Fashion Week Berlin : Designer für Männermode sind in Aufbruchstimmung

Es gibt immer mehr Meanswear auf der Fashion Week: Dabei zeigen die Designer zwar einen starken Mann. In der Modewelt muss er sich seinen Platz trotzdem noch erkämpfen.

Regina Lechner
Zerzauste Haare, schwarze hochgekrempelte Hosen und dazu Dr.Martens – Sopopular zeigte seine Kollektion X.
Zerzauste Haare, schwarze hochgekrempelte Hosen und dazu Dr.Martens – Sopopular zeigte seine Kollektion X.

Klassische Herrenanzüge sind immer wieder ein Thema für Ivan Mandzukic. Schnörkellos ist seine Männermode, mit einer klaren Handschrift. „Ein weißes Hemd muss immer in der Kollektion dabei sein“, sagt der Designer. Die Präsentation seines Labels Ivanman war der Auftakt zu einer Woche mit so viel Männermode wie noch nie: Bei fast einem Drittel der Schauen am Brandenburger Tor ist in diesem Jahr Männermode zu sehen.

Meistens im kleineren Raum des Zelts, damit bleibt der große Auftritt auf dem Laufsteg weiterhin den Frauen vorbehalten. Doch das Selbstverständnis der Menswear und ihr Stellenwert auf der Fashion Week wandelt sich gerade spürbar.

Ivanman ist seit letztem Sommer erwachsener geworden. Statt blassgesichtiger Teenager standen da toughe junge Männer auf den Podesten und strahlten in den Outfits den Charme verwegener Kunststudenten aus. Mandzukic ist wichtig, dass man seine Looks flexibel umstylen kann. Er will den Bedürfnissen seiner Käufer gerecht werden. „Die Sachen sollen sich natürlich verkaufen“, sagt er. Aber nicht alles muss kommerziell sein: Für die Schau wickelte der Esmod-Absolvent den Models blaue Klettbänder um den Hals, als Kontrast zu den vielen Auberginen- und Himbeertönen der Entwürfe. Auch ein Hingucker: ein rötlicher Mohairpullover, so fein gestrickt, dass er leicht transparent ist. Den gibt es auch in Schwarz, für Männer mit weniger Mut zur Farbe.

Männermode auf der Fashion Week
Die Modenshow von Ivan Mandzukic war der Auftakt zu einer Woche mit so viel Männermode wie noch nie.
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1 von 9Foto: dpa
16.01.2014 17:47Die Modenshow von Ivan Mandzukic war der Auftakt zu einer Woche mit so viel Männermode wie noch nie.

Einladung von Giorgio Armani nach Mailand

Alles andere als Schwarz findet man dagegen bei Julian Zigerli. „Farben sind mir sehr wichtig“, sagt der Schweizer, der an der Berliner Universität der Künste (UdK) studiert hat. Statt Schwarz nimmt er lieber ein sehr dunkles Braun oder bricht die Farbfläche durch eine Netzstruktur auf. Zigerli kommt gerade aus Mailand.

Der italienische Modeschöpfer Giorgio Armani hatte ihn eingeladen, seine Entwürfe im Armani Teatro während der Mailänder Fashion Week zu zeigen. Unter den vielen Kollektionen voller Herrenanzüge in klassischer Passform fiel Zigerli auf: In Hausschuhen mit Glitzerlogo schickte er die Models über den Laufsteg, hier eine muskelbepackte Brust unter dem halb offenen Friesennerz, dort lässig die Hände in den Hosentaschen eines abstrakt gemusterten Jogginganzugs.

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Eine Bomberjacke auf der Modemesse SEEK.

In Berlin lud Zigerli in ein altes Stummfilmkino. Während sich die Models auf der Bühne langsam aus- und wieder anzogen, trug eine Schauspielerin einen Text vor und ein Musiker spielte live. Solche Performances bleiben in Erinnerung. „Mein Eindruck ist, dass meine Mode in Berlin sehr erwünscht ist“, sagt Zigerli.

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