Fashion Week : Auf der Premium brummt das Geschäft

Es hat sich zurechtgeruckelt. Noch nie machte die Premium einen so aufgeräumten Eindruck. Das betrifft nicht nur die Stände, die nicht mehr so verwinkelt angeordnet und unübersichtlich sind, sondern vor allem die Hersteller.

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Reihenweise Anzüge. Der Maßkonfektionär Scabal ist zum ersten Mal auf der Premium.Foto: ddp

In den vergangenen Saisons setzten sie hinter jede positive Aussage über die Berliner Modewoche im Allgemeinen und die Messe im Speziellen ein „aber“. Dieses Mal hört man unisono: „Es ist gut, hier zu sein.“

Norbert Reipert vom Label Villa Gaia ist seit der zweiten Saison dabei und hatte schon des Öfteren Zweifel, ob sich eine weitere Teilnahme an der Premium lohnt. Dieses Mal sagt er: „So eine Messe haben wir noch nie erlebt. Alle Topkunden sind hier.“ Auf seinem Stand sitzen mehrere Menschen über Zettel gebeugt und machen Kreuzchen in Listen. Diesen Vorgang nennt man Order schreiben. Auf die Premium kommen die Händler, um Ware von den Modeunternehmen und Designern für ihre Läden zu bestellen. „Wir mussten schon Kunden wegschicken, weil wir zu viel zu tun hatten“, sagt Reipert.

Auch für Berliner Marken ist es sinnvoll, auf einer Messe auszustellen, anstatt ins eigene Atelier einzuladen. Daniela Biesenbach vom Label Firma will es ihren Kunden so einfach wie möglich machen: „Es gibt so viele Veranstaltungen, und hier kommen alle zusammen.“

Auch Messechefin Anita Tillmann wirkt entspannt. Jetzt denkt sie schon über die nächste Fashion Week im Sommer nach. Vor allem der Bereich mit der Männermode soll größer werden. Zum ersten Mal öffnete die Premium schon einen Tag früher, damit die Herrenbekleidungshersteller und ihre Kunden ganz in Ruhe ihre Geschäfte machen konnten. Das hat so gut funktioniert, dass die Premiumchefs nun darüber nachdenken, den Männern noch mehr Zeit einzuräumen und erst danach mit der Damenmode zu beginnen.

Tatsächlich hat man noch nie so viele Männer in Anzug und Krawatte wie dieses Mal in der ersten Etage gesehen. Einer von ihnen, mit Einstecktuch und Weste angetan, ist Kurt Patzig vom Maßkonfektionär Scabal: „Es hat sich gelohnt. Berlin ist eine wichtige Modestadt.“ Früher haben sie ihre Anzüge immer auf der Münchner Modemesse gezeigt: „Es ist uns nicht leicht gefallen, nach Berlin zu kommen. Aber das hier ist keine Dorfveranstaltung wie in München.“ Viele seiner Mitbewerber haben sich nur umgeschaut, aber Patzig ist sicher: „Im Sommer sind die auch hier.“

Eines wird bei einem Rundgang über die Premium auf jeden Fall klar: Die Zeiten sind vorbei, in denen es egal war, was man wann trägt. So viele Glitzerhänger und Cocktailkleider gab es nie, und auch bei den Männern stachen die eleganten Dreiteiler und Samtanzüge heraus – gute Nachrichten für Berlin, dass man hier inzwischen das ganze Spektrum der Mode findet und nicht mehr nur Jeans und Turnschuhe.

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