Berliner Design : Puzzle für Männer

Jennifer Brachmann setzt mit ihrer Herrenmode auf den zweiten Blick.

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Auf dem Sprung. Das Label Brachmann will sich von Berlin aus positionieren.
Auf dem Sprung. Das Label Brachmann will sich von Berlin aus positionieren.Foto: Matthias Ritzmann

„Männer haben richtig Hunger darauf, dass sich was in der Mode verändert“, sagt Jennifer Brachmann. Der Hemdcut ist das beste Stück der Berliner Designerin für Herrenmode. Hinten mit langen Schößen ausgestattet, vorne wie ein Hemd geschnitten, ist er eine Mischung zwischen formell und leger. Männer kaufen ihn für ihre Hochzeit oder um ihn einfach als Mantel über der Jeans zu tragen – je nach Temperament.
Brachmann arbeitet mit Modulen, die sie mit den althergebrachten Versatzstücken der Herrenmode immer wieder neu mischt. So sieht jedes Stück ein wenig anders aus, ohne den Kontakt zu klassischen Anzügen, Mänteln, Hemden und Trenchcoats zu verlieren. Wenn man ihre Kollektionen durchsieht, kommt man unweigerlich ins Puzzeln: Diese Kellerfalte an der Tasche gab es schon statt Abnäher vorne an einer Jacke. Der versetzte Fadenlauf eines Stoffes am Revers tauchte schon an der hinteren Passe eines Hemdes auf, und die Falten auf der Rückseite eines Jacketts finden sich eine Kollektion später an der hinteren seitlichen Hosennaht wieder.
In Berlin gibt es immer mehr Designer, die sich mit der Auslotung der Grenzen in der Männermode beschäftigen. Wie grell und verrückt darf ein Kleidungsstück für Männer sein, ohne den Kontakt zum Alltag zu verlieren? Jennifer Brachmann geht die Sache eher subtil an. Ihr gefällt es, wenn man erst auf den zweiten Blick sieht, dass etwas anders ist an einem Hemd. Zum Beispiel der Kragen, der nicht spitz zuläuft, sondern vorne gerade abgeschnitten ist oder sich an den Enden kreuzt.

Die Berliner Fashion Week funktioniert als Qualitätssiegel

Ihr Label hat sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten Olaf Kranz in Halle an der Saale gegründet. Dort hat sie auf der Burg Giebichenstein Modedesign studiert. Sie macht das Design, er alles andere. Wobei er durchaus bei den Entwürfen mitentscheiden darf – schließlich ist er ein Mann. „Das hilft bei den Passformen“, sagt Brachmann. Für den Anfang konnte sie die Maschinen der Universität nutzen und bekam ein Stipendium vom Land Sachsen-Anhalt, das überhaupt ihre Selbstständigkeit möglich machte.

Aus feinstem Leinen ist dieser Anzug gearbeitet.
Aus feinstem Leinen ist dieser Anzug gearbeitet.Foto: Matthias Ritzmann


Dass sie nach Berlin umgezogen sind, war für sie dennoch der logische nächste Schritt. Schon zweimal zeigten sie auf der Berliner Fashion Week ihre Kollektionen. „Dort mitzumachen, ist so eine Art Qualitätssiegel. Das hilft bei der Markenbildung“, sagt die Designerin. Das macht sich bemerkbar. Nicht nur Händler interessieren sich für ihre Kleidung, auch Privatkunden kommen in ihr Atelier, das gleichzeitig Showroom und Geschäft ist.


Bei Jennifer Brachmann kann man sich die aktuelle Sommerkollektion anschauen und auch schon die für den Winter. Auf Wunsch lässt sie das Kleidungsstück in der passenden Größe anfertigen. Sie schneidert auch auf Maß, allerdings gegen einen Aufpreis.
Es gibt noch viele Module, mit denen die gelernte Architektin arbeiten kann, die Variationen sind schier unendlich. Manchmal muss sich Jennifer Brachmann bremsen, um nicht zu viele Puzzleteile in eine Kollektion zu packen. Es soll ja noch was für die nächste Saison übrig bleiben.
Atelier Brachmann, Danckelmannstraße 9 in Charlottenburg. Öffnungszeiten bitte erfragen unter: www.jenniferbrachmann.com


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