Design aus Berlin : Gigantische Blumen aus Stoff

Julia Lipinsky fertigt unter dem Label Giant Flowers mannshohe Fabelpflanzen aus bunten Stoffen. Das klingt kitschig, ist es aber nicht.

Lisa Kober
Blumen umarmen. Die Gewächse von Julia Lipinsky sind riesengroß.
Blumen umarmen. Die Gewächse von Julia Lipinsky sind riesengroß.Foto: Sebastian Siebel

„Meine Freunde hatten Angst, dass meine Stoffblumen kitschig aussehen würden“, sagt Julia Lipinsky. Diese Sorge war unbegründet, denn die überdimensionalen Fabelgewächse kommen alles andere als kitschig daher. Sie sehen aus wie Pflanzen aus einem Märchenwald. Oft größer als man selbst, dienen die bunten Blumen auf Messen oder Ausstellungen meist als Dekoration.

Das Überdimensionierte ist die Spezialität von Julia Lipinsky. „Schon während meines Modedesignstudiums an der Universität der Künste habe ich alles vergrößert. Ich bin fasziniert von einer Dimension, die größer ist, als ich selbst“, sagt sie.

Stoffe für ihre Kreationen sucht Julia Lipinsky auf Märkten und im Internet: „Ich kombiniere eigentlich alle Materialien miteinander, die ich finden kann. Segeltuch mit schwerem Samt oder Seide mit Plastik.“ Hauptsache am Ende entsteht ein stimmiges Ganzes.

Eine Blume gibt es ab 650 Euro

Für die Berliner Modemesse Bread & Butter arbeitet Lipinsky zum Beispiel viel mit Jeansstoffen, und auch andere Modemessen wie die Panorama haben die bunten Stoffblumen schon angefragt. Ihre Blumenwelt kann man seit rund zwei Jahren kaufen und mieten, eine Blume gibt es ab ungefähr 650 Euro, die Miete pro Tag beträgt etwa die Hälfte. Gerade große Messen und Auftraggeber wie der letzte, das Kaufhaus „Galeries Lafayette“, können sich diese Preise leisten.

Dabei war die Idee für die Stoffblumen eher ein Zufall. Für eine Ausstellung des Eichenzentrums Eberswalde arbeitete Julia Lipinsky an einem Baum und entdeckte dabei ihr Faible für die Pflanzenwelt. Seit einem halben Jahr bietet die 45-Jährige die Blumen nun an. Schon viel länger arbeitet sie mit Architekten zusammen. Sie konzipiert aufblasbare Räume, Riesenmatratzen, gefüllt mit Gummibällen und große Zelte – eben alles, was groß und kompliziert ist.

Ihre Blumenentwürfe sind oft eine Mischung aus mehreren realen Vorlagen, die sie direkt aus der Natur nimmt. „Ich schaue mir ganz genau an, wie Blumen aufgebaut sind und suche mir dann von allen die Details heraus, die mir am besten gefallen“, sagt sie. Eins zu eins abbilden will sie nicht, eher etwas Neues schaffen. Um die organischen Formen mit Stoff lebendig zu machen, braucht die Modedesignerin nicht viel mehr als Zeichenmaterial und eine Nähmaschine.

Im Blumenwald wird man wieder Kind

„Zum Glück kann ich aktuell noch all meine Blumen selber fertigen“, sagt Lipinsky. Im nächsten Jahr wird sie 150 Magnolien für eine große Modekette liefern müssen, dabei wird ihr eine Assistentin helfen. Ins Ausland würde sie mit einer großen Produktion nicht gehen. „Es ist mir wichtig, in Berlin oder zumindest Deutschland zu fertigen“, so Lipinsky.

Nicht nur die Herstellung ist der Designerin wichtig, für sie ist das ganze Projekt Blumenwald ökologisch inspiriert. Ihre Blumen werden nach Gebrauch aufbewahrt und wiederverwendet. Außerdem sind alle Modelle nicht nur miteinander kombinierbar, sondern können auch modulartig zusammengestellt werden.

Gefällt einem Kunden die Knospe der einen und die Blütenblätter der anderen Blume, entsteht durch das Baukastenprinzip eine neue Fabelpflanze. Waschbar sind die Stoffblumen auch, sogar wetterfeste sind bei Lipinsky in Planung. Dafür müssen die Stoffe entsprechend behandelt werden und dürfen auch nicht zu dünn daherkommen. Manchmal sind die einzelnen Teile der Blumen mit Wattevlies gefüllt, um sie lebendiger zu machen. Vor allem die Knospen sollen prall und frisch aussehen, wobei die Blütenblätter meistens sehr dünn sind, wie eben in der Natur. Zwischen den einzelnen Stoffschichten arbeitet Julia Lipinsky mit Draht, so kann man die Blütenblätter individuell bewegen und die Blume der Umgebung anpassen.

Oft bekommt sie gerade von Erwachsenen freudig-kindliche Reaktionen. „Vielleicht wird man wieder Kind für einen Moment“, überlegt Lipinsky. Spaß macht der Blumenwald auf jeden Fall.

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