Welt : Mit Klettverschluss für den Notfall

Das holländische Justizministerium lässt Kopftücher für moslemische Gefängniswärterinnen designen, die sich bei einem Angriff lösen

Rolf Brockschmid

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Das niederländische Justizministerium hat bei der niederländischen Designerin Cindy van den Bremen spezielle Kopftücher bestellt, die uniformierte und nicht uniformierte moslemische Justizangestellte in den Gefängnissen tragen sollen. Die bisherige Praxis, dass die Mitarbeiterinnen ihre eigenen Kopftücher mitbringen, entspreche nicht den Sicherheitsstandards. Darum hat man bei Cindy van den Bremen, die 1999 mit ihren modischen Kopfbedeckungen für den Sport viel Aufsehen erregt hatte, ein adäquates Modell bestellt. Das meldete die niederländische Tageszeitung „NRC Handelsblad“ am Donnerstag. Inzwischen hat Minister Donner den Vorgang gestoppt, der frühzeitig durch eine regionale Zeitung in Eindhoven bekannt geworden war. „Der Journalist hatte im Zuge seiner Recherche auch einige Abgeordnete gesprochen. Einige waren begeistert und einer hatte in einem Brief an Minister Donner um Aufklärung gebeten. Deswegen sind auch die Fotos noch nicht freigegeben“, berichtet Cindy van den Bremen. Eine Sprecherin des niederländischen Justizministeriums bestätigte dem Tagesspiegel, dass der Minister die Sache zunächst auf Eis gelegt hätte. „Minister Donner will in Kürze das Parlament informieren, damit alles in der richtigen Reihenfolge abläuft“, sagte die Sprecherin. Einen Zeitraum konnte sie nicht nennen.

„Der Bund der Justizmitarbeiter war sehr begeistert von der Aussicht auf gleiche Kopftücher“, sagt die Designerin zu dem Echo in der Öffentlichkeit. Die Politik reagiere allerdings gespalten, manche Politiker fänden die Justizkopfbedeckungen gut, andere nicht.

Bisherige Praxis ist es, dass im Gegensatz zu Polizei und Zoll moslemische Mitarbeiterinnen im Justizvollzugsdienst ihre eigenen Kopftücher tragen dürfen. Sie sind im Genick geknotet, entsprechen aber nicht den Sicherheitsbestimmungen. Cindy van den Bremens so genannte „Capsters“ öffnen sich sofort, wenn an ihnen gezogen wird und sind auch vom niederländischen TÜV überprüft worden. Die blauen Capsters sollen zur Uniform getragen werden, die schwarzen zur zivilen Kleidung. „Die Kopfbedeckung ist aber kein Bestandteil der Uniform, sie passt nur dazu“, sagt die Designerin, die davon träumt, der Kopfbedeckung die stigmatisierende Botschaft zu nehmen. „Ich will dem Kopftuch wieder seinen ursprünglichen Wert geben.“ Mit den Gastarbeitern aus Südeuropa bekam das Kopftuch bei uns ein schlechtes Image, aber haben davor nicht auch Audrey Hepburn oder Grace Kelly im Cabriolet Kopftuch getragen?"

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