Missbrauchsvorwürfe : Prozess gegen Marco W. auf Juli vertagt

Der Missbrauchsprozess gegen Marco W. im südtürkischen Antalya wurde abermals vertagt. Nächster Verhandlungstermin ist Anfang Juli. Bis dahin soll das psychologische Gutachten des mutmaßlichen Opfers Charlotte M. vorliegen. Die Anklage rechnet nicht mit einer Haftstrafe.

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Marco W.: War 247 Tage in türkischer Haft. -Foto: ddp

Antalya Nach nur halbstündiger Beratung im Fall Marco W. setzte das Schwurgericht am Dienstag in Antalya den 4. Juli als nächsten Verhandlungstermin an. Bis dahin soll das gerichtsmedizinische Institut in Istanbul die vorliegenden Aussagen von Charlotte M. aus Manchester sowie die medizinischen Gutachten zum Zustand des Mädchens auswerten.

Marco selbst nahm an der Sitzung in Antalya nicht teil. Nach Angaben seines Anwaltes Michael Nagel ist es möglich, dass Marco zu einem zukünftigen Verhandlungstermin nach Antalya reist, er müsse aber nicht. Das hat das Gericht ausdrücklich betont. Ob am 4. Juli ein Urteil zu erwarten sei, steht noch nicht fest.

Marcos Anwälte kündigten bereits in der vergangenen Woche an, dass ihr Mandant auf Anraten seines Arztes nicht zu der Verhandlung in die Türkei reisen wird. Sein Verteidiger Michael Nagel ging zudem nicht davon aus, dass der 18-Jährige zu einer Haftstrafe verurteilt wird, sondern höchstens eine Bewährungsstrafe erhält.

Haftstrafe unwahrscheinlich

Der Anwalt von Charlotte, Ömer Aycan, glaubt nicht mehr an eine Haftstrafe. "Das ist nicht realistisch", sagte er. Aycan kritisierte den schleppenden Verlauf des Verfahrens. Seit der letzten Verhandlung im Dezember seien dreieinhalb Monate Zeit ergebnislos verstrichen.

Marco wird beschuldigt, im April 2007 als 17-Jähriger die damals 13-jährige Britin Charlotte im türkischen Urlaubsort Side sexuell missbraucht zu haben. Der Schüler hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und von einem einvernehmlichen Kontakt gesprochen. Marco war am 14. Dezember 2007 nach acht Monaten aus türkischer Untersuchungshaft entlassen worden und noch am selben Abend zurück nach Deutschland gekehrt. Der Fall hatte wegen der langen Untersuchungshaft des Angeklagten erhebliche Spannungen zwischen der Türkei und Deutschland ausgelöst.

 

(sgo/ddp/AFP)

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