Ein Buch von Prada : Vom Portemonnaie zur Baukunst

Das italienische Luxusmodehaus Prada macht mehr als nur Bekleidung.

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Ursprünge. Mit Lederwaren machte sich Prada einen Namen. Hier ein Accessoires aus dem Jahr 1927.Foto: promo

Mit demonstrativ zurückhaltenden Kollektionen, die ihren subtilen Reiz oft erst auf den zweiten Blick entfalten, hat Prada die Vorstellung von Luxuskleidung revolutioniert. Mitte der neunziger Jahre beendete das Label die Zeiten offen zur Schau gestellter Opulenz. Das Mailänder Modehaus befand sich damals auf dem Höhepunkt.

Mittlerweile ist es um Prada etwas ruhiger geworden. Dabei hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren einen Weg eingeschlagen, der es weit über die Grenzen der Modewelt hinausführte.

Dokumentiert wird diese Entwicklung nun in einem überaus opulenten Bildband. Für den 708 Seiten starken, vier Kilo schweren, schwarz eingebundenen Band hätte der Begriff Coffeetable Book erfunden werden müssen, wenn es ihn nicht schon gäbe. Gestaltet haben ihn Chefdesignerin Miuccia Prada und ihr Ehemann, Geschäftsführer Patrizio Bertelli, zusammen mit den Designern Michael Rock und Sung Joong Kim von der New Yorker Agentur 2x4. Das neue Selbstverständnis des Unternehmens, das sich nicht mehr nur als Bekleidungslieferant versteht, zeigt sich schon darin, dass es nur auf etwa der Hälfte der Seiten um Mode im engeren Sinne geht. Der Rest widmet sich den ambitionierten Kultur- und Architekturprojekten der vergangenen Jahre.

1913 begann alles ganz traditionell. Damals wurde Prada als Lederwarenhersteller in Mailand gegründet. Jahrzehntelang blieb das Unternehmen diesen Wurzeln treu und verdiente sein Geld mit hochpreisigen Handtaschen und Portemonnaies.

Das änderte sich erst, als Miuccia Prada, die Enkelin des Gründers, 1978 das Unternehmen übernahm. Als erste kleine Revolution erweiterte sie das Repertoire um Nylontaschen, die sich zu modischen Ikonen entwickelten. Zum Modehaus im eigentlichen Sinne wurde Prada aber erst 1989 mit der Präsentation der ersten Damenkollektion. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich das Unternehmen zu einem der wichtigsten Luxuslabels der neunziger Jahre, das wie kein anderes das Modeideal der Zeit prägte.

Durch den Kauf weiterer Luxusmarken versuchte Bertelli in der Folgezeit, Prada zum Großkonzern auszubauen. Diese Pläne scheiterten letztlich an der Wirtschaftskrise nach dem 11. September 2001.

In den vergangenen Jahren sorgte Prada stattdessen auf anderen kulturellen Feldern für Schlagzeilen, vor allem mit spektakulären Gebäuden, die das Modehaus bei weltweit führenden Architekten in Auftrag gab. So entwarf Rem Koolhaas das Geschäft in New York, das schweizerische Büro Herzog & de Meuron das Pendant in Tokio. Über konventionelle Shop-Architektur gingen beide Projekte weit hinaus.

Den vorläufigen Höhepunkt der Prada-Bauten markierte 2009 das avantgardistische Veranstaltungszentrum „Transformer“ in Seoul, das ebenfalls von Rem Koolhaas mit seinem Büro OMA konzipiert wurde. Zudem initiierte Prada diverse Kunstprojekte – unter anderem ließ man Starregisseur Ridley Scott einen Kurzfilm in Berlin drehen. Im Buch werden diese Projekte ausführlich dokumentiert. Natürlich kommen auch die Kollektionen nicht zu kurz; es bleibt aber doch der Eindruck, dass Prada der Nachwelt letztlich Substantielleres hinterlassen möchte als nur Kleidung. Jan Schröder

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Ursprünge. Mit Lederwaren machte sich Prada einen Namen. Hier ein Accessoires aus dem Jahr 1927.Foto: promo
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Ursprünge. Mit Lederwaren machte sich Prada einen Namen. Hier ein Accessoires aus dem Jahr 1927.Foto: promo

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