Berliner Fashion Week : Vor und Zurück

Drei Berliner Labels arbeiten mit ihren stilistischen Wurzeln – mit unterschiedlichem Erfolg.

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Schwarzweißdenken kann manchmal zu schönen Ergebnissen führen, das war am Donnerstag bei gleich zwei Designerduos zu sehen. Blame und Issever Bahri zeigten im Studio, einem großen, ganz mit schwarzem Stoff ausgeschlagenen Raum. Vor einem Jahr war die kleinere Variante zum großen Laufsteg noch ein Geheimtipp. Hier sollen junge Designer sich auszutoben. Sie könnten dort Sand ausschütten, die Wände mit Bildern verzieren, Bäume aufstellen, ausgestopfte Hirschköpfe aufhängen.

Und was tun diese jungen Nachwuchstalente? Sie stellen weiße Podeste in den schwarzen Raum, Models drauf und und die Besucher drumherum – das war’s. Also volle Konzentration auf die Mode – und die funktioniert ganz hervorragend auch ohne stimmungsunterstützende Accessoires.

Beide mischten geschickt die zwei Extremfarben so, dass es weder zu sehr nach Madame Chanel noch nach Zebrastreifen aussieht. Blame zeigen kleine weiße Kleider aus Baumwollpiquée mit schwarzen Akzenten. Wie die beiden Designerinnen mit ihrem immer wiederkehrenden Thema Blumenmuster umgehen, ist auch nach mehreren Saisons überhaupt nicht langweilig, sondern einfach schön. Es macht Spaß, zuzuschauen, wie selbstverständlich sie ihren Stil aus klaren Linien und feinen Details weiterentwickeln.

Das kann man auch für Issever Bahri sagen. Die beiden Finalistinnen des Designerwettbewerbs „Start your Fashion Business“ 2011 haben wie ihre Nachfolgerinnen von Blame ihre Energie in eine kleine, überschaubare Kollektion gesteckt – eine gute Entscheidung.

Bei Issever Bahri sind aus Lederbändern gehäkelte Kleidungsstücke das Markenzeichen. Diesmal wurden sie zum Beispiel für Oberteilen und als vordere Passe in einem Lederkleid verarbeitet. Dazu gab es luftige Parkas mit Satinärmeln, plustrige Baseballjacken und Hemdjacken – alles in Grau, Braun, Schwarz und Weiß.

Und noch ein Berliner Designerduo zeigte, dass sie ihre Handschrift nicht verlernt haben. Mit dieser Kollektion wollte Kaviar Gauche an seine avantgardistischen Anfänge erinnern. Während die Designerinnen sich bei den letzten Schauen oft auf ein bestimmtes Element konzentrierten, wollten sie nun wieder stärker Materialien mischen wie fließende Seidenstoffe und Leder mit gelasertem Lochmuster. Dafür haben sie Spitze, die für sie zu Beginn ein wichtiges Element war, digitalisiert.

Das funktionierte auch erst einmal ganz gut – die schmalen Kleider und Röcke in Schwarz und Weiß passten ins Kaviar-Gauche-Stilbild, das zwischen romantisch veranlagter Stadtneurotikerin und tougher Geschäftsfrau angesiedelt ist. Doch die Atmosphäre blieb frostig. Der Funke sprang auch nicht über, als die typischen Abendkleider vorbeirauschten. Da liegt der Gedanke nahe, in Zukunft weniger Hochzeitskleider anzufertigen und sich wieder mehr auf die eigene Handschrift zu konzentrieren.

Dawid Tomaszewski muss sich noch keine Sorgen um seine stilistischen Wurzeln machen, er ist noch nah dran. Anders als viele seiner Generationsgenossen arbeitet er sich aber nicht an der Idee der größtmöglichen Reduktion ab. Opulenz spielt für die Ästhetik des gebürtigen Polen eine entscheidende Rolle. Handgewebte Seide, feines Känguruhleder und aufwändige Stickereien verwendet er in seiner neuen Kollektion – und manchmal übertrumpft der ostentative Materialprunk die übrigen Aspekte des Entwurfs. Überhaupt bedient er mit seinen durchscheinenden, zarten, extrem femininen Kleidern ein Frauenbild, das nicht dem modernen Frauentyp seiner Generationsgenossen in Berlin entspricht. Aber gerade das macht seine Sachen so interessant.

elsi/js/gth

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