European Fashion Award : Designern den Weg in die Arbeitswelt ebnen

Die deutsche Bekleidungsindustrie steckt in der Krise. Trotzdem setzt Joachim Schirrmacher auf den Designer-Nachwuchs. Um den nächsten großen Modestar geht es ihm dabei nicht.

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Die Großen gehen, die Kleinen kommen. Das ist eine Erkenntnis, die sich nach der letzten Berliner Fashion Week im Januar festsetzt: Noch nie zeigten so viele neue Labels ihre Mode im Zelt am Brandenburger Tor. Und noch nie waren so wenig etablierte Marken dabei.

Die deutsche Bekleidungsindustrie steckt in der Krise – Strenesse hat im Moment wahrlich andere Probleme, als eine Schau zu organisieren. Wenn die Investoren nicht bereit sind, länger auf ihr Geld zu warten, könnte der Laden dichtgemacht werden. Dieses Thema war dem „Handelsblatt“ Anfang der Woche eine ganze Titelseite wert. Der Tenor: Der deutsche Mittelstand hat es schwer, sich gegen Konzerne wie Zara und H&M zu behaupten. Die Kosten für Material und Produktion sind zu hoch, dafür ist die Ware oft nicht begehrenswert genug.

Was läge da näher, als dass sich beide Seiten zusammentun. Das schwebt auch Joachim Schirrmacher mit der Ausrichtung des European Fashion Award vor. Der Preis wurde 1978 als „Stiftung der deutschen Bekleidungsindustrie“ gegründet, im Januar wurde er zum ersten Mal in Berlin verliehen. Er richtet sich an Studenten und will keineswegs den nächsten großen Modestar finden, sondern helfen, guten Designern den Weg in die Arbeitswelt zu ebnen. Viele ehemalige Gewinner arbeiten heute für Designer wie Wolfgang Joop oder Vivienne Westwood. „Lasst doch die Industrie das Lehrgeld zahlen“, sagt Schirrmacher. Er hat keineswegs etwas dagegen, wenn sich seine Designer irgendwann selbstständig machen, aber wer zuerst einmal Erfahrungen sammelt, hat es später leichter. Wer sich für den European Fashion Award bewirbt, muss neben Zeichnungen, Fotos und Entwürfen auch eine 20-seitige Dokumentation einreichen. Schirrmacher: „Sobald die Designer vor Geschäftsleuten stehen, müssen sie ihre Kollektion erklären können.“



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