Fashion Week : Designer hat das Fernsehen für sich entdeckt

Marcel Ostertag zeigt seine Kollektionen seit Jahren auf der Fashion Week in Berlin. Im November hat er die Fernsehshow „Fashion Hero“ gewonnen. Mit allem einverstanden war er dabei nicht.

Lisa Kober
Held der Mode. Der Münchner Ostertag zeigt seine Kollektion seit Jahren in Berlin. Foto: dpa
Held der Mode. Der Münchner Ostertag zeigt seine Kollektion seit Jahren in Berlin. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Dass ich den Wettbewerb „Fashion Hero“ von Pro Sieben gewonnen habe, hat mir, ehrlich gesagt, nicht so viel Medienaufmerksamkeit gebracht, wie viele denken. Bei manchen entsteht der Eindruck, dass ich jetzt eine größere Präsenz habe – dabei war ich immer schon hyperaktiv, was das Netzwerken angeht.

Ich mache regelmäßig die Fashion Week in Berlin mit, arbeite an vielen Kooperationen und tauche oft in der Presse auf, aber dabei geht es letztendlich ums Geschäft. Durch „Fashion Hero“ habe ich gutes Geld verdient, weil ich gewonnen habe. Über die einzelnen Runden hinweg konnte ich meine Entwürfe an die Einkäufer in großen Stückzahlen verkaufen, aber das war nur möglich, weil ich eben den Kunden zufrieden stelle und mich da nicht übertrieben verkünstele

Fashion Week in Berlin
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Designer wurde zur Zicke geschnitten

Für mich hat sich die Sendung auf jeden Fall gelohnt, auch wenn ich nicht mit allem einverstanden war. Ich hatte schon den Eindruck, dass ich da zur Zicke geschnitten wurde, um das Ganze ein bisschen interessanter zu machen. Die Quoten waren ja nicht so, wie der Sender es sich gewünscht hätte. Aber ich bin schon eine Weile im Geschäft und weiß, wie es läuft. Ich habe da mein Ding durchgezogen, tagsüber für „Fashion Hero“ vor der Kamera entworfen, eine Mordsgaudi mit dem Produktionsteam gehabt und am Abend an meiner aktuellen Kollektion für die aktuelle Fashion Week gearbeitet.

Als die Sendung ausgestrahlt wurde, bin ich dann entspannt in den Laden, um zu sehen, was letztendlich aus meinen Entwürfen geworden ist. Es konnte natürlich nicht alles so produziert werden, wie ich es entworfen hatte. Ein Kaschmirmantel wurde zum Beispiel aus Wolle gefertigt, um den niedrigen Preis im Einzelhandel zu halten. Das war aber auch Sinn und Zweck dieser Geschichte, weil ich für die Zeit der Sendung ganz andere Kundinnen hatte. Nicht alle konnten sich vorher einen Ostertag-Mantel leisten, auf einmal hatte ich von ganz anderen Frauen Rückmeldungen als sonst, das fand ich toll.

Fernsehen als Ausgleich zur Mode

Wahrscheinlich werden die Damen keine Stammkundinnen von Ostertag, aber immerhin haben sie jetzt was von mir im Schrank. Wenn es gut läuft, werden mich meine Fans auch bald wieder im Fernsehen sehen. Ich will zwar immer Designer bleiben, habe aber das Fernsehen als Ausgleich für mich entdeckt.

Ich habe vor „Fashion Hero“ bereits eine Pilotfolge „Dein Ostertag“ abgedreht, wo mich die unterschiedlichsten Menschen 24 Stunden lang durch ihre Stadt führen. Zwei Sender sind daran interessiert. Mal sehen, wie das weitergeht. Jetzt kommt aber erst mal die Fashion Week, meine Show am Donnerstag, und ein Treffen mit Zalando steht noch an. Ich arbeite also immer und ruhe mich auf nichts aus.

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