Welt : Mode: Prada im Goldrausch

Was die Bedeutung der immer wiederkehrenden Modefarbe Schwarz betrifft, verhalten sich die Designer ambivalent. Ohne Schwarz geht nichts, es geht auch ohne Schwarz - so lauteten die gegensätzlichen Aussagen der Präsentationen bei den Mailänder Modeschauen für Frühjahr/Sommer 2002. Wer auf der Chiffon- und Tüllwelle mitschwimmt, kommt am Schwarz kaum vorbei. Andere dagegen setzten - da in der laufenden Saison Schwarz-Weiß eine große Rolle spielt - voll auf andere Alternativen.

Bei Gucci etwa hat Dunkelbraun die Vorherrschaft übernommen. Auf dieser Basis baut Tom Ford, der Designer der Marke, eine Palette auf, die von Weiß über Elfenbein und einem matten Rosa bis hin zu Burgund reicht. Doch der wahre Blickfang liegt in der Silhouette. Superweit, extrem lässig, die Ärmel mit Überlänge, die Hosen im Baggy-Stil - mit dieser Aussage setzte Gucci Akzente. Zu den weiten Hosen und den Röcken mit zum Teil asymmetrischen Säumen gibt es ausgestellte, aber kurze Jacken, die im Schritt wippen. Knitter-Optiken und Schnürdetails bringen Spannung in die Linien. Lange Chiffonkleider werden über der Brust mit einem Band fixiert. Ausgestanzte Herz- oder Blütenformen unterstreichen die Romantik der Kollektion.

Tango-Mode

Während Gucci den Glamour damit fast auf Null herunterfuhr, hatte Prada am Abend zuvor mächtig draufgesattelt. Das Label schwelgte im Goldrausch. Die beiden mit einflussreichsten Unternehmen der internationalen Modewelt steuern somit in der nächsten Saison in sehr unterschiedliche Richtungen. Krizia wiederum schwört auf Seide. Dieser Stoff wird zum Leitmotiv der aktuellen Kollektion. Tigerköpfe erscheinen als Druck auf Hosen, Kleidern, Tops und Taschen. Überdimensional vergrößerte Leoparden-Dessins ergänzen das Thema. Mariuccia Mandelli, die Gründerin und Designerin von Krizia, setzt stark auf Ton-in-Ton-Zusammenstellungen - etwa von Farben wie Weizen, Bronze oder Weiß. Auch Mila Schön unterstützt die Anti-Schwarz-Bewegung, gestaltet etwa das Abendthema komplett in Braun.

Strenesse hingegen wirkte wie ein Ausblick darauf, wie sich die Terroranschläge von Amerika in der Mode thematisieren könnten.

Der argentinische Tango, der inzwischen auch viel in Italien getanzt wird, inspirierte Chiara Boni. Sie präsentierte ein Tango-Abendkleid in Rot und Burgund.

Die Süddeutsche Gabriele Strehle verzichtete am Sonntagvormittag auf alles Schmückende oder Laute und beschränkte sich auf Wesentliches. "Die zur Schau gestellte Selbstinszenierung ist passé", meinte die Designerin. Die Pullis und Hemden mit Polokragen verlängern sich zu Kleidern und bekommen weite Schnitte. Üppige Blusen stecken in schmalen Hosen, Röcke wehen über engen Leggins, asymmetrische Strickoberteile liegen doppellagig. Auch die Farbpalette ist mit Schwarz, Marineblau, Grau und Weiß sehr reduziert.

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