Welt : Mode: Baden in Chiffon

Verspielte Phantasie lautet das Mode-Motto für den kommenden Sommer. Mailands Designer erteilen der Schlichtheit eine Absage und schwelgen in verspielten Details und extravaganten Schnitten. Steht auch manchmal die Alltags-Tauglichkeit in Frage, scheint das eine oder andere zu sexy, so gibt es dennoch keine Zweifel an der Offensive der Weiblichkeit. Die noch bis zum 3. Oktober laufende Milano Moda Donna mit den Trends für Frühjahr und Sommer 2002 badet in Stoffen wie Chiffon, Spitze und Tüll. Vieles erinnert an Dessous. Von der kleinen Rüschenkante über die schräg laufenden Falten-Stufen bis zum opulenten Volant-Schwall wird kaum eine Möglichkeit der Verzierung ausgelassen.

Die erste richtig große Show dieser Saison gelang am Donnerstagabend New York Industrie, einer italienischen Marke aus der Hand von Kostas Murkudis, einem Deutschen griechischer Herkunft. Coole Anzüge in Weiß oder im Micro-Punkt-Dessin legt er über tief dekolletierte Tops oder Hemden mit farblich abgesetzten Kragen. Unterhemd und Chiffonbluse tauschen bei ihm kurzzeitig die Positionen. Ein edler Brokatmantel trifft auf verwaschene Jeans, Bustiers und Kleider bestechen in wildem Material-Patchwork aus Rüschen, Spitze, Seidentüchern und sakralen Drucken. Ausgestanztes Lackleder und Röcke im Flamenco-Stil lassen den Rhythmus variieren. Zum Finale warf Murkudis dann satte Farben wie Orange, Tomatenrot und Pink zusammen.

Für die Marke Exte streifte der italienische Designer Antonio Berardi durch die Musikgeschichte. Auf Gitarrengurte a la Jimi Hendrix folgten die Brokatjacken von Prince. Silbernieten und Rüschen im Parallel-Lauf, Leder-Strapsgürtel zu den Hotpants, Bodys zum bestickten Kummerbund, Ledertops mit Schleifchen - Berardis Phantasie scheint grenzenlos. Minis liegen bei ihm in Falten, Tops in Lagen. Giftiges Grün und poppige Schwarz-Weiß-Drucke brennen sich ins Auge.

Auch Cividini, eine eher introvertierte Linie, nimmt an der dekorativen Spielerei teil. Allerdings mit subtilen Mitteln. Mal prangt eine Rüschenborte auf einem Blazer-Revers, mal lugt ein Rüschengürtel unterm Oberteil hervor. Piero Cividini verändert ständig Form und Volumen, pendelt zwischen sehr schmalen Hosen in Zigarettenform und Röcken mit leichtem Ballon-Ansatz. Dekorativ wirken die überdimensionierten Kreis-Drucke und die gelben, flachen Schuhe als Kontrast zur farblich eher zurückhaltenden Garderobe.

Gai Mattiolo ist Dekoration ohnehin nicht fremd, schließlich kommt er ursprünglich aus der Alta Moda, der italienischen Maßschneiderei. Eine Cyber-Piratin sei seine Frau im Frühjahr/Sommer 2002, meinte der 32-jährige Römer. Auf jeden Fall ist sie eine rassige Latina. Ihre Röcke werden in Streifen geschlitzt oder in Stufen gelegt, Fransen wippen an Blusen und Hosen. Rüschen und Volants gibt es in allen Variationen, auf einer seitlich fallenden Schleppe, als üppiger Besatz auf Kragen oder im Schwarz-Weiß- Kontrast auf Miniröcken.

La Perla debütierte am Freitagvormittag auf dem Laufsteg. Der Dessous-Spezialist aus Bologna macht erst seit zwei Jahren Oberbekleidung. Vieles erinnert dann auch an den Ursprung der Marke. Korsagen überlagern die transparenten Oberteile, die wiederum geben an anderer Stelle den Blick auf einen BH frei.

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