Fashion Week Barcelona : Bei der katalanischen Modewoche setzt man auf Newcomer

Die Welt ist voller Fashion Weeks. Manche müssen ihre Existenz nicht rechtfertigen. Andere schon – wie Berlin und auch Barcelona. Dort versucht man den besten katalanischen Nachwuchsdesignern eine Bühne zu geben.

von und Patricia Wolf
Krizia Robustella zeigt grelle Mode zwischen Grabsteinen.
Krizia Robustella zeigt grelle Mode zwischen Grabsteinen.Foto: 080 Barcelona

Für die Präsentation ihrer Kollektion auf der 080 Barcelona, der Modewoche der spanischen Metropole, hat die junge Designerin des Labels Krizia Robustella einen Horrorfriedhof inszeniert. In der Mitte einer großen Bühne sind Grabsteine verteilt, auf die „Rest in Shit“ und ähnliche Sprüche in farbigen Lettern gesprüht sind. Bedrohliche Musik ertönt, während Nebelschwaden das Geschehen durchwabern – höchste Vorsicht scheint geboten. Doch kommen die Entwürfe gar nicht so düster daher, im Gegenteil: Krizia Robustellas Sport-Deluxe-Kollektion umfasst wild gemusterte neonfarbene Overalls und Kombinationen, die manche an den amerikanischen Designer Jeremy Scott denken lassen – und als am Ende der Show die Models mit ihren bunten Atemschutzmasken lässig zwischen den Grabsteinen zu Hip-Hop tanzen und feiern, wird alles gut.

Das Teatre Nacional de Catalunya mit seiner großen Bühne ist perfekt geeignet, den Kollektionen, die auf der Fashion Week präsentiert werden, einen besonderen Rahmen zu bieten. So wird jede Schau zu einer Show, manchmal zu einem richtigen Spektakel.

Nach Barcelona musste Ende Januar kommen, wer neue spannende spanische – oder besser katalanische – Designer kennenlernen wollte. Dazu bot die 080 mit ihrer 19. Ausgabe für die Saison Herbst/Winter 2017/18 ausreichend Gelegenheit.

Mode aus Spanien heißt nicht nur Zara und Mango

Doch einen Schritt zurück. Mode aus Spanien – was heißt das überhaupt? Vor allem einmal Mango und Zara, die ihre Ursprünge auf der Iberischen Halbinsel haben. Zara ist das Zugpferd des Konzerns Inditex, der noch vor H&M einer der größten Fast-Fashion-Anbieter weltweit ist und mit seinen Läden nicht nur die spanischen Innenstädte beherrscht. Eigentümer Amancio Ortega, der 1975 im nordspanischen La Coruña mit Zara den Grundstein für sein weltumspannendes Unternehmen legte, zu dessen Portfolio die Marken Bershka, Pull&Bear oder Massimo Dutti gehören, gilt als zweitreichster Mann der Welt.

Da kann Thomas Meyer als Mehrheitseigner von Desigual nicht mithalten, aber die Marke, die mit ihren quietschbunten Teilen gegen die graue Tristesse ankämpfen will, ist auf gutem Kurs. Von dem Deutschen Meyer vor 30 Jahren auf Ibiza gegründet, erobert sie stetig Malls und Einkaufsstraßen hierzulande. Custo Barcelona dagegen, ebenfalls nicht gerade zurückhaltend in der Farbwahl, um es vorsichtig zu formulieren, hat durch seine typischen grafischen Designs einen hohen Wiedererkennungswert – die Marke kommt aber im Ausland besser an als bei uns. Sie ist als einziges über die Grenzen Spaniens hinaus bekanntes Label auf der 080 vertreten.

Grafische Muster sind typisch für Custo Barcelona.
Grafische Muster sind typisch für Custo Barcelona.Foto: 080 Barcelona

Auf der Veranstaltung geht es laut ihrem Direktor Miquel Rodríguez darum, katalanischen Designern eine Plattform zu bieten, ihre Kollektionen so zu präsentieren, dass sie sich verkaufen lassen. Bewusst mag man sich nicht mit der exklusiveren Modewoche der Hauptstadt Madrid vergleichen und macht auch einiges anders: Die 080 öffnet sich ausdrücklich der Öffentlichkeit, zeigt nicht nur vor Fachpublikum. Und das wird dankbar angenommen – morgens, mittags, abends drängeln sich die Aficionados am Einlass zu den Schauen, Familien mit Kindern, junge Frauen mit Modelmaßen wie auch elegant gekleidete ältere Herrschaften.

Trendsetter ist man auch mit dem Konzept see now – buy now. Was bei Burberry im Herbst begann, wird in Barcelona bereits seit letztem Sommer praktiziert. Gleich nach der Show gehen die Teile online in den Verkauf. Rodríguez ist stolz darauf, Mode nicht nur für den schönen Schein zu zeigen, sondern damit Geschäfte zu machen. Das passt, wie er betont, zu der strategisch günstig gelegenen Metropole am Mittelmeer – traditionell ein Ort des Handels und die Boomtown Spaniens.

Auf der 080 Barcelona kann man nicht nur schauen, sondern auch kaufen

Mit Madrid will die 080 nicht in einen Topf geworfen werden, zu Berlin gibt es aber durchaus einige Parallelen. Beiden ist gemein, dass sie mit der Modemesse Bread&Butter groß geworden sind. 2007 zog die B&B nach Barcelona, parallel zur ersten Ausgabe der 080, nachdem sie von 2003 bis 2007 in Berlin Station gemacht hatte. Beide Städte waren erbitterte Konkurrenten um die Messe mit ihrem Millionenumsatz. Nach einigem Hin und Her entschied man sich dann 2009 ausschließlich für Berlin, hatte ambitionierte Expansionspläne – bis Ende 2014 die Insolvenz bekannt gegeben und die Messe von Zalando übernommen wurde. Seit dem Rückzug großer internationaler Labels wie Boss konzentriert sich Berlin nun vor allem auf Designer aus der Hauptstadt.

Im Sommer steht mit der 20. Ausgabe der 080 zugleich ihr zehnter Geburtstag ins Haus. Gibt es also Anlass zu feiern? Rodríguez, zugleich Direktor der Kammer für Handel, Kunsthandwerk und Mode von Barcelona, sagt: selbstverständlich! Er ist überzeugt, dass die 080 eine Erfolgsgeschichte ist. Seit sieben Jahren leitet er sie – und in dieser Zeit hat sie sich nicht nur fest etabliert als Institution, die bewusst zwischen Mode und Industrie vermittelt, sondern hat sich zudem weiterentwickelt.

Entsprechend selbstbewusst präsentieren die katalanischen Designer ihre Entwürfe auf mehr als 30 Schauen an fünf Tagen. Jedes Jahr zieht die 080 an einen anderen Ort, dieses Mal wurde sie ausgetragen im Teatre Nacional de Catalunya, einem neoklassizistischen Bau, groß genug, all das zu beherbergen, was bei der Modewoche neben den Schauen noch dazugehört: ein Fashion-Markt, auf dem die Besucher vor den Schauen nicht nur gucken, sondern kaufen können, sowie ein Fashion Summit, auf dem über die Herausforderungen des Modemachens in Zeiten der Globalisierung diskutiert wird oder über neue Wege, Nachwuchs zu unterstützen. Wie funktioniert das bei der 080?

Rodríguez schickt seine Scouts in die zehn Kunsthochschulen und drei Universitäten der Stadt, um dort nach vielversprechenden Talenten Ausschau zu halten. Wer ausgesucht wird, bekommt eine Einladung, seine Entwürfe bei der nächsten Edition zu zeigen.

Ein Designer, der das zweite Mal dabei war, gewann den Preis für die beste Nachwuchskollektion. Daniel Rosas Entwürfe sind vielleicht nicht so spektakulär wie die von Krizia Robustella, dafür aber alltagstauglich. Der junge Katalane begeisterte mit seiner Womens-Mens-Wear nicht nur das Publikum, sondern konnte ebenso die Jury überzeugen. Seine vom nordamerikanischen Mount Rainier inspirierte Kollektion „Isolation“, deren beherrschende Farben Weiß, Silber, Grau und gedecktes Grün sind, will Nachhaltigkeit, Komfort und Melancholie vermitteln.

Für Barcelona eher untypisch schlicht ist die Mode von Daniel Rosa.
Für Barcelona eher untypisch schlicht ist die Mode von Daniel Rosa.Foto: 080 Barcelona

Themen, die bei der feierlichen Eröffnung eines neuen Flagshipstores von H&M weniger im Mittelpunkt gestanden haben werden. Die schwedische Marke residiert nun in einem prunkvollen Palast in bester Lage am Passeig de Gracia, dem Ku’damm Barcelonas. Hier werden auf vier Etagen nicht nur Kleider verkauft – neben Accessoires für das Zuhause bei H&M Home wird in dem Geschäft auch gesundes Essen in einer Snackbar angeboten. Genau gegenüber, auf der anderen Straßenseite, liegt bereits ein riesiger Store von Zara – der Wettbewerb geht immer weiter.

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