Abendkleider im Abseits : Aus, aus! Das Spiel ist aus!

Wenn bei der Fashion Week zehn Minuten lang ein Abendkleid nach dem anderen an einem vorbeizieht, fühlt man sich am Ende wie auf einem aus dem Ruder gelaufenen Abiball. Unsere Autorin sieht die Abendkleidschwemme als Eigentor.

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Ganz blümerant ist es einem, nach so einer Fashion Week. Wenn das mal keine Dupionallergie oder ein Voileausschlag ist. Wenn zehn Minuten lang ein Abendkleid nach dem anderen an einem vorbeizieht, fühlt man sich am Ende wie auf einem aus dem Ruder gelaufenen Abiball. Es ist an der Zeit, es mal mit ein paar goldenen Fußballregeln zu versuchen. Immerhin ging an diesem Wochenende die Bundesliga wieder los:


1. Elf Männer ergeben noch keine Mannschaft. Wer Pannesamt, Satin, Fell, Wollwalk, Jersey, Crêpe de Chine, Voile, Duiponseide, Chiffon, Pailletten und Tüll zusammenhaut, ist nicht originell, sondern entscheidungsschwach. Möglichst viele Stoffe ergeben noch keine Kollektion.

2. Echte Fans genießen still. Ein Designer sollte seine Fangemeinde möglichst über das ganze Publikum verstreuen. Der grölende Jubel, der nur aus einer Ecke kommt, macht Presse und Einkäufer misstrauisch.

3. Gewonnen ist gewonnen. Es reicht, als Sieger vom Platz zu gehen, wer zu viel will, kassiert schnell ein Gegentor. Man sollte seine Zuschauer nicht mit einer Abendkleidtaktung von mehr als einem pro Modenschauminute überfordern. Ein schönes Tor sollte erst mal ordentlich diskutiert werden können. Dazu kommt: Anders als im Fußball ist in der Mode nicht die Tordifferenz entscheidend.

4. Das Spiel dauert 90 Minuten. Wird die Erwartungshaltung mit spektakulären Toren gleich am Anfang zu hoch geschraubt, entlocken ordentlich ausgeführte Freistöße und solide gearbeitete Hosenanzüge den Zuschauern später nur noch ein lahmes Gähnen.

5. Schön spielen kann jeder. Gekonntes Dribbling ist eine feine Sache, es sollte aber auch irgendwo hinführen. Nur weil ein Abendkleid mit Glitzersteinchen bestickt, von innen mit Tüll ausgestopft ist und in allen Farben des Regenbogens leuchtet, muss es nicht auf einem Laufsteg gezeigt werden – der Designer sollte sich auch etwas dabei gedacht haben. Und das sollte über das Niveau einer Jahrmarktattraktion hinausgehen.

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