Mode : Schwer angesagt

In Zeiten des wirtschaftlichen Niedergangs ändert sich das Schönheitsideal – Frauen werden weiblicher.

Wlada Kolosowa
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Stolz darauf, dick zu sein. Beth Ditto,

Es mag Zufall sein, dass viele Frauen der Stunde zu ihren Rundungen stehen: Präsidentengattin Michelle Obama zum Beispiel, Woody Allens Muse Scarlett Johannsson oder die Sängerin Beyoncé. Nun wurde die Rückkehr der Kurven immer wieder in regelmäßigen Abständen ausgerufen, ohne dass deshalb die dürren, blassen und kränklich aussehenden Elfen mit ihren Ballerinafiguren von den Modeschauen verschwunden wären. Diesmal scheint es aber anders zu sein: Der neue Liebling der Designer heißt Daisy Lowe und ist alles andere als rappeldürr. Vor kurzem hat sie Victoria Beckham, das Aushängeschild der Size-Zero-Generation, als Model von Marc Jakobs abgelöst. Vielleicht ein Zeichen für den Wandel des Schönheitsideals? Ein weiteres Argument dafür liefert das neue britische Modemagazin „Love“. Auf dem Cover räkelte sich die übergewichtige Sängerin Beth Ditto, splitterfasernackt und üppig gepolstert. Sofort diskutierte die ganze Modewelt darüber. Und fand es „irgendwie ästhetisch“.

War es nur eine Provokation? Oder verbirgt sich dahinter wirklich ein Wandel? US-Forscher sehen die Wirtschaftskrise als Grund für den Trend zu einem anderen Schönheitsideal. Wirtschaftliche Schwankungen, so lautet ihr Befund, haben Einfluss darauf, was Männer anziehend finden. „Wenn die Wirtschaft den Bach runtergeht, werden fülligere, rundere Frauen bevorzugt“, sagte der Experimentalpsychologe Leif Nelson dem US-Nachrichtenportal „The Daily Beast“. Zusammen mit Evan Morrison von der Universität Stanford untersuchte Nelson, ob sich Ressourcenknappheit darauf auswirkt, welche Körpertypen Männer bevorzugen. Sein Ergebnis: Hungrige Versuchspersonen und Männer, die um ihre Finanzen bangten, entschieden sich für dickere Frauen als die Kontrollgruppe.

Die Forscher nehmen an, dass die Gefühle des Hungers und der materiellen Unsicherheit verwand sind. „Es ist möglich, dass hungrige Männer nach Signalen des Überflusses und der Üppigkeit suchen – und fülligere Frauen könnten so ein Signal sein.“ Schon in den 70er Jahren haben Forscher herausgefunden, dass in wohlhabenden Gesellschaften dünnere Frauen bevorzugt werden und in armen schwerere. Unser Schlankheitsideal ist also vergleichsweise neu – erst seitdem Europäer nicht mehr um ihr täglich Brot bangen müssen, gilt schlank als ästhetisch. „In schwierigen finanziellen Zeiten fühlen sich Männer zu Frauen hingezogen, von denen sie intuitiv annehmen, dass sie reif und unabhängig sind, sagt der Psychologe Terry Pettijohn. In seinen Studien untersuchte Pettijohn Gesichts- und Körpermerkmale von populären Frauen aus über vier Jahrzehnten und fand heraus, dass sie in harten wirtschaftlichen Zeiten ein wenig schwerer und größer waren, mit kleineren Augen und einem ausgeprägteren Kinn.

In „fetten“ Jahren dagegen waren die berühmten Frauen kleiner, leichter und hatten kindlichere Gesichter.

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