Mitteleuropa : Unwetter: Durchs wilde Höllental

Schwere Unwetter haben Mitteleuropa heimgesucht – zehn Menschen wurden getötet.

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Fahrt durch den Gewitterregen. Szene vom Donnerstagabend in Nürnberg. Foto: dpadpa

Stürme, Hagel, Tornados – die Unwetter hatten fast ganz Mitteleuropa im Griff. Die extremen Wetterverhältnisse insgesamt zehn Todesopfer. Zahlreiche Menschen wurden verletzt. Auch in Deutschland gab es einen Toten. Auf der A5 bei Butzbach in Hessen wurde ein offenbar nicht angeschnallter 41-jähriger Autofahrer aus seinem Kleintransporter geschleudert, als er kurz vor Mitternacht bei heftigem Regen gegen die Mittelleitplanke prallte; er starb noch am Unfallort.

In Bayern, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg stürzten etliche Bäume um, krachten in Fahrzeuge oder Gebäude und blockierten Fahrbahnen und Schienen. Die Feuerwehr musste zahlreiche Keller leerpumpen. Auch Straßen standen unter Wasser. Blitzeinschläge in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sorgten für Hausbrände mit hohem Sachschaden.

In Südostbayern wurden bei einem schweren Unwetter mit Hagel und Sturmböen sechs Menschen zum Teil schwer verletzt. Hier hatten sich die Luftmassen zuvor kräftig aufgeheizt: Mit bis zu 37 Grad war das Berchtesgadener Land die heißeste Region Deutschlands, wie der Deutsche Wetterdienst sagte. Die anschließenden Gewitter sorgten für Sturm- oder Orkanböen, Hagel und sintflutartige Regenfälle. Bei Bad Tölz etwa fielen innerhalb von einer Stunde 30 Liter pro Quadratmeter.

Bei der Polizei in Nieder- und Oberbayern gingen am Donnerstagabend rund 750 Notrufe ein. Allein im besonders stark betroffenen Niederbayern kam es zu rund 100 Einsätzen. Dächer wurden abgedeckt, Bäume auf parkende Autos und Straßen geschleudert und Keller überflutet. Auf den Autobahnen A3 und A92 kam es wegen umgestürzter Bäume und eines umgestürzten Wohnwagens zu Behinderungen. Zweimal mussten Polizei und Feuerwehr ausrücken, nachdem Gastanks beschädigt worden waren.

Nach einem sturmbedingten Steinschlag im Höllental im Südschwarzwald ist die Bundesstraße 31 zwischen Buchenbach und Hinterzarten voll gesperrt. Es bestehe die Gefahr, dass sich aus einem Fels am Hirschsprung weitere Steine lösen und auf die viel befahrene Straße stürzen könnten, teilte die Polizeidirektion in Freiburg mit. Der Hirschsprung ist eine Engstelle in der Höllental-Schlucht mit mehr als 100 Meter hohen Steilwänden. Die Gegend ist ein bekanntes Ausflugsziel. Nach unwetterartigen Regenfällen waren am Donnerstagabend mehrere Autos von zum Teil faustgroßen Steinen getroffen worden, fünf Fahrzeuge waren dabei erheblich beschädigt worden.

Auch in den Nachbarländern Polen, Tschechien, Schweiz und Österreich richteten Unwetter große Schäden an. In Polen und Tschechien kamen in der Nacht zum Freitag bei Sturm, Hagel und Gewitter mindestens acht Menschen ums Leben.

In südlichen Urlaubsländern herrscht dagegen Gluthitze. In Kroatien gab es am Freitag bei einem schweren Zugunglück sechs Tote. Gleise hatten sich offenbar wegen der Hitze verbogen.

In Serbien starb ein Mensch an einem Hitzschlag. In Spanien und auf den Inseln Korsika und Sardinien flüchteten Menschen vor schweren Waldbränden, die durch Hitze und Dürre verursacht worden sind.

In Barcelona erlag ein Feuerwehrmann seinen schweren Verletzungen. In der Türkei, in Griechenland und auf der Balkan-Halbinsel warnten Meteorologen vor Hitzewellen mit Temperaturen bis 43 Grad im Schatten.

„Auch wenn es so scheint – aber was im Augenblick bei uns und in den Urlaubsländern passiert, ist durchaus nicht ungewöhnlich“, sagt Meteorologe Thomas Sävert von der meteomedia-Unwetterzentrale in Bochum. „Das Wetter in Deutschland ist zurzeit vielleicht etwas wechselhafter mit lokalen Unwettern – aber im Prinzip ist das ein typischer mitteleuropäischer Sommer.“ Tsp/dpa

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