Welt : Mit der Thora an Bord

Israel trauert um seinen ersten Astronauten Ilan Ramon

Charles A.Landsmann[Tel Aviv]

Von Charles A.Landsmann,

Tel Aviv

Israel trauert um seinen Nationalhelden. Ilan Ramon, der erste israelische Astronaut, war der Stolz der von Krisen und Kriegen erschütterten Nation, liess die verunsicherten Bürger während der letzten Tage vor dem Start, den Stunden des Startes, der halbstündigen Pressekonferenz aus dem Weltraum, den Minuten der täglichen Berichterstattung ihre Alltagssorgen vergessen. Und nun das.

Israel am 16.Januar, als die Columbia startete: himmelhoch jauchzend, und nun zu Tode betrübt. Groß ist das landesweite Entsetzen. „Ein Traum war wahr geworden", so Ilans Schwager Gaby Bar gestern, nachdem er die Hiobsbotschaft von der Explosion der Columbia erhalten hatte, „und nun diese Tragödie".

Viereinhalb Jahre hatte Oberst Ilan Ramon, F-16-Pilot der israelischen Luftwaffe, Vater von drei Töchter und eines Sohnes, für diesen Raumflug trainiert, sich intensiv darauf vorbereitet. Vor allem im Ausland hatte man sich gewundert, dass Israel einen Piloten und keinen Wissenschaftler als ersten Astronauten bestimmt hatte, der zahlreiche israelische Experimente neben der üblichen Arbeit an Bord erledigen sollte.

Ilan Ramon, der 1981 beim spektakulären und seinerzeit höchst umstrittenen Angriff auf den in Bau befindlichen irakischen Atomreaktor teilgenommen hatte, wurde in einem langwierigen Ausscheidungsverfahren zur Nr.1 bestimmt, während die Nr.2 vor einiger Zeit erfahren musste, dass er wohl nie in den Weltraum fliegen werde. Dies könnte sich nun mit dem Unglück ändern, denn der Chef der israelischen Raumfahrtsbehörde, Avi Har Even, sprach in seinem Interview von einer „Blutsverwandtschaft, die uns nun noch enger mit der NASA verbindet".

Auf der Erde versuchten Rabbiner das halachistische Problem zu lösen, wie der Astronaut im Weltall den Sabbat einhalten könne, was ein schwieriges Unterfangen war. Bei 16 Erdumkreisungen am Tag ist es nicht einfach festzustellen, welcher Wochentag gerade ist. „Ausgerechnet der erste Astronaut, der da oben den Sabbat geheiligt hat, ist an einem Sabbat auf dem Weg nach unten zu uns ums Leben gekommen." Zur Landung hatten sich neben der Ehefrau und Kinder nur noch Teile der Familie aus Israel eingefunden. Ilans Vater Elieser Wolfermann verfolgte am Rande der Negevwüste das Geschehen am Bildschirm. „Ich war mir überzeugt, dass sie auch nach Abbruch des Funkkontaktes sicher landen würden." Eine vergebliche Hoffnung.

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