Berliner Modemessen : Markt und Muße

Die Messen Premium und Seek gehören zusammen, sind aber auf ganz unterschiedliche Weise erfolgreich.

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Man fühlt sich zuerst wie auf einem riesigen, vollen Marktplatz – die Temperaturen, die auf der Premium herrschen, erinnern an den Mittelmeerraum. Menschenmassen schieben sich schon um kurz nach zehn durch die weiten Hallen des ehemaligen Postgüterbahnhofs am Gleisdreieck. Ein auf den Betonboden geklebter weißer Folienstreifen leitet die Besucher durch das Labyrinth der eng gestellten Stände, immer tiefer in die Hallen hinein.

Etwa 1400 Kollektionen werden auf der Premium vorgestellt. Im kommenden Frühjahr sollen sie in den Läden hängen. Jetzt sind Einkäufer aus aller Welt hier, um zu sichten und zu ordern. Um ihnen die Orientierung zu erleichtern, gibt es eine ausgeklügelte Ordnung, nach Genres sortiert sind die Anbieter über die riesigen Flächen verteilt. Das Spektrum reicht von weltbekannten Marken wie Lacoste oder Burlington über modische Jeanslabel wie True Religion und Edelsportswear von Adidas SLVR bis zu jungen Designern, von denen einige in dieser Woche Modenschauen auf der Mercedes-Benz Fashion Week zeigen.

Aber auch das Label von Berlins prominentestem Modeschöpfer, Michael Michalsky, ist mit einem großen Stand auf der Premium präsent. Und es gibt nicht nur Kleidung, manche Unternehmen haben Schuhe, Schmuck oder Accessoires im Sortiment. Das entspricht dem Bedürfnis vieler Einkäufer: Sie können auf der Messe bereits komplette Outfits zusammenstellen, die sie später in ihren Läden den Kunden anbieten.

Das große Gedränge so früh am ersten Tag freut die Veranstalter: „Wir sind sehr glücklich“, sagt Martin Schmieder, einer der Sprecher der Premium. Der Ansturm zeige, wie sehr Aussteller und Einkäufer an die Modestadt Berlin glauben.

Auch Bjorn Bruun, der Gründer der dänischen Modemarke Bruuns Bazaar, ist beeindruckt. Gerade kommt er aus Paris: „Da war viel weniger los“. Paris und Berlin sind die einzigen Städte, in denen das Label auf Messen ausstellt, für die Heimat reicht ein Showroom in Kopenhagen. „In Paris erreichen wir Einkäufer aus Asien und Südeuropa, in Berlin die Deutschen, Skandinavier und Osteuropäer“, sagt er. Das erklärt auch, warum so viele skandinavische Marken schon lange auf der Premium zeigen.

Doch beeindruckende Besucherzahlen sind nicht für alle Marken optimal. Deswegen ist die Seek, die ursprünglich unter dem Dach der Premium stattgefunden hatte, ein paar Häuser weiter in ein ehemaliges Kühlhaus gezogen. Dort laufen nur wenige Einkäufer herum, die Stimmung ist im Vergleich zur Premium ausgesprochen entspannt. Kein Zeichen eines Misserfolgs: Die dort ausstellenden kleineren Marken, etwa Indigofera, Stutterheim oder The Local Firm, zeigen Produkte, die sich eher an spezialisierte Händler richten und oft eine besondere Geschichte erzählen. Sie würden in der Masse leicht untergehen.

Hier, im rohen Charme des baufälligen Industriegebäudes, haben die Aussteller ein passendes, ruhiges Umfeld und die Möglichkeit, den Einkäufern, die genau ihretwegen herkommen, zu erklären, worum es in ihren Kollektionen geht. Natürlich sind die hohen Besucherzahlen der Premium ein Zeichen des Erfolgs – sie sind aber nicht das Einzige in der Welt der Berliner Modemessen.

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