Welt : Mit dem Leben davongekommen

Wie deutsche Studenten den Amoklauf an der Virginia Tech erlebten

Sarah Kramer

Berlin - So schnell werden Torben Swart und seine Kommilitonen jenen Morgen des 16. April nicht vergessen. Der 26-jährige Mathematik-Doktorand aus Berlin ist einer von rund 30 Deutschen, die derzeit an der Virginia Tech in Blacksburg studieren. Als Montag früh die Hölle über die renommierte technische Hochschule hereinbrach, saß Swart in seinem Büro in der Mathematischen Fakultät. Das Gebäude liegt gegenüber der Norris Hall, wo der Amokschütze Cho Seung-Hui nach derzeitigem Ermittlungsstand um kurz vor zehn Uhr das Feuer auf Studenten und Dozenten eröffnete. Von seinem Arbeitsplatz konnte Swart beobachten, wie Menschen schreiend über das Unigelände rannten, weinten und zusammenbrachen. „Das Ausmaß der Katastrophe war uns anfangs nicht bewusst“, berichtet der Doktorand „Spiegel-online“. „Zunächst hieß es nur, es sei zu einer Schießerei im Studentenwohnheim gekommen, bei der ein Mensch starb.“ An ein Blutbad mit 32 Toten denkt Swart zu diesem Zeitpunkt den Schilderungen zufolge nicht. Viertel nach zehn erhielt der Student per E-Mail von der Universitätsleitung die Anweisung, den Raum nicht zu verlassen und die Türen zu verschließen. „Langsam wurde ich nervös“, schreibt Swart. „Die Ungewissheit bereitete mir Sorgen – nicht genau zu wissen, was geschehen war und was geschehen wird. Aus den Fenstern konnten wir beobachten, wie Verletzte abtransportiert wurden.“

Es vergehen bange Stunden. Um 12 Uhr wird der deutsche Wissenschaftler befreit – die Polizei stürmt das Gebäude.

Auch Parham Shahidi hat das Massaker von Blacksburg überlebt. Der 22-jährige Deutsch-Iraner lebt seit zwei Semestern in Virginia. Der Maschinenbau-Student ist einer von vier Studenten und zwei Wissenschaftlern der Universität Darmstadt, die im Austausch für ein oder zwei Semester an der Partneruniversität in Virginia studieren. In Darmstadt befinden sich derzeit zwei Studenten der Virginia Tech, die psychologisch betreut werden. Von dem Massaker auf dem Unigelände in Blacksburg bekam Shahidi zunächst nichts mit, wie die „FAZ“ berichtet: Er saß in der McBryde Hall in einer Vorlesung, als die Schießerei ihren Lauf nahm. Auf „seine“ Virginia Tech will der 22-Jährige auch nach dem schlimmsten Amoklauf in der amerikanischen Geschichte nichts kommen lassen: „Es ist eine Ehre, hier zu studieren.“

Wie die anderen deutschen Studierenden an der Virginia Tech den Amoklauf erlebt haben, ist bislang nicht klar. Am Mittwoch wurde aber bekannt, dass neben den Darmstädter Studenten und Wissenschaftlern offenbar auch drei Kommilitonen aus Baden-Württemberg mit dem Leben davongekommen sind.

Die gute Nachricht wurde von der baden-württembergischen Landesstiftung verbreitet. Eine Sprecherin der Organisation sagte dem Privatsender Hit-Radio Antenne 1, dass es sich bei den in Blacksburg studierenden Austausch-Hochschülern um eine Studentin der Verfahrenstechnik aus Stuttgart und um zwei Mathematik-Studenten der Uni Karlsruhe handele. Die Landesstiftung stehe in ständigem E-Mail-Kontakt mit den dreien: Alle hätten sich gemeldet und seien wohlauf, stünden aber unter Schock.

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