Bread & Butter : Noch dominieren Bauhelme die Modemesse

Vor der Messe Bread and Butter wird der einstige Flughafen Tempelhof für Veranstaltungen fit gemacht. Von Mode ist noch nicht viel zu sehen - es sei denn, man zählt die Bauhelme zu den Accessoires.

Christian van Lessen
Tempelhof
Modisch? Noch wird in den großen Hangars gearbeitet, um viel Platz für die Modemesse zu schaffen. -Foto: Rückeis

BerlinOhne Bauhelm und Ingo Gräning vom Schutz- und Wachdienst geht im Flughafen Tempelhof gerade gar nichts. Er ist Herr über 9800 Tür- und Torschlösser, muss an allen Ecken und Enden gleichzeitig sein. Überall sind Bauarbeiter am Werk, um die Hangars für die Modemesse Bread and Butter Anfang Juli fit zu machen. Sie reißen – in Abstimmung mit dem Denkmalschutz – alte Werkstattgebäude innerhalb der Hangars ab, „entkernen“ sie, um noch mehr Fläche zu schaffen. Leitungen müssen verlegt, neue Türen und Tore eingebaut werden.

Im Hangar 6, mit 6500 Quadratmetern die größte der sieben Hallen, wirken die Schuttcontainer wie winziges Spielzeug. Gut 18 Meter hoch und 43 Meter breit – da werden auch die Menschen ganz klein. Die Luft ist frisch, kaum zu glauben, dass es hier einmal nach Öl und Kerosin oder Benzin des Flughafenfuhrparks gerochen haben könnte. Der große Einzug der Modeleute, die hier und in den anderen Hangars ihre verschiedenen Labels präsentieren wollen, wird erst in der nächsten Woche erwartet, weiße Zelte auf dem Vorfeld haben sie aber schon aufgebaut. Am 1. Juli wird die große Modenschau beginnen und drei Tage lang die neue Zukunft des einstigen Flughafens als Veranstaltungsort einläuten. „Alles wird rechtzeitig fertig“, versichert Katja Potzies von der Berliner Immobilienmanagement-Gesellschaft (BIM), die das Gebäude verwaltet.

Zur Flughafenzeit waren die Hangars, die – unterbrochen vom Haupttrakt – zusammen eine Fläche von 40 000 Quadratmetern ausmachen, untereinander getrennt, nur durch schmale Brandschutztüren verbunden. Inzwischen sind sechs Meter breite Durchgänge durch alle Seitenwände gebrochen worden. Die Hangars lassen sich naturgemäß zwar weit öffnen, aber in Fällen der Gefahr, sagt Ingo Gräning, geht das nicht schnell genug. So mussten in die Rolltore aus Metall und Holz insgesamt 60 Fluchttüren eingebaut werden. Nach Auskunft von Katja Potzies arbeiten derzeit 25 mittelständische Firmen auf der Baustelle, davon 80 Prozent aus Berlin. Sie haben bereits mehr als 22 Kilometer Stark- und Schwachstromkabel verlegt oder auch kilometerlange Heizungsrohre. Richtig perfekt wird alles erst zur nächsten Veranstaltung der Bread and Butter Anfang kommenden Jahres sein. So sind auch die geplanten 150 Toiletten noch nicht fertig, aber es werden mobile Häuschen hingestellt, und für Notfälle biete auch das Flughafengebäude sanitäre Hilfe. Aber das sind Nebensächlichkeiten: Die BIM und die Bread and Butter als Mieterin für die Messezeit freuen sich, dass neues Leben einzieht, dass Zeichen des Verfalls nach der Schließung des Flughafens gar nicht erst sichtbar geworden sind. Die Modemesse hat wie ein Signal gewirkt, das weitere Veranstalter anlockt, die BIM als Verwalterin des Geländes, die rund fünf Millionen Euro in Umbauten investiert, sei geradezu überrannt worden von Anfragen, sagt Katja Potzies.

Es haben sich die beispielsweise die Pyromusikale, ferner ein Open-Air-Konzert, die Messe Berlin Vital des SCC-Running, eine Kunstmesse, die „Freestyle Berlin“ und das Reit- und Springturnier angekündigt. Dafür entsteht dann im Hangar 6 eine große Tribüne. Bauhelme werden – nach der Modemesse – noch eine Weile auf dem Gelände groß in Mode bleiben. 

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