Fashion Week : Frischer Wind aus dem Ausland

Für ausländische Designer wird die Fashion Week immer attraktiver. Gleich sieben Labels zeigen das erste Mal bei der Fashion Week.

Lisa Kober
Von überall her. Mode aus Ungarn von Use Unused, Charlotte Ronson arbeitet in New York und Capara entwerfen in Belgien.
Von überall her. Mode aus Ungarn von Use Unused, Charlotte Ronson arbeitet in New York und Capara entwerfen in Belgien.Fotos: promo

Für Margit Peura ist die Schau während der Berliner Fashion Week die Feuerprobe für ihr Label Whitetail (Link zur Homepage). Die Estin lebt in Helsinki, aber ihre erste Kollektion soll vor allem hier in Deutschland ein Erfolg werden. Das ist der Designerin wichtig, sie interessiert sich sehr für diesen Markt: „Ich glaube, die Deutschen passen sehr gut zu meiner Idee von Mode. Sie teilen die gleichen Werte und empfinden ästhetisch ähnlich wie ich“, schätzt Peura.

Bei Whitetail setzt sie auf klare Schnitte, arbeitet viel mit Alpaca und bewegt sich auch farblich zwischen Grau- und Wolltönen. Ein roter Faden beim noch so jungen Label sollen Werte wie Nachhaltigkeit, faire Arbeitsbedienungen und soziales Engagement sein. “Auf meinen Reisen habe ich mich besonders in Peru viel umgesehen. Whitetail bezieht Alpaca nur von Lieferanten, die wir kennen und die wir abseits der Produktion mit sozialen Projekten unterstützen.”, erzählt Peura. Früher praktizierte sie als Ärztin, nun kann sie durch ihr Modelabel Gutes tun.

Whitetail will die Deutschen in gute Wollmäntel kleiden
Whitetail will die Deutschen in gute Wollmäntel kleidenFoto: Federico Cabrera

Die Entscheidung, nach dem Medizinstudium und dem intensiven Berufsalltag noch mal etwas Neues zu studieren, war für Peura der Wendepunkt: “Ich wollte immer gerne Mode machen, aber erst nachdem mich für etwas Anständiges entschieden hatte, hatte ich den Mut mit über Dreißig zurück zu meinem Kindheitstraum zu finden.”

Ein neues Label will vorher gut geplant werden

Im Operationssaal musste sie oft in Sekundenschnelle die richtige Entscheidung treffen, bei ihrer Labelgründung und dem Aufbau der internen Struktur ließ sie sich Zeit. “Wichtig für mich waren vor allem meine Mentoren, die selbst alle eigene Firmen hatten und mein Businesscoach”, sagt Peura.

Die Designerin ging bei ihrer neuen Berufswahl bedacht vor und holte sich Hilfe bei den richtigen Ansprechpartnern. Viele ihrer finnischen Freunde leben und arbeiten in Berlin, deswegen lernte Peura ein paar ihrer wichtigen Modekontakte schon vor ein paar Jahren kennen. In Finnland wird sie ihre Kollektion wohl nicht vertreiben, ihr Fokus liegt auf Berlin und wie sie hofft, bald in ganz Deutschland.

Junge Labels kommen gerne nach Berlin

Sie ist nicht die einzige Designerin aus dem Ausland, die Berlin für einen attraktiven Standort hält. Neben vielen heimischen Designern ist es auffällig, wie viele junge Labels aus der ganzen Welt die Fashion Week für einen Auftritt in Deutschland nutzen, darunter auch Nian aus der Türkei und Paper London aus England.

Der Schritt in den deutschen Markt kam für die Schwestern Vera und Olivera Capara aus Sarajevo erst über Umwege. Im schwäbischen Ludwigsburg aufgewachsen, zog es sie erst mal fort aus Deutschland. „Modisch gesehen wollten wir immer schon nach Belgien“, sagt Vera Capara. Nach ihrem Studium 2002 arbeiteten die beiden für Dries van Noten und gingen dann gemeinsam zu Martin Margiela nach Paris. „Wir haben damals eine Menge gelernt“, sagt Vera Capara, die einige Zeit ohne ihre Schwester unter Raf Simons für Jil Sander in Mailand arbeitete. „Hier spielten Faktoren wie eine ordentliche Preiskalkulation eine Rolle. Ich weiß jetzt auch, wie man der Nachfrage entsprechend die nächste Kollektion plant“. Solches Wissen half den Schwestern bei der Gründung des eigenen Labels Capara (Link zur Homepage).

Mithilfe eines Kosmetikherstellers finanzieren sie nun ihre erste eigene Show. Zusammenarbeit sind die beiden gewöhnt: „Wir funktionieren sehr gut mit Partnern. Capara soll sich als Marke etablieren, dafür muss man geschäftlich denken.“ Wenn alles klappt, hängen ihre Sachen bald neben denen von Marni oder Celine im Schrank ihrer Kundinnen.

Für das Label Pearly Wong (Link zur Homepage) ist der deutsche Markt ebenfalls interessant. Die Designerin aus Malaysia studierte am Fashion Institute of Technology in New York und entwirft experimentelle Mode. Für Wong steht Berlin für ein neues New York: „Hier wird wirklich noch ausprobiert. Ein Ort für Innovation.“

Erst in der Heimat erfolgreich sein, dann nach Berlin kommen

Bekannte Namen hat auch das Designteam von Use Unused (Link zur Homepage) aus Ungarn vorzuweisen. Tilda Swinton, die eigenwillige Oscar-Preisträgerin, trägt Kleider von Use Unused und macht damit den Designer András Tóth glücklich: „Sie ist eine großartige Künstlerin. Es ist toll für uns, wenn ihr unsere Arbeit gefällt.“ Zusammen mit Attila Godena-Juhász und Eszter Füzes gründete Tóth das Label nach ihrem gemeinsamen Designabschluss in Budapest.

Sie starteten mit einem klaren Businessplan im Kopf. „Wir haben unsere Vision, unsere Ziele und unsere Zielgruppe klar definiert“, sagt Tóth, dem es wichtig ist, Mode nicht nur als ein wildes Ausprobieren zu sehen. Inzwischen verkaufen Use Unused ihre Sachen in zehn Ländern, auch in Deutschland sind sie im Berliner Laden Konk vertreten. Begleitend zu ihrer Schau auf der Berliner Fashion Week kann man ihre Mode im Pop-up Store Baerck und dem LNFA Concept Store im Bikinihaus kaufen. Auch online ist das ungarische Label mit eigenem Shop vertreten. Die drei sind gut vorbereitet, denn „Mode ist ein ernstes Geschäft“, wie Tóth zum Abschied sagt.

Etwas entspannter lässt es Charlotte Ronson angehen. Die Londonerin lebt und arbeitet in New York und kommt aus einer gut betuchten Familie. Nach ihrem Designstudium an der New York University gründete sie schnell ihr Label und eröffnete ein Jahr später ihren ersten Laden in der Elizabeth Street, einer bekannten Shoppingstraße in Manhattans In-Viertel Nolita. Natürlich zeigte Charlotte auch auf der New Yorker Fashion Week und arbeitete in den folgenden Jahren mit dem amerikanischen Moderiesen Urban Outfitters, der Kosmetikmarke Sephora und der japanischen Modeagentur The Wall Co zusammen.

Berlin ist für Ronson Neuland, es wird ihr erster Besuch in der Hauptstadt. „Berlin ist für mich modisch noch experimenteller als New York oder London“, sagt sie. Die Samples für Berlin aus der Herbst-Winter-Kollektion sind aber nicht rechtzeitig fertig geworden, und so zeigt sie noch mal ihre Entwürfe für den Sommer 2015. Zwischen den anderen 53 Kollektionen mit Mänteln und dicken Pullis wird Ronson wahrscheinlich das eine oder andere Frühlingsgefühl auslösen.

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