Mode : Kleider machen Patrioten

Nationalismus gibt es in Russland jetzt auch von der Stange: Eine junge Studentin hat eine Modekollektion entworfen, die Russland und dem Kreml huldigt.

Olga Nedbayeva[AFP]
Matrjoschka
Matrjoschkas sind hip. Zumindest wenn es nach der Modedesignerin Antonia Schapowalowa geht. -Foto: AFP

MoskauAuf Shirts wie Unterhosen prangen patriotische Liebeserklärungen und politische Slogans, und das kommt nicht nur bei jungen Nationalisten gut an. Auch der scheidende Präsident Wladimir Putin und sein designierter Nachfolger Dmitri Medwedew sollen die Mode im Schrank hängen haben.

Drei Jahre lang engagierte sich die 20 Jahre alte Studentin Antonia Schapowalowa bei Kundgebungen und Aktionen des Kreml. Dann fand sie einen anderen Weg, um ihre nationalistische Überzeugung unters Volk zu bringen. "Liebe ist russisch" steht auf ihrer Kleidung oder "Russen gehen voran". Auf Damenunterwäsche prangen die Worte "Ich bin bei Dir, Wowa!". Wowa, das ist der Kosename für den Vornamen Wladimir des scheidenden Präsidenten.

Putin ist Schapowalowas großes Vorbild. Im Vorfeld der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen hatte sie sich als Funktionärin in der von der russischen Staatsführung initiierten Jugendorganisation Naschi für den Präsidenten beziehungsweise seinen Wunschnachfolger Dmitri Medwedew ins Zeug gelegt. Jetzt nutzt sie den von Putin gepflegten Nationalismus, um sich in der Modebranche einen Namen zu machen.

Marke Russland

"Russland ist ein echtes Markenzeichen", sagte Schapowalowa kürzlich während der Moskauer Modewoche auf einer Modenschau. Sie stammt aus der 370 Kilometer nordöstlich von Moskau gelegenen Stadt Kostroma, wo sie noch als Studentin eingeschrieben ist.

Vom 10. April an gibt es Schapowalowas Kollektion auch im berühmten und edlen Moskauer Einkaufszentrum GUM zu kaufen. Neben den patriotischen Slogans bietet die junge Modeschöpferin Kleidung an, die sich am bunten Outfit der Matrjoschkas orientiert, den typisch russischen Steckpuppen aus Holz.

Förderer Medwedew

Ihren ersten großen Auftritt hatte Schapowalowa mit ihrer Kollektion bei einer Jugendveranstaltung auf dem Roten Platz am 3. Dezember 2007, als 30.000 Menschen den Sieg der Putin-treuen Partei "Einiges Russland" bei der umstrittenen Parlamentswahl feierten. "Wladimir Putin und Mitglieder der Regierung besitzen meine T-Shirts", schwärmt Schapowalowa heute. Zu den Förderern der jungen Designerin zählt neben Putin auch dessen designierter Nachfolger Medwedew.

Die Modekollektion passt perfekt in das Konzept von Naschi, was frei übersetzt "Die Unsrigen" bedeutet, im Sinne von "unsere Leute" oder "unser Land". Die Putin-treue Jugendorganisation entstand 2005 während der von jungen Leuten getragenen Aufstände in mehreren Ex-Sowjetrepubliken, als der Kreml befürchtete, dass es auch in Russland zu Unruhen kommen könnte. Die Sommerlager der Naschi-Bewegung sollen Jugendliche seither auf die Linie des Kreml einschwören.

Aggressive Proteste

Wenn es darum geht, eine Pro-Kreml-Show auf die Beine zu stellen, bringt die Jugendorganisation zehntausende Mitglieder auf die Straße. Zugleich organisiert Naschi aber auch aggressive Protestzüge gegen Länder wie Estland oder Großbritannien, denen sie eine Verschwörung gegen Russland vorwirft. Doch weil solche Sorgen zunehmend lächerlich erschienen, hat Naschi sich anderen Problemen zugewandt - der Vergreisung der russischen Gesellschaft zum Beispiel.

Auch Schapowalowa hat die demographische Entwicklung in ihrer Modelinie aufgegriffen. Vergangenen Sommer besuchte Medwedew ein patriotisches Ferienlager der Naschi-Jugendgruppe und suchte sich dort eines ihrer T-Shirts aus, das die Bemühungen der Regierung um eine höhere Geburtenrate unterstützt. "Das Gesundheitsministerium rät: Fortpflanzung ist gut für Ihre Gesundheit", stand darauf zu lesen. Für umgerechnet rund 24 Euro gibt es künftig auch Slogans wie "Ich will drei Kinder haben" oder "Ich bin der Anfang eines demographischen Booms" auf Shirts zu kaufen.

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