Designnachwuchs in Berlin : Talente brauchen mehr als Geld

Bei ihrem Mentorentag bringt die Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie Designer und Modestudenten in Berlin zusammen.

Lisa Kober
Preisträger Ulf Brauner zusammen mit Michael Sontag (rechts) und Model beim Fotoshooting. Foto: © Franco P. Tettamanti/SDBI
Preisträger Ulf Brauner zusammen mit Michael Sontag (rechts) und Model beim Fotoshooting.Foto: © Franco P. Tettamanti/SDBI

Es ist früh am Morgen, als 20 Modedesignstudenten mit Portfolios unterm Arm die Büroräume von Zalando betreten. In diesen Büchern sind die Entwürfe für die Kollektionen, mit denen sie sich für den „European Fashion Award Fash“ beworben haben. Der Preis wird seit 2005 jährlich von der Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie (SDBI) an sechs Modetalente verliehen. Die Gewinner bekommen Geld und werden gecoacht. Nun findet zum ersten Mal ein Mentorentag für Preisträger und Teilnehmer statt. Die Stiftung hat sich für junge Designer entschieden, die sich selbst noch genau an die ersten Herausforderungen des Modegeschäfts erinnern können.
Dazu gehört auch Tim Labenda, einer der Gewinner des „Fash 2013“ und Vorzeigedesigner in Sachen Selbstständigkeit. Nach dem Preis ging es für ihn steil bergauf: Teilnahme bei der Pro-Sieben-Show „Fashion Hero“, Gewinn des Berliner Senatspreises „Start Your Fashion Business“, die frühe Unterstützung der „Vogue“-Chefredakteurin Christiane Arp. Heute hat er sein Atelier in Würzburg, ein Büro in Berlin und taucht mit seinen Entwürfen in jedem zweiten Modemagazin auf.

Tim Labenda arbeitet mit Zalando zusammen

Trotz des Erfolges ist Tim Labenda alles andere als abgehoben, zwischen den Studenten wirkt er selbst wie einer. In den Kaffeepausen stecken sie am Tisch die Köpfe zusammen, niemand will etwas von seinen Worten verpassen – schließlich träumen sie fast alle von einer Karriere, wie er sie gerade erlebt.
Labenda erzählt von seinem ersten Großprojekt: Als er dieses Jahr mit Zalando eine Kooperation einging, um seine Entwürfe auch an die Masse zu verkaufen, überzeugte er das Unternehmen, in Deutschland produzieren zu lassen. Zalando nahm dafür sogar eine kleinere Gewinnspanne in Kauf. Damit ist Labenda ein Vorbild, wie man für seine Werte einstehen kann.
Auch Michael Sontag hören die Studenten gebannt zu. Der Designer, bekannt für seine Seidenkleider, ist Mentor und Jurymitglied der SDBI. Er begleitete einen Tag vorher als Stylist das Fotoshooting der sechs Preisträger. 400 Aufnahmen pro Kollektion nahm der Pariser Fotograf Franco P. Tettamanti auf. Der Nachwuchs konnte dabei erleben, wie ein Tag im Leben eines Designers aussieht.
Michael Sontag schlug vor, manche Outfits in einer anderen Kombination zu fotografieren, als sie entworfen wurden. „Erst dachte ich, das kann nicht funktionieren, ich habe meine Kollektion schließlich genauso entworfen, wie sie mir gefällt“, erzählt Lukas Fischer aus Bielefeld. An Sontags Umsetzung habe er dann gesehen, dass es sich lohnt, flexibel mit seiner Arbeit umzugehen.

Mit Exel sollten Designer umgehen können


Um solche Erkenntnisse geht es Joachim Schirrmacher, dem Direktor der Stiftung: „Wir wollen den jungen Kreativen etwas mitgeben, das über das Preisgeld hinausgeht, und sie, so gut es geht, auf das vorbereiten, was sie erwartet.“ Im Lauf des Tages berichten ehemalige Preisträger, wie sie den Einstieg in die Branche geschafft haben. Magdalena Stark, Preisträgerin beim „Fash 2013“ und heute angestellt bei ZLabels, einem Tochterunternehmen von Zalando, erklärt, dass nicht nur Kreativität wichtig ist: „Man muss den Lieferanten aus der Ferne exakt sagen, was man haben will – auch in Zahlen und Tabellen.“ Wer also Kollektionen entwerfen will, die in großen Stückzahlen produziert werden, kommt ohne Excel nicht aus.

Mi-kyong Yeom, inzwischen Senior Creative Manager bei Hugo Boss Woman, erzählt von ihrer Präsentation der Siegerkollektion für „Fash 2007“. Dort wurde sie vor Ort von Albert Kriemler, dem Chef des Schweizer Labels Akris, vom Fleck weg für ein Praktikum verpflichtet und arbeitete dort im Anschluss sieben Jahre.
Auch Arnold Gevers, ebenfalls ein Gewinner von 2007, schaffte es vom Praktikum direkt in eine Designerposition bei John Galliano in Paris: „Der Moment, in dem dein eigener Entwurf bei so einem großen Label auf dem Laufsteg gezeigt wird, macht einen schon stolz."

Mehr zu den Gewinnern: www.sdbi.de

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