Welt : Mit der Schnapskarte gegen den Suff

Die Finnen sollen ihren Alkoholkonsum notieren

Helsinki - Es ist nur eine unscheinbare Karte, aber sie soll die Finnen nachdenklich stimmen: Im Kampf gegen den Alkoholismus, bei den Männern in dem nördlichen Land die Todesursache Nummer eins, lässt der Staat eine aus Nachkriegszeiten bekannte Kontrollkarte wieder aufleben. Bei der „Viinakortti“ – der „Schnapskarte“ – wird im Gegensatz zu früher aber auf Freiwilligkeit gesetzt. Die Verbraucher sollen mit Hilfe der Karte ihren Alkoholkonsum kontrollieren. Den Nutzen der zeitlich begrenzten Kampagne halten Kritiker für begrenzt.

„Früher haben die Behörden deinen Alkoholkonsum kontrolliert. Heutzutage trägst du selbst die Verantwortung“, heißt es auf Werbeplakaten in den rund 330 staatlichen „Alko“-Läden, die eine Exklusivlizenz zum Verkauf von Alkohol haben. Höchstgrenzen beim Einkauf, wie sie in Finnland von 1943 bis 1970 der Fall waren, wird es für die Kunden auch in Zukunft nicht geben. Ebenso bleibt der Karteninhaber völlig anonym und muss sich nicht demütigenden Befragungen von „Kontrolleuren“ stellen wie in den 50er Jahren. Damals besaßen mehr als eine Million Finnen die Kontrollkarte, mit der Alkoholeinkäufe rationiert wurden.

Das neue, achtseitige Dokument ähnelt einem Pass. In ihm sind die Schwellenwerte aufgeführt, ab denen Alkohol die Gesundheit gefährdet: Das sind 24 Gläser oder drei Liter Wein beziehungsweise 24 Biere (acht Liter) pro Woche bei den Männern. Frauen sind schon ab 16 Gläsern oder zwei Litern Wein und bei 16 Bieren (fünf Liter) gefährdet. Die Konsumenten sind eingeladen, die von ihnen gekauften Alkoholmengen in einem Monatskalender einzutragen.

Viele Finnen haben ihren Alkoholkonsum nicht im Griff. So haben bei Männern zwischen 15 und 64 Jahren alkoholbedingte Schädigungen Herzerkrankungen als häufigste Todesursache abgelöst. Tödliche Zirrhosen kommen heute hundert Mal häufiger vor als in den 60er Jahren. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch reinen Alkohols sei von 2,6 Liter auf elf Liter gestiegen, weiß der finnische Anti-Drogen-Verband, der seit einem Jahrhundert gegen Alkohol und Tabak kämpft. AFP

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