Mode : Spanien kämpft gegen Magerkeit als Schönheitsideal

Es begann mit einem Arbeitsverbot für dürre Models, nun wollen Spaniens Behörden das Problem des mageren Schönheitsideals an der Wurzel packen. Ab 2008 soll sich die Textilindustrie an real existierenden Kundinnen orientieren.

Madrid - Eine Vereinbarung mit den größten Konfektionsmarken des Landes schreibt einheitliche Größen vor, verbietet zu dünne Schaufensterpuppen und schafft die Spezialabteilungen "große Größen" in den Kaufhäusern ab. Zara und Mango, Spaniens Textilriesen mit Millionen Kundinnen weltweit, haben sich den neuen Vorschriften gebeugt. "Das Leben der Kundin sollte jetzt wirklich leichter werden", hofft Clara Courel, Modechefin bei der spanischen Ausgabe der Zeitschrift "Elle".

Künftig soll Schluss sein mit den frustrierenden Shopping-Ausflügen, bei denen keine Hose passt und von denen Frauen mit dem Eindruck zurückkehren, sie seien viel zu dick. "Die Mode soll Frauen ermöglichen, sich wohl zu fühlen, so wie sie sind", sagt Angeles Heras, Direktorin der spanischen Konsumbehörde. Die großen Kleidermarken werden sich beim Entwurf ihrer Größen ab 2008 an den Maßen der real existierenden Kundinnen orientieren. Diese sollen in einer großen Studie vom spanischen Gesundheitsministerium ermittelt werden: 8500 Frauen und Mädchen zwischen zwölf und 70 Jahren in 60 verschiedenen Gemeinden sollen bis dahin vermessen werden.

Orientierung an der "Durchschnitts-Spanierin"

Die Teilnehmerinnen werden durch Zufall ermittelt und in einer Laserkabine voll ausgeleuchtet, stehend und sitzend. Ergebnis soll die "Durchschnitts-Spanierin" sein. Ihre Maße ersetzen die bisher bekannten, die immerhin auf eine Studie aus dem Jahr 1973 zurückgehen. "Dies ist nur ein erster, aber sehr wichtiger Schritt", sagt Maria del Carmen Galindo, Vorsitzende des Vereins zum Kampf gegen Anorexie und Bulimie. Dennoch bleibt sie skeptisch: "Es gab schon vorher Versuche mit neuen Maßen, doch wurden sie nie umgesetzt."

Spanien ist damit weiter Vorreiter im Kampf gegen die Magersucht. Im September hatten die Behörden der Hauptstadt Madrid zu dünnen Models verboten, bei der Modewoche Pasarela Cibeles aufzutreten. Kriterium ist der in den USA entwickelte Index der Körpermasse (BMI). Beim BMI wird das Körpergewicht durch die Körpergröße im Quadrat geteilt. Minimum für Models in Madrid ist ein BMI von 18, das entspricht einem Gewicht von mindestens 56 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,75 Metern.

Auch wenn die Modewelt diese Maßnahmen sehr kritisch aufnahm, will Madrid seine Offensive fortsetzen. Geplant ist ein "Sozialpakt gegen Anorexie und Bulimie" und das Verbot von Wunderpräparaten zum Abnehmen. Eine Internetseite, die unter dem Namen "Porzellanprinzessin" einen Abmagerungswettbewerb ausgeschrieben hatte, wurde im Januar auf Druck der Behörden eingestellt. (Von Virginie Grognou, dpa)

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