Design aus der Schweiz von Vanessa Schindler : Plastik fantastik

Vanessa Schindler findet Nähen kompliziert. Sie will Stoffe auf andere Art zusammenfügen.

Sophia Steube
Vanessa Schindler hat gerade einen wichtigen Nachwuchspreis gewonnen
Vanessa Schindler hat gerade einen wichtigen Nachwuchspreis gewonnenFoto: promo

Bei aller Ruhe, die Vanessa Schindler ausstrahlt, könnte man fast vergessen, wie beschäftigt die Schweizer Designerin ist. Heute präsentiert sie ihre Kollektion auf Einladung von Mercedes-Benz und Elle im Kronprinzenpalais, nebenbei arbeitet sie mit der französischen Marke Petit Bateau an einer gemeinsamen Linie. Und dann entsteht auch schon ihre neue Kollektion, die sie in Zusammenarbeit mit Chanel entwerfen wird.

Dass es für die 29-Jährige so rasant geht, liegt daran, dass sie Anfang Mai beim Festival für Mode und Fotografie in Hyères den wichtigsten Preis in der Kategorie Mode bekommen hat, den Grand Prix du Jury Première Vision. Viele erfolgreiche Designer wie Raf Simons, Chefdesigner bei Calvin Klein, wurden in Hyères ausgezeichnet.

Bei den Kleidungsstücken von Schindler muss man zweimal hinsehen, um ganz sicher zu sein: Ist das Plastik an den Säumen? Es handelt sich um Urethan. Wenn sie an einem neuen Kleidungsstück arbeitet, spricht sie gern davon, dass sie mit dem flüssigen Material „zeichnet“. So ist ein Kleid komplett aus Urethan und einem hauchdünnenschwarzen Stoff entstanden. Ein anderes ist von oben bis unten mit Muscheln aus Urethan versehen. „Nähen ist kompliziert und erfordert viel Aufwand. Also habe ich versucht, eine andere Lösung zu finden, um Stoffe zusammenzufügen“, erklärt sie.

Aufgewachsen ist Vanessa Schindler in Vevey am Genfer See. Ihr Vater ist Karosseriebauer, der Beruf hat sie geprägt. „Ich habe mich nie für Autos interessiert, nur für die Formen“, erzählt sie. Ihre Entwürfe haben etwas Skulpturales. Mit der Nähmaschine arbeitet sie nur selten, dafür aber mit Reinigungsmitteln, die eigentlich für die Automobilindustrie entwickelt wurden, um die speziellen Applikationen an ihren Entwürfen zu säubern.

Dieses Jahr will sie sich ihrem eigenen Label widmen: „Mir gefällt der Gedanke, wenige, aber hochwertige Kleidungsstücke zu produzieren.“

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