Ausstellung : Das ist so Versace!

Vor 20 Jahren wurde der italienische Designer erschossen. Der Sammler Alexandre Stefani erinnert an seine spektakuläre Mode.

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Die Ausstellung war Besuchern der Messe "Show & Order" vorbehalten
Die Ausstellung war Besuchern der Messe "Show & Order" vorbehaltenFoto: promo

Natürlich trägt Alexandre Stefani Versace. Heute ist es ein handbedrucktes Jackett in bunten Farben aus den achtziger Jahren. Seine Leidenschaft möchte er mit der Welt teilen, jeder soll sehen, dass er ein Fan von Gianni Versace ist. Auch im Café der Akademie der Künste im Tiergarten, wo er zwischen all den schwarz gekleideten Gästen hervorsticht. Er ist zur Fashion Week nach Berlin gekommen, um seine Lieblingsstücke auszustellen. Anita Tillmann, die Chefin der Modemesse Premium, hat ihn eingeladen.

Stefani besitzt eine der größten Sammlungen der Mode des italienischen Designers. In seinen Schränken, zu Hause in Brasilien, gibt es fast nur Kleidungsstücke, die vor dem 14. Juli 1997 entstanden. Auf den Stufen seiner Art-déco-Villa in Miami Beach wurde Gianni Versace 51-jährig an diesem Tag von einem Serienmörder erschossen.

Ganz fest hatte sich der junge Stefani vorgenommen: Ich werde einmal für Versace arbeiten. Er war gerade für ein Praktikum in Mailand, als er die traurige Nachricht vom Tod seines Vorbilds bekam. Da war er schon längst der Mode von Versace verfallen: „Als ich 1989 zum ersten Mal für einen Austausch in Paris war, entdeckte die ersten Teile von Versace. Das bedeutete für mich Freiheit. Ich hatte noch nie Männerkleidung gesehen, die so cool war wie die für Frauen.“

Als Stefani nach Italien zog, brachen für Gianni Versace gerade die goldenen Jahre an. Der Modestudent hätte damals ein Jahr sparen müssen, um sich ein Stück aus dessen Kollektion leisten zu können. Niemand war so bunt, so extrovertiert, so verschwenderisch wie Versace. Auf seinen Kleidern stritten barocke, griechische und römische Ornamente, Medusenköpfe, Blumen und Goldmünzen um Aufmerksamkeit. Es passt zu den beginnenden Neunzigern, dass seine Arbeit nicht einfach als überbordender Kitsch abgetan, sondern als große Kunst gewürdigt wurde. Schon 1984 stellte das Londoner Museum Victoria and Albert seine Mode aus, das Kunstgewerbemuseum in Berlin folgte 1994.

„Damals ging es nur um ihn. Es war die Zeit, als alles grau und braun war, aber bei Versace gab es einfach jede Farbe. Wir dachten: Ist der verrückt. Er bekam mehr Aufmerksamkeit als alle andern.“ Mit seinem ersten eigenen Geld begann Stefani, Versace zu sammeln, kaufte Stücke vom Laufsteg. Als der Designer starb, war Stefani komplett in Versace gekleidet. „Mein Traum war zerstört“, sagt Alexandre Stefani. Statt in der Mode zu arbeiten, machte er sie zu seiner Leidenschaft und seinem Hobby.

Er kaufte alte Kataloge und stellte erstaunt fest, dass in der Arbeit von Versace mehr Tiefgründiges steckte, als er dachte. „Ich suche nicht nach seinen Bestsellern, nach dem, was alle haben wollen – die farbenprächtigen und sexy Kleider. Die Entwürfe aus den achtziger Jahren waren so besonders, so feinsinnig und voll von Genie.“

Gianni Versace, beklatscht von Claudia Schiffer
Gianni Versace, beklatscht von Claudia SchifferFoto: Eric Gaillard

Schon mit neun Jahren hatte Gianni Versace sein erstes schwarzes Samtkleid genäht, im Schneideratelier seiner Mutter, für Signora Ippolito. Dort arbeitete er noch, nachdem er das Gymnasium abgeschlossen hatte. 1972 zog er von Kalabrien in die italienische Modehauptstadt Mailand, entwarf für verschiedene Modehäuser, bevor er 1978 seine eigene Marke gründete. Schon ein Jahr später kam die erste Herrenkollektion dazu.

Auf die ist Alexandre Stefani besonders scharf: „Ich habe für meinen persönlichen Gebrauch mit dem Sammeln begonnen. Ich habe fast nur Männersachen, aber die Frauensachen sind lustiger und einfacher zu finden. Da denke ich oft: Das ist sooo Versace, das muss ich einfach kaufen!“

„Ich finde, Versace war einer der besten Designer, der dieselbe Inspiration für Männer und Frauen benutzte. Ich habe Hemden und Kleider im selben Muster.“ Manchmal bittet er eine Freundin, mit ihm im Partnerlook auszugehen: Komm, lass uns Versace spielen.

Seine Sammlung hat er über das ganze Haus verstreut. Überall stehen Kleiderschränke herum: einer für Leder, einer für Seide, einer mit Sachen, die er oft trägt, einer mit solchen, die er nicht so gern mag. Bei hundert Seidenhemden wollte er Schluss machen, heute hat er mehr als 500 Stücke gehortet. Der größte Teil seiner Kollektion besteht aus Seide und Leder.

Was ihm noch wichtig ist: Er sammelt nur Gianni Versace. Dessen Schwester Donatella übernahm nach seinem Tod die Rolle ihres Bruders, viele Jahre war sie seine Muse gewesen, entwarf die junge Linie „Versus“. „Am Anfang habe ich Donatella gehasst“, sagt er. Inzwischen erkennt er an, dass sie etwas von Marketing versteht.

Ihr Bruder folgte nur oberflächlich dem Mantra der ausgehenden achtziger Jahre: Du musst klassisch und reich aussehen. Versace benutzte in seinen Haute-Couture-Kollektionen Elemente aus der SM- und Bondage-Szene. Zum ersten Mal entwarf jemand etwas, das für den Underground bestimmt war, und zeigte es auf dem Catwalk, getragen von den teuersten Models aller Zeiten. „Ich denke, er hat sich ein bisschen über die Reichen lustig gemacht“, sagt Stefani.

Heute ist diese Mode ikonisch, wird aber oft ironisch getragen, um das Gemusterte, Glitzernde und Körperbetonte aushalten zu können. Das findet auch Stefani: „Man muss den Stil brechen, sonst ist es zu viel.“

Gianni Versace ist noch heute ein berühmter Name. Stefani findet es traurig, dass das nicht nur wegen seiner Mode ist: „Für viele ist sein Tod eine amerikanische Krimistory. Einige seiner Sammler wissen rein gar nichts über ihn. Was ich wirklich an ihm mag: Bei ihm ging es um Spaß und nicht so sehr um Schick. Gianni war ein echter Hedonist.“

Messechefin Anita Tillmann, Alexandre Stefani und Model Stefanie Giesinger auf der Messe „Show & Order“
Messechefin Anita Tillmann, Alexandre Stefani und Model Stefanie Giesinger auf der Messe „Show & Order“Foto: promo

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