Berliner Mode auf der Kopenhagen Design Week : An die Zukunft denken

Zehn Designerinnen aus Berlin und Kopenhagen entwarfen nachhaltige Kleidungsstücke

Grit Thönnissen
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Mode von Tarané Hoock (oben) und Friedrike von Wedel-Parlow (unten).Fotos: Frauke Fischer (oben), promo (2)

Auf der Puppe sitzt das Kleid eng gezurrt, der Ausschnitt ist von grafischer Strenge, der Rock fällt weich und weit. Dann löst Friedrike von Wedel-Parlow die Bänder, hält das Kleid am Saum und breitet es wie eine Fahne auf dem Boden aus. Das Kleid, das durchaus für einen großen Auftritt reicht, besteht aus einem einzigen, fast rechteckigen Stück Stoff.

Man sieht der Designerin die Freude darüber an, dass sie es geschafft hat, aus einer so einfachen Form mit Drapierung, Wickeltechnik, Falten und Abnähern ein so komplex aussehendes Kleidungsstück zu erfinden.

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Animiert dazu hat sie das Projekt „Bright Green Fashion“. Sie gehört zu den zehn Designerinnen aus Berlin und Kopenhagen, die ausgewählt wurden, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Im Mai trafen sie sich, um darüber zu diskutieren, wie man Mode macht, ohne die Umwelt zu schädigen, Arbeitsbedingungen verbessert und Ressourcen schont. Der Begriff Nachhaltigkeit umfasst das, was konventionelle Modefirmen viel zu wenig tun: an die Zukunft denken.

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Silvia Kadolsky hat als Direktorin der Berliner Modeschule Esmod jeden Tag mit Zukunft zu tun. Viele ihrer ehemaligen Schüler haben heute eigene kleine Firmen. Sie weiß, dazu sind neue Ideen und vor allem Geld nötig. Deshalb hat sie den Verein „Fashion Patrons“ gegründet, der sich um den Nachwuchs kümmert.

Mit Kirsten Julchen von der Agentur Inpolis hat sie sich auch das deutsch-dänische Projekt „Bright Green Fashion“ ausgedacht. Es kam zustande, weil die Netzwerke „Create Berlin“ und „Creative Forum Copenhagen“ mitmachten. Der gemeinnützige Verein „Create Berlin“ setzt sich aus 111 Mitgliedern aus kreativen Branchen wie Architektur, Produktdesign und Mode zusammen und will Ideen umsetzen wie die zu „Bright Green Fashion“. Der Vorstand weiß, wie man Anträge stellt, Geld vom Senat und privaten Sponsoren bekommt und wen man fragt, ob er mithilft. So kam es, dass der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit in Kopenhagen erschien. Im Gespräch mit den fünf Berliner Designerinnen erwies er sich als erstaunlich sachkundig, erkundigte sich nach der Mitarbeiterzahl, fragte, ob sie es sich leisten können, bei der Fashion Week dabei zu sein. Mit seinem Besuch in Kopenhagen ging Klaus Wowereit weit über sein Pflichtprogramm als Bürgermeister hinaus. Offenbar ist es ihm wichtig, mehr über die Berliner Modebranche zu erfahren und sie auch im Ausland zu bewerben. Er versprach sogar: „Die brauchen Startkapital, das die Banken nicht geben, deshalb stellen wir es zur Verfügung.“

Bei „Bright Green Fashion“ ging es mehr um einen ideellen Austausch. Gefördert wurde in Naturalien wie Workshops mit Fachleuten, Hotelübernachtungen und einer abschließenden Modenschau während der Kopenhagener Design Week Ende August.

Die Berlinerin Friedrike von Wedel-Parlow nahm nicht zum ersten Mal an einem solchen Programm teil. Mit ihrem Designduo „von Wedel & Tiedeken“ gewann sie in den vergangenen neun Jahren viele Modepreise und durfte ihre Kollektionen vor großem Publikum zeigen. Während die letzte Kollektion von „von Wedel & Tiedeken“ in die Läden ausgeliefert wird, präsentiert sie ihre neuen Kleider in Kopenhagen im großen Festsaal des Rathauses.

Tarané Hoock hatte keine Erwartungen an den Auftritt. Im vergangenen Jahr war sie die beste Absolventin der Modeschule Esmod – für sie war Kopenhagen der Anlass, endlich ihre erste Kollektion zu entwerfen (siehe Foto). Sie schichtete getrocknete Zweige und Blätter zwischen zwei Lagen Stoff, druckte Gräsermotive auf Overalls und bog mithilfe von Draht Kleider in Zwiebelform. Tarané Hoock nähert sich dem Thema Nachhaltigkeit auf sehr poetische, fast naive Weise.

Viele haben inzwischen zur Kenntnis genommen, dass etwas passiert in Berlin. Das konnte man an den Mitreisenden erkennen: Vertreter aus dem Berliner Senat, der Tourismusverband, Berlin Partner, das Außenministerium und der Gesamtverband Textil und Mode schauten sich die Arbeiten der Berliner Designer an, um zu sehen, „ob man da vielleicht mal einsteigen kann“, wie Kirsten Rahmann vom Textilverband sagt.

Auch wenn das Projekt „Bright Green Fashion“ mit der Modenschau erst einmal vorbei ist – die Designerinnen nehmen nicht nur neue Kollektionen mit nach Hause, sondern auch viele Anregungen, wie sie sich mit dem Thema Nachhaltigkeit eine Nische auf dem schwer umkämpften Modemarkt schaffen können. So konnte auch Friedrike von Wedel-Parlow etwas tun, was für sie neu war: „Endlich mal darüber nachdenken, was man alles weglassen kann.“

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