Fashion Week - AMD-Absolventen berichten : Hoch die Klischees!

Über ihre Heimatstädte berichten vier Absolventinnen der Akademie für Mode und Design aus Hamburg, München, Berlin und Düsseldorf. Am Freitag zeigen sie ihre Entwürfe

Lisa Kober
Mode aus Hamburg. Daniela Runge.
Mode aus Hamburg. Daniela Runge.Foto: promo

DANIELA RUNGE AUS HAMBURG


Ich bin Hamburg geboren und auch dort aufgewachsen. Viele sagen uns Hamburgern nach, wir seien verschlossen, ich nenne das lieber zurückhaltend. Modisch sieht man diesen Charakterzug daran, dass wir viele Basics kaufen, auch Farbe steht bei uns nicht so hoch im Kurs. Bei uns auf den Straßen herrscht ein cleanes Stilbild, es darf niemals protzig wirken. Angeben würde gar nicht zu den Hamburgern passen. Meine eigene Mode ist auch nichts für Paradiesvögel. Ich will keine Kostüme entwerfen oder mit einem trendigen Print arbeiten, den man nach einer Saison schon nicht mehr tragen kann. Meine Kollektion ist beeinflusst von dem „Wanderer über dem Nebel“ von Caspar David Friedrich. Ein Mann blickt über einem Nebelwald, mit dem Rücken zum Betrachter. Ich finde, das Bild lebt von seiner stillen Melancholie. Der Mann ist ganz in Schwarz gehalten, genau so ist meine gesamte Kollektion.

Aus München kommt... Theresa Reiter.
Aus München kommt... Theresa Reiter.Foto: promo

THERESA REITER AUS MÜNCHEN


Ich bin in München geboren und mit dem Münchner Stil aufgewachsen. Der ist in erster Linie teuer, und es herrscht schon ein gewisser Labelwahnsinn. Statussymbole und Labels sind den Münchnern wichtiger als ein neues Label, das bis dahin nur ein Geheimtipp ist. Das unterscheidet München von Städten wie Berlin, wo die Menschen am liebsten immer total individuell sein wollen. Deswegen schaue auch ich eher ins Ausland, wenn es um meinen eigenen Stil geht. Meine Kollektion ist eine Mischung aus auffälligen Stücken und minimalistischen Basics. Für die typischen Münchnerinnen habe ich auch ganz vorsichtig mit Branding gearbeitet, also mein Label mit Logo als Kette eingefügt. Wichtig war mir aber, dass es dabei stilvoll bleibt. Meine Kollektion wird übrigens von Teil zu Teil modisch mutiger. Genau das wünsche ich mir auch für München.

Gut in Gang. Vera Kloiber, Mode aus Berlin.
Gut in Gang. Vera Kloiber, Mode aus Berlin.Foto: promo

VERA KLOIBER AUS BERLIN


Ich bin in Bayern geboren und aufgewachsen, aber für das Modedesignstudium bin ich nach Berlin gezogen. Der typische Berliner mixt einfach nach Lust und Laune, was ihm gefällt. Das kann ein teures Designerteil sein, das zusammen mit einem Teil vom Flohmarkt getragen wird. Ich selbst gehe hier total gern in Second-Hand-Läden und kombiniere die Sachen dann neu. Auch die unterschiedlichen Kulturen, die in Berlin leben, beeinflussen den Modestil, ebenso wie die Politik. Für meine Kollektion habe ich mich der Looks aus der autonomen Szene bedient und viele politische Motive vermischt. Aus Palästinensertüchern habe ich Hemden geschneidert, die dann unter dem für die Studentenbewegung von ´68 typischen Parka getragen werden. Die Guy-Fawkes-Maske der Occupy-Bewegung trifft auf Jeans und Leder, beides Materialien der jugendlichen Protestbewegung der fünfziger und sechziger Jahre. An Berlin liebe ich die Freiheit, egal ob in der Mode oder in gesellschaftlichen Themen. Das sieht man auch an meiner Kollektion.

Blauweiß. Son Chu, Düsseldorf.
Blauweiß. Son Chu, Düsseldorf.Foto: promo

SON CHU AUS DÜSSELDORF


Ich bin für mein Studium nach Düsseldorf gezogen, weil es für mich immer eine inspirierende Modestadt war. Natürlich ist der Umgang mit Mode hier nicht so experimentell wie zum Beispiel in Berlin, dafür kommt mit dem Kommerz aber eben auch eine wirtschaftliche Sicherheit. Hier gibt es viele Modemessen, und die Labels, die in Düsseldorf ansässig sind, verdienen meist auch richtig Geld mit Mode. Ökonomisch sinnvoll zu denken ist etwas, das ich aus Düsseldorf mitnehme. In meiner Kollektion habe ich versucht, eine Brücke zu schlagen zwischen der kosmopolitischen Großstadtfrau, die gerne Neues probiert und sich vor nichts scheut, und dem Geschmack einer typischen Düsseldorferin, die eher auf Nummer sicher geht und dann doch lieber das einfarbige Cape wählt. Meine Entwürfe sollen meinen künstlerischen Ansprüchen genügen und trotzdem gut verkäuflich sein. Das sind Dinge, die ich mir für die Gründung meines eigenen Labels auch vorgenommen habe.

- Aufgezeichnet von Lisa Kober. Wir verlosen zwei mal zwei Karten für die Modenschau der AMD heute Abend (Freitag, 11. Juli!), Einlass 20 Uhr, im Museum für Kommunikation in der Leipziger Str. 19, Mitte. Senden Sie eine Email bis 15 Uhr am Freitag an: mode@tagesspiegel.de

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