Design in Brandenburg : Die Designtage Brandenburg sind eine wichtige Plattform

Brandenburger Designer sind bodenständig und lieber leise als marktschreierisch. Deshalb ist es gut, dass es die Designtage in Potsdam gibt.

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Christin Lau macht Mode für gestandene Frauen.Alle Bilder anzeigen
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21.11.2013 15:58Christin Lau macht Mode für gestandene Frauen.

So schnell bekommt man nicht überall so viele Protagonisten an einen Tisch. In Potsdam schon, hier sitzen in einem Büro Katja Dietrich-Kröck, die Koordinatorin für Kreativwirtschaft in Brandenburg, Alexandra Klatt, die den Onlineshop Kizuco für Design aus Berlin und Brandenburg hat und die Agentur Luv mit Anja Engel leitet, Roswitha Büchting, die Möbel entwirft, und Jakob Blazejczak, nominiert für den Designpreis Brandenburg.
Sie alle haben mit den Designtagen Brandenburg zu tun, als Aussteller, Organisatoren und Initiatoren. Und alle wollen über Design aus Brandenburg erzählen – in aller Ruhe. Weil, nun ja, in Brandenburg ist man nicht so laut wie in Berlin. „Wir sind nicht so marktschreierisch.“ Jakob Blazejczak findet, dass die Verbindung von Hand und Kopf stimmen muss: „Schon auf der Fachhochschule Potsdam wollen unsere Dozenten, dass wir mit Manufakturen und Firmen im Land zusammenarbeiten.“
Die Designtage sollen nicht nur eine Verkaufsmesse für alle sein, die Designer können sich in Workshops austauschen und an einem Symposium teilnehmen. Tatsächlich war Roswitha Büchting ganz erstaunt, wie viel gutes Design es in Brandenburg gibt – da ist sie wieder, die brandenburgische Bescheidenheit.
Viele Designer leben in Brandenburg auf dem Land. „Einige sind richtig stadtflüchtig. Nur so können sie sich auf die Natur einlassen. Die spielt bei vielen brandenburgischen Designern eine wichtige Rolle“, sagt Anja Engel.
Räume sind in Potsdam rar und teuer. So wünschen sich die Designer einen permanenten Showroom für ihre Produkte in bester Innenstadtlage, wo man nicht nur einmal im Jahr sehen könne, was die Brandenburger zu bieten haben. „Vielleicht ist das ja ein gutes Thema für das nächste Kamingespräch mit dem Potsdamer Bürgermeister“, sagt Katja Dietrich-Kröck. Immerhin steht im Koalitionsvertrag, dass die Kreativwirtschaft nachhaltig zu fördern sei. Das brachte auch Katja Dietrich-Kröck ihre Stelle und damit die Möglichkeit, die Designtage zu organisieren.

Möbel von Dessau Design und Rejon

Die Produkte von Roswitha Büchting und Jakob Blazejczak stehen in Potsdam einträchtig in der Lounge des Potsdamer Kunstraums in der Schiffbauergasse. Auf dem Sofa von Dessau Design kann man sich ausruhen, die Lampe von Rejon spendet warmes Licht. Roswitha Büchting hat in Dessau an der Bauhausuniversität studiert. Sie faszinierte die Tradition des Bauhauses. Aber zum Arbeiten war es ihr in Dessau zu eng, deshalb zog sie nach Potsdam und nahm nur den Namen für ihre Firma mit. Gerade, kantig und sehr durchdacht, so sieht ihr Sofa aus. Es steht im Mittelpunkt ihrer Entwürfe.
Die Tischleuchte vom Möbellabel Rejon passt mit ihrem bunten Lampenschirm und ihrer ungewöhnlichen Konstruktion perfekt zur Strenge des Sofas. In den drei Beinen steckt eine runde Tischplatte aus Metall. „Es ist ein Brot-und-Butter-Produkt, davon können wir leben“, sagt Jakob Blazejczak, der das Label mit Franz Dietrich betreibt.
Das Regal mit pulverbeschichteten Metallböden soll es erst werden.Erst einmal haben sie damit den zweiten Platz beim Brandenburger Designpreis gewonnen. Für Jakob Blazejczak ist es wichtig, als Designer auf die Veränderungen in der Gesellschaft zu reagieren. Seine Möbel sollen kleiner, flexibler und haltbarer sein. Die Lampe ist für den Versand optimiert. „Viele wollen einen Lifestyle kaufen – und wenn Modedesigner für die Außendarstellung da sind, entwickeln die Produktdesigner die Innenwelt.“
Bei den Designtagen im vergangenen Jahr haben sich Roswitha Büchting und Jakob Blazejczak kennengelernt und beschlossen, einen gemeinsamen Stand auf Designmessen in Hamburg und Stuttgart zu organisieren, der brandenburgisches Design auch außerhalb des Bundeslandes zeigt. Dessau Design steuerte die Sofas, Rejon die Lampen und Regale und Mariemeers die Teppiche bei. „Wir hatten den größten Stand, der wurde wahnsinnig gut angenommen.“

Mode von Christin Lau

Da steht Trude und wartet. Christin Lau betrachtet sie fast zärtlich. „Trude, das bin ich jetzt.“ Trude ist untenherum kleinkariert und obenherum aus schwarzem Jersey mit weichem Stehkragen. Sie ist ein Kleid und der letzte Entwurf von Christin Lau. Die Designerin hat Trude auf eine Puppe gezogen und mitten in ihren kleinen Laden am hinteren Ende des Holländischen Viertels in Potsdam gestellt. Christin Lau hat zwar in Berlin studiert, aber gearbeitet hat sie immer in Potsdam. Ihr erstes Atelier war eine kleine Werkstatt in einem Hinterhof mit geliehener Nähmaschine.
Lau steht da und weiß genau, was sie tut. Trude ist der aktuelle Stand ihres Designs, sie will an gestandene Frauen verkaufen. „Ich kann auch Blümchenkleider, aber das will ich gar nicht mehr.“ Sie probiert ihre neuen Entwürfe immer erst eine Saison aus, dann erst lässt sie in größeren Mengen in Berlin nähen.
Realistisch ist die Brandenburgerin, aber dabei ganz und gar verliebt in das, was sie tut. Sie wünscht sich, dass ihre Tochter einmal ihren Laden übernimmt. Immer schön einen Schritt nach dem anderen machen, sich seine Kundinnen genau anschauen: „Die brauchen Kleidung, in denen sie sich sicher fühlen können und trotzdem weiblich.“
Im Sommer laufen viele Touristen durch die Gasse mit den Giebelhäusern. „Ständig werde ich durchs Fenster fotografiert“, sagt Christin Lau. Aber so hat sie auch eine erstaunlich weitläufige Kundschaft. Für sie sind die Designtage vor allem ein Grund, ein paar neue Entwürfe fertigzustellen, wie die weite Hose aus breitem, weichem Kord.
Noch etwas ist besonders an ihrem Standort in Potsdam. „Hierher kommen viele Leute vom Dorf. Die denken, ich bin eine Schneiderin, wie es sie bei ihnen früher mal gab. Die wissen gar nicht, dass es Modedesigner gibt.“ Wenn sie Christin Lau kennengelernt haben, hat sich das auf jeden Fall gründlich geändert.

Filme von den Buchstabenschubsern

Die Buchstabenschubser sind erst eingezogen, als alle anderen ausziehen sollten. Seit ein paar Monaten haben sie ein kleines Büro in einer Villa in der Nähe des Schlosses Charlottenburg. Am Eingangstor liegt Sperrmüll, der Vorgarten ist matschig: eine künstlerische Zwischennutzung mit dem Geruch nach Plasteböden und bollernden Heizungen. Aber auch in Potsdam gibt es – ähnlich wie in Berlin – nicht mehr viele dieser Orte. Mehr als 90 Prozent der Studenten der Potsdamer Fachhochschule wohnen in Berlin. Für die Buchstabenschubser war es nie eine Frage, wo sie arbeiten. „Von hier bin ich überall in einer Stunde, ich mag das“, sagt Jan Gabbart.
Aber eigentlich sind Ellen Stein und Jan Gabbart sowieso in so vielen Welten unterwegs, dass es fast egal ist, wo sie ihre Computer aufbauen. Die Buchstabenschubser machen Animationsfilme. „Das ist ja eigentlich nichts Neues“, sagt Jan Gabbart. Aber die Technik hat sich verändert, Daten können heute besser und schneller verschickt werden. Und genau das ist ihre Arbeit: Sie lassen sich einen Wust von Bildern, historischen Fotografien und Informationen schicken und bringen da auf zauberhafte Weise Ordnung rein. Sie verweben in ihren Filmen charmant bewegte Bilder, Schrift und Sprache. „Ellen ist ein Profi darin, komplizierte Sachen einfach verständlich zu machen“, sagt Jan Gabbart. Ihre Auftraggeber sind oft Museen und kulturelle Institutionen, die auch erkannt haben, dass sie mit Schautafeln ihre Besucher nicht mehr erreichen. Bildschirme mit Filmen der Buchstabenschuber stehen auch im Jüdischen Museum in Berlin.
Seit zehn Jahren arbeiten sie zusammen, eigentlich hat sich ihre Art zu arbeiten nicht groß verändert. Ellen Stein: „Das ist vorsätzlich, dass wir klein sind, wir haben schon Aufträge abgesagt.“
Kennengelernt haben sie sich an der Potsdamer Fachhochschule, sie studierte Kommunikationsdesign, er europäische Medienwissenschaft. Noch nie haben sie um einen Auftrag kämpfen müssen. „Wir sitzen hier und arbeiten und dann werden wir angerufen“, sagt Jan Gabbart. Gerade haben sie den Designpreis Brandenburg mit dem Musikvideo „Wait for my raccoon“ von Hundreds gewonnen. Darin wandelt die Sängerin durch einen Wald voller Wunderwesen, die zwischen den Bäumen schweben und Küchen essen. Das Video wird während der Designtage in Potsdam gezeigt.

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