schnarrenberger bleibt jedoch trotz des Gesprächsangebots bei ihrer grundsätzlichen Kritik. Es gebe keinen Grund, die Kritik zurückzunehmen, sagte der Sprecher des Bundesjustizministeriums. Leutheusser-Schnarrenberger will dem Erzbischof demnach nun "in angemessener Form" antworten. Die Kritik der Ministerin bezieht sich auf die Leitlinien der Kirche zu diesem Thema. Sie halte es nicht für ausreichend, dass erst in erwiesenen Fällen sexuellen Missbrauchs eine Aufforderung zur Selbstanzeige erfolge, sagte Leutheusser-Schnarrenberger in Deutschlandradio Kultur. Sie sei der Meinung, dass bei Verdachtsfällen die Staatsanwaltschaft tätig werden solle.

"Ich denke, bei all dieser Auseinandersetzung darf doch eines nicht aus dem Blickfeld geraten: Nämlich, dass es um Opfer sexuellen Missbrauchs geht, der vor vielen Jahren, ­ vor Jahrzehnten ­ stattgefunden hat", sagte Leutheusser-Schnarrenberger. Es müsse etwas getan werden, um dies künftig in dieser Form zu verhindern.

Erzbischof Robert Zollitsch hatte sich empört über die Worte der Ministerin geäußert. Seinem Empfinden nach habe es in der Politik noch nie eine "ähnlich schwerwiegende Attacke auf die katholische Kirche gegeben". telefonierte wegen der Auseinandersetzung bereits am Dienstag mit Bundeskanzlerin Merkel. Zu dem Inhalt machten weder ein Sprecher der Bischofskonferenz noch Regierungssprecher Ulrich Wilhelm Angaben. Wilhelm sagte lediglich, Merkel habe keinen Zweifel, dass die Bischöfe das Thema "angemessen und ernsthaft" bearbeiteten. Die Deutsche Bischofskonferenz berät derzeit auf ihrer Frühjahrsvollversammlung in Freiburg über den Umgang mit dem Verdacht auf sexuellen Missbrauch an katholischen Schulen.

Der Anwalt eines Missbrauchsopfers stellte am Mittwoch Strafanzeige gegen Zollitsch und seinen Vorgänger im Amt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann. Die Staatsanwaltschaft solle ein Ermittlungsverfahren wegen Strafvereitelung einleiten, sagte Rechtsanwalt Christian Sailer. "Es besteht der Verdacht, dass die Verbrechen bis in die jüngste Zeit vertuscht und die Täter von einer Pfarrei in die andere versetzt wurden, um sich weiter an Jugendlichen zu vergehen." Die von ihm vertretene Frau sei in den siebziger Jahren im Bistum Würzburg über Jahre hinweg sowohl körperlich misshandelt als auch sexuell missbraucht worden.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, AFP

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